Wehe, wenn es brennt:

Deutschlands einsamster Feuerwehrmann

Die Sirene ertönt. Burkhard Müller macht sich schnurstracks auf zum Feuerwehrhaus. Doch was ist das? Er bleibt allein. Und: Der Wehrleiter hat auch keinen Führerschein für den W50.

Wehrleiter Burkhard Müller ist ratlos: Er sitzt nicht nur allein Feuerwehrauto, sondern kann noch nicht mal ausrücken. Denn er hat keinen Führerschein für den W50.
Uta Bilaczewski Wehrleiter Burkhard Müller ist ratlos: Er sitzt nicht nur allein Feuerwehrauto, sondern kann noch nicht mal ausrücken. Denn er hat keinen Führerschein für den W50.

Als Burkhard Müller beim Alarm am Feuerwehrhaus ankam, traute er seinen Augen kaum: Er blieb der einzige Kamerad. „Ich fühlte mich total allein gelassen“, sagt der Feuerwehrmann. „Das hat es noch nie gegeben“, schüttelt er fassungslos den Kopf. Seit 1990 ist Burkhard Müller Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, seit 1997 ist er sogar Chef der Truppe. „Alleine ausrücken, das ist nicht ratsam. Da kann ja sonst was passieren“, sagt der 51-Jährige. Aber selbst im akuten Notfall wäre das gar nicht gegangen. „Kein Führerschein – jedenfalls nicht für den W50“, sagt der Wehrchef und zieht ratlos die Schultern hoch.

Zum Glück ist Burkhard Müller aus diesem Albtraum schnell aufgewacht. Es war „nur“ ein Probealarm. Gesteuert von der zentralen Leitstelle. Ergebnis: Wehr erst mal stillgelegt, die Nachbarn Luckow und Bellin helfen aus.

Der Führerschein ist für die Wehr zu teuer

Neun aktive Kameraden zählt die freiwillige Wehr in Vogelsang-Warsin momentan. Das sind eindeutig zu wenig, sagt Gemeindevertreter Manfred Müller, der ebenfalls Mitglied in der Feuerwehr ist. Denn zu bedenken ist, dass niemals alle ausrücken können, weil sie außerhalb arbeiten. Und es geht noch schlimmer: „Selbst wenn vier Kameraden am Tag des Probealarms zum Einsatz erschienen wären, hätte niemand das Auto fahren können“, so der Gemeindevertreter. Das Problem: Kaum einer hat heute noch einen Führerschein für die großen Autos. „Das ist dramatisch für die Feuerwehren. So ein Führerschein kostet um die 3000 Euro. Zu teuer für viele“, sagt Manfred Müller. „Die Gemeindekassen sind leer. So können die Kommunen sich kaum an den Kosten beteiligen.“

Viele kleine Wehren kämpfen um Einsatzbereitschaft

Vogelsang-Warsin ist da längst kein Einzelfall. Viele kleine Wehren kämpfen um ihre Einsatzbereitschaft. „Das kann doch nicht sein. Wir retten mitunter Leben“, schimpft der Gemeindevertreter. So wollen der Bürgermeister und seine Vertreter die Brandsicherheit im Ort auf jeden Fall wieder herstellen. Um alle Möglichkeiten auszuloten, findet noch im Februar ein Treffen statt, zu dem Feuerwehrleute, Gemeindevertreter und Bürgermeister sich an einem Tisch treffen.

Wer Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr werden will, kann sich bei der Gemeinde unter der email: g-vw@web.de melden. 

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung