Deutsche Bahn statt Ola:

Schlicht statt schick

Der Anblick ist noch ungewohnt: Statt der schicken Ola-Züge fahren jetzt die alten Regio-Triebwagen der Deutschen Bahn durch Ueckermünde. Umgewöhnen müssen sich aber nicht nur die Fahrgäste.

Bisher bei der Ola, jetzt bei der DB Regio: Angelika Albrecht ist umgestiegen und kann immer noch lachen.
Simone Weirauch Bisher bei der Ola, jetzt bei der DB Regio: Angelika Albrecht ist umgestiegen und kann immer noch lachen.

Diese beiden jungen Leute haben kein Problem damit: Zwei Schüler an der Haltestelle Torgelow, die auf den nächsten Zug nach Pasewalk warten, finden es okay, dass sie jetzt mit der DB Regio statt mit der Ola fahren. Sie können ihr Ticket weiterhin im Zug kaufen, und freundlich sind die Zugbegleiter auch, versichern die beiden. Da haben wir aber schon andere Sachen gehört. Zum Wochenanfang erst hatte sich ein Ueckermünder doch ziemlich vernichtend in unserer Redaktion über die rote Bahn geäußert, die jetzt in die schicke Haltestelle am Stadthafen einfährt. Die passe so gar nicht zum aufgehübschten Seebad-Image. Rollende rote Kästen mit gefühlt turmhohem Einstieg – wer wünscht sich da nicht die formvollendeten Ola-Züge zurück, mit ebenerdigem Einstieg, der sich auf Knopfdruck sanft öffnet? Solche Züge standen der Touristen-Stadt Ueckermünde gut zu Gesicht.

Doch die Ola fährt nicht mehr, stattdessen ist jetzt die DB Regio im Nahverkehr unterwegs. Schlicht statt schick. So viele Dinge werden in diesem neuen Jahr anders, oft schlechter statt besser. Da ist man geneigt, auch diese Veränderung zu verteufeln, die uns als roter Zug vor die gerümpfte Nase rollt.

Gelegenheits-Bahnfahrer kramen dann schon mal sentimentale Erinnerungen hervor: Ich weiß es noch wie gestern, draußen war es eisig kalt, Autos sprangen nicht an. Im kuschelwarmen Ola-Zug servierte die freundliche Zugbegleiterin extra heiße Würstchen, sogar der Kaffee hat geschmeckt. So eine Fahrt zur Arbeit vergisst man nicht.

Als Angelika Albrecht von dieser Erinnerung hört, lacht sie und freut sich, dass die Ola-Kunden die guten Zeiten nicht vergessen haben. Angelika Albrecht ist Zugbegleiterin bei der DB-Regio – eine der freundlichen Ola-Mitarbeiterinnen, die zur Deutschen Bahn wechselten. „Wir müssen uns alle ein bisschen umgewöhnen“, sagt sie. Aber es ist immer noch so, dass die Tickets ohne Aufschlag bei ihr im Zug gekauft werden können. Allerdings nur, wenn es am Bahnhof keinen Fahrkartenautomaten gibt, schränkt sie ein.

Hell und sauber ist auch der Regio-Triebwagen, nur Kaffee und Würstchen gibt es nicht mehr. Dafür Plätze in der ersten Klasse. Die gelernte Eisenbahnerin mag ihren Job. Ihr herzliches Lachen hat die Zugbegleiterin mitgenommen in den roten Regio-Triebwagen. Davon kann sich jeder überzeugen.

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