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Daumen drücken für die nächste Prüfung

Die Tränen der Enttäuschung sind erst einmal getrocknet. Jetzt pauken alle Torgelower Umschüler, die bei den zentralen Prüfungen im Fach Pädagogik ...

Ginge es nach den Kleinsten, dann gäbe es grünes Licht. In den Kitas fehlt der Erzieher-Nachwuchs.

Die Tränen der Enttäuschung sind erst einmal getrocknet. Jetzt pauken alle Torgelower Umschüler, die bei den zentralen Prüfungen im Fach Pädagogik durchgefallen sind, für die mündliche Ergänzungsprüfung. Von ihren Dozenten aus dem BFZ Torgelow werden sie dabei unterstützt. Auch moralisch finden sie bei ihrem Bildungsträger Rückhalt. „Bei den mündlichen Prüfungen können wir Lehrer dabei sein.“

Dozentin Susanne Sauerländer weiß, wie wichtig in dieser Situation ein fairer Umgang mit den mittlerweile verunsicherten Umschülern ist. Immerhin haben nur 14 von 42 die Pädagogikprüfung im ersten Anlauf bestanden. Motivation und Lernbereitschaft haben ganz gewiss nicht gefehlt, auch an der guten fachlichen Vorbereitung der angehenden Erzieher gibt es keinen Zweifel, so schätzen es die Dozenten, die Umschüler und auch die Fachaufsicht des Landkreises in einer Krisenrunde ein.

Statt dessen berichten die Prüflinge von diskriminierenden Prüfungsbedingungen an der Berufsschule Stralsund. Doch niemand will sich offiziell beschweren oder Einsicht in die Prüfungsunterlagen beantragen. Aus Angst, dann bei der mündlichen Ergänzungsprüfung abgestraft zu werden. Doch das BFZ will es wissen: „Wir beantragen eine Zweitkorrektur der schriftlichen Unterlagen“, kündigt Ingolf Schulz an. Dazu will er sich mit dem Schulamt in Verbindung setzen. Die Verunsicherung bei den Umschülern aber bleibt bestehen und erhöht somit noch den ganz normalen Prüfungsdruck.

„Auch bei mir und meiner Familie liegen die Nerven blank“

Betroffen von diesem unguten Gefühl sind auch die, die nicht durchgefallen sind. So wie Susanne Schmidt. Sie bibbert jetzt vor der praktischen Prüfung und befürchtet, dass die Umschüler generell unfair behandelt werden. „Auch bei mir und meiner Familie liegen die Nerven blank.“ Sie hat ihren künftigen Arbeitsplatz im Kinderheim Drögeheide praktisch jeden Tag vor Augen und wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich als staatlich anerkannte Erzieherin arbeiten zu können. Immerhin hat sie zuvor schon acht Jahre ungelernt in der Kita Drögeheide gearbeitet.

Die meisten Umschüler haben bereits Vorverträge mit Kindereinrichtungen. Das bestätigt Kita-Fachberaterin Birgit Baumann vom Landkreis Vorpommern-Greifswald.Doch ohne bestandene Prüfung gibt es keine staatliche Anerkennung als Erzieher.Dabei brauchen die Kindereinrichtungen unbedingt Erzieher-Nachwuchs. Schon jetzt gibt es zu wenig Fachkräfte, und in den nächsten zehn Jahren geht jede dritte Erzieherin in den Ruhestand. Außerdem erfordern verbesserte Betreuungsstandards in den Kitas mehr Personal. „Also was spricht gegen eine Ausbildung vor Ort?“ Birgit Baumann versichert: Inzwischen stehen auch die Leiterinnen vieler Kitas dahinter.

Ratlosigkeit auch beim Jobcenter, das immerhin für 32 der 42 Frauen und Männer die Umschulung finanziert.„Jeder Teilnehmer musste durch ein Auswahlverfahren, hier ist keiner dabei, der das nicht will“, versicherte vorab Katja Grummisch vom Jobcenter Uecker-Randow. Jetzt ist Daumendrücken angesagt. Für eine erfolgreiche und faire Prüfung.