Desaster bei Umschulungen:

Erzieher-Prüfung: Minister greift ein

Aus dem großen Eifer von 42 Torgelower Erzieher-Umschülern wurde die totale Enttäuschung. Statt sich um Kinder und Jugendliche  zu kümmern, stellen sie frustriert Anträge auf Wiederholungsprüfungen. Aber niemand will Schuld daran sein.  

Stress gehört zu jeder Prüfung, ob beim Abitur oder in der Berufsschule. Bei den nächsten Erzieher-Prüfungen soll es für die externen Schüler auf jeden Fall auch fair zugehen.
Frank Rumpenhorst Stress gehört zu jeder Prüfung, ob beim Abitur oder in der Berufsschule. Bei den nächsten Erzieher-Prüfungen soll es für die externen Schüler auf jeden Fall auch fair zugehen.

Prall vor Hoffnung und Aufregung – das war die Stimmung im Torgelower BFZ-Umschulungsraum vor zwei Jahren. Mehr als 40 Frauen und Männer wollten die verkürzte Erzieherausbildung als Chance nutzen und noch mal beruflich durchstarten. Von dieser Aufbruchstimmung ist wenig geblieben.

Die Umschüler kämpfen sich seit Monaten von Prüfung zu Prüfung. Der Abschluss zum Staatlich anerkannten Erzieher scheint für externe Schüler angesichts der hohen Durchfallerquote unerreichbar fern. Dabei hatte mehr als die Hälfte der Umschüler bereits Arbeitsverträge in der Tasche. Doch Kitas und Jugendhilfeeinrichtungen, die auf den schnellen Fachkräftenachwuchs hoffen, müssen weiter warten.

Erst waren es Schikanen bei den schriftlichen Prüfungen: 66 Prozent Durchfaller in der Pädagogikprüfung. Dieses Ergebnis hat dann sogar den Jugendhilfeausschuss des Landkreises auf den Plan gerufen. Nach der erfolgreichen Wiederholung der schriftlichen schepperte es bei den praktischen Prüfungen erneut heftig. Fast bei jedem Prüfling zeigte der Daumen der externen Prüferin von der Berufsschule Stralsund nach unten.

Durchfallquote 85 Prozent

Die Durchfallquote liegt trotz Prüfungsvorbereitung durch erfahrene Praktiker bei 85 Prozent. 17 Umschüler haben es dann im zweiten Versuch geschafft. Einige sind inzwischen auch durch die nächste Wiederholungsprüfung gekommen. Im Einzelfall soll es sogar den dritten Wiederholungsversuch geben. „Es hieß von vornherein: Ihr müsst erst einmal durchfallen und euch viel Zeit für die nächste Prüfungsvorbereitung nehmen“, so schilderte eine Umschülerin ihr Prüfungserlebnis. Sie hat es inzwischen geschafft. Aber die BFZ-Umschüler in der dritten und letzten Erzieherklasse bibbern: Was soll das bloß werden?

Wiederholen soll sich das Dilemma nicht. Jedenfalls nicht wegen einer unzureichenden Prüfungsvorbereitung. Das versicherte Bildungsminister Matthias Brodkorb (SPD) gegenüber unserer Zeitung. Er hat sich mit Torgelower Umschülern und Vertretern der Berufsschule Stralsund getroffen, die diese externen Schüler prüft. Sein Fazit: Im Interesse der Umschüler müssen offensichtliche Kommunikationsschwierigkeiten zwischen der Berufsschule und dem Bildungsträger ausgeräumt werden. Seine Weisung: Das Prüfungsprozedere soll im Vorfeld der Prüfungen gründlich erläutert, alle Fragen des Bildungsträgers sollen beantwortet werden.

Vorwürfe gegen das BFZ bleiben

Das BFZ soll alle nötigen Materialien in die Hand bekommen, die zur Prüfungsvorbereitung gebraucht werden: Rahmenpläne, Literatur, Rechtsverordnungen. Störungen in Prüfungsräumen soll es nicht mehr geben. Auch wenn der Minister versichert, dass sich im Gespräch alle Schikane-Vorwürfe der Torgelower Umschüler als haltlos herausgestellt haben, behält die Sache doch einen Beigeschmack: Müssen solche Selbstverständlichkeiten für so wichtige Prüfungen an einer Staatlichen Schule erst vom Bildungsminister angemahnt werden? Und warum fehlte in der klärenden Runde der Vertreter des Torgelower Bildungsdienstleisters BFZ? Damit bleiben Vorwürfe gegen das BFZ, der Unterricht in Torgelow habe es an der nötigen Qualität fehlen lassen, immer noch offen im Raum stehen. 

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