keine:

Dieses Schiff nimmt Kurs aufs Haff

Ein hansischer Schwerlasttransporter entsteht derzeit in den Historischen Werkstätten in Torgelow: die Uecker-Randow-Kogge. Das nach historischen Vorlagen gebaute Schiff soll im Frühjahr zum Haff transportiert werden. Bis dahin ist aber noch ganz viel zu tun.

Die große Welle im Vordergrund, das sogenannte Bratspill, ist montiert. Um diese Winde mit einer waagerechten Achse  laufen später die Seile zum Setzen der Segel. Joachim Winter (r.) und Werner Löwe freuen sich über den Baufortschritt auf der Uecker-Randow-Kogge. Dennoch bleibt noch ganz, ganz viel zu tun.
Klaus Möller Die große Welle im Vordergrund, das sogenannte Bratspill, ist montiert. Um diese Winde mit einer waagerechten Achse  laufen später die Seile zum Setzen der Segel. Joachim Winter (r.) und Werner Löwe freuen sich über den Baufortschritt auf der Uecker-Randow-Kogge. Dennoch bleibt noch ganz, ganz viel zu tun.

Reichtum, wer wünscht ihn sich nicht. In der Hansezeit gab es ihn – majestätische Häusergiebel in den Hansestädten zeugen vom erfolgreichen Handel. Viele vergessen aber, dass der Reichtum auf den Planken von Schiffen eingefahren wurde, denn Koggen dienten damals im Ostseeraum als Transportmittel für Waren. Und genau so ein Schiff wird derzeit in den Historischen Werkstätten in Torgelow nachgebaut – die Uecker-Randow-Kogge.

Die Uecker-Randow-Kogge wird aber nicht zum Warentransport eingesetzt. Sie soll vielmehr an die Hanse und ihre Bedeutung erinnern. Gleichzeitig wird sie die Schönheit des Stettiner Haffs und seine maritime Tradition erlebbar machen. Die Bauarbeiten sind schon recht weit fortgeschritten. Bis zum Transport zum Haff im kommenden Frühjahr ist aber noch viel zu tun. Viel Fantasie, Engagement und handwerkliches Geschick sind dazu notwendig. Denn einen richtigen Bauplan für so ein Schiff gibt es nicht. Die Mitarbeiter der Historischen Werkstätten müssen sich deshalb schrittweise vortasten. Um sich Anregungen zu holen, steht auch ein Besuch bei der Malmö-Kogge in Schweden bevor.

Der Transport ist heikel

Doch jetzt freut sich Joachim Winter – er ist für den Holzbau verantwortlich – erst einmal über die Installation des Bratspills. Diese Winde mit waagerechter Achse befindet sich im hinteren Teil des Schiffes. Mit ihr können die Seile zum Setzen der Segel bedient werden. In wenigen Tagen wird das Heckruder montiert, ein weiterer Fortschritt.

Doch die Schiffbauer müssen mit Überlegung vorgehen. Grund dafür ist der Transport per Tieflader zum Haff – die derzeit 25 Meter lange und acht Meter breite Kogge darf nicht zu schwer und zu breit werden. So werden beispielsweise das Vorkastell und das Achterkastell - Aufbauten auf dem Deck - erst gebaut, wenn die Kogge im Wasser liegt. Außerdem können bestimmte Schiffsteile Schaden beim Transport nehmen, auch das müssen die Schiffbauer beachten. Was aber unbedingt vorher gemacht werden muss, ist der Anstrich des Schiffskörpers. Liegt die Kogge erst einmal im Wasser, kommt man an die Unterseite nicht mehr heran. Der Mast und die Takelage werden hingegen installiert, wenn die Kogge auf dem Haff schwimmt. Der Baum, aus dem der Mast gefertigt wird, steht in der Rothemühler Forst.

Ans Moderne angepasst

Die Schiffbauer halten sich bei ihren Arbeiten streng an die historischen Vorbilder. Dennoch wird die Uecker-Randow-Kogge an die moderne Zeit angepasst. So wird Navigations- und Sicherheitstechnik installiert. Spezielle Pumpen im Boden des Schiffes ermöglichen es zudem, dass sich die Kogge auch ohne Segel bewegen kann.

Stolz ist Joachim Winter auf die Qualität der Arbeiten. Jedes Holzteil wurde exakt gefertigt, verlegt oder angebracht. Der erfahrene Mann sagt: „Unsere Mitarbeiter sind hoch motiviert. Jeder gibt sein Bestes.“ Mit Wehmut denkt er aber an das Frühjahr. Die Kogge wird sich in Bewegung setzen und auf der Produktionsstelle in den Historischen Werkstätten ein großes Loch hinterlassen.