Ekelhaft:

Darf man so ein totes Reh transportieren?

Totes Wild auf unseren Landstraßen ist nie eine schöne Sache – aber was ein Autofahrer jetzt auf der B109 beobachtete, ist dann noch mal eine ganz andere Kategorie: Da zieht einer so ein getötetes Tier einfach an der Anhängerkupplung hinter seinem Auto her. Und der Mann ist auch noch Jäger! Darf der das?

Pietätlos: So beförderte der Jagdpächter das tote Reh.
ZVG Pietätlos: So beförderte der Jagdpächter das tote Reh.

Das Bild lässt einen schlucken. Es ist entstanden es auf der B109 nahe Rathebur, in Höhe des Abzweigs nach Neuendorf A. Es zeigt, wie ein Auto ein totes Reh hinter sich herschleift, mit einem Seil, das am Hinterlauf des Tieres und an der Anhängerkupplung befestigt ist.

Und das ist noch nicht alles: Nach Nordkurier-Informationen sitzt am Steuer des Autos kein geringerer als der zuständige Jagdpächter, der gerade tut, was er tun muss, wenn ein totes Reh in seinem Pachtgebiet gefunden wird: Er entsorgt es. Die Frage ist nur, wie. Darf man ein totes Tier wirklich so ohne Weiteres an die Anhängerkupplung binden, mutmaßlich, damit man sich den Kofferraum nicht verschmutzt? Und davon abgesehen: Widerspricht es nicht sämtlichen Regeln des Anstands, das Tier so zu befördern?

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz?

Und das ist noch nicht alles. Der Autofahrer, der das tote Reh gefunden und gemeldet hat, schreibt auf Facebook: „Die verendete Ricke hinterlässt ein ganz kleines Kitz, was nun zum Sterben verurteilt ist. Das ist schon schlimm genug. Ein guter Jäger versucht, so ein Kitz aufzuspüren und zu retten.“

So sieht es auch Achim Froitzheim, Sprecher der Unteren Jagdbehörde beim Landkreis. „Wenn es so ein Kitz gegeben hat, könnte der Pächter gegen das Tierschutzgesetz verstoßen haben, wenn er nicht danach gesucht hat.“ Die Behörde werde sich noch am Montag mit dem Sachverhalt beschäftigen.

Und der pietätlose Transport des Tieres? „Ich bezweifle, dass das strafbar oder ordnungswidrig ist“, sagt Froitzheim: „Aber es widerspricht allen ethischen und moralischen Wertvorstellungen, die wir mit der Jagd verknüpfen. Selbst in einer technischen Notlage macht ein Jäger so etwas nicht.“

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Kommentare (3)

Wenn er es nicht verwertet hat Herr Froitzheim recht. Wenn er es zur Verwertung mitnimmt verstößt er ganz klar gegen das Lebensmittelrecht. Den unteren Jagdbehören empfehle ich sich auch ins Lebensmittelrecht, in die Unfallverhütungsvorschriften und diverse andere Gesetze und Verordnungen einzulesen. Und Übrigens hat er auch noch gegen die STVO §22 verstoßen denn das Reh ist eine Ladung. Es steht mit sicherheit mehr als 1,5m über und ist nicht ordnungsgemäß gesichert. Mit solchen Idioten würde ich Schlitten fahren. Leider sitzen in den Behörden nur Ahnungslose die keine Lust haben gegen solche Jäger alle Register zu ziehen. STVO §49 21. OWI Außerdem ist ein ein gefährlicher Eingriff in den Stassenverkehr. Wenn sich der Strick löst oder das Bein abreißt landet das Tier im folgenden Fahrzeug. Hier liegt somit auch noch ein möglicher Straftatbestand nach STGB §315 vor dem nachgegangen werden muss. In dubio pro duriore

Wie sieht es neben Gefährdung im SV mit Seuchengefahr aus?

Kommt nicht in Betracht solange das Wild nicht verwertet wird oder einfach im Wald entsorgt wird. Dann wäre es ein Verstoß gegen TiernebG. So nebenbei bemerkt ist Seuchenbekämpfung nicht Jägersache. Sie dürfen keine Wildtiere mit der Begründung Seuchenbekämpfung erschießen. Das ist ihnen nach derzeitiger Gesetzeslage sogar verboten.