Die Schiedsrichterin:

Gewalt im Regional-Fußball: Diese Frau greift hart durch

Beim Fußball geht es öfter ganz schön zur Sache. Da braucht es besonnene Unparteiische, um Rowdys zu beruhigen. Auch Birgit Karbe aus Torgelow steht als Schiedsrichterin ihren Mann.

Bei Beleidigungen und Raufereien gibt es nur einen Ausweg: Rote Karte!
Robert Huger Bei Beleidigungen und Raufereien gibt es nur einen Ausweg: Rote Karte!

Wenn Birgit Karbe auf dem Platz steht, dann tanzen die Männer nach ihrer Pfeife. Sie ist seit 14 Jahren Schiedsrichterin und hat die Fußballer aus der Landesklasse im Griff. „Ich werde auch schon mal laut“, sagt die 48-Jährige, „die Männer müssen wissen, dass sie kein Weichei vor sichhaben.“ Aber zunächst versucht sie immer, aufgebrachte Spieler in einem ruhigen Gespräch belehren. Als Frau bekommt sie gelegentlich freche Sprüche zu hören: „Geh lieber an den Herd.“ Birgit Karbe weiß aber damit umzugehen. Sie bleibt gelassen und hat bei Bedarf auch einen Gegen-Spruch parat.

Gewalttätig werden Spieler mittlerweile aber nur noch selten. Pöbeleien kommen eher vom Publikum, weiß Birgit Karbe. Meistens genüge es aber, einen Ordner oder den Kapitän der jeweiligen Mannschaft um Ruhe bitten zu lassen. Früher war das anders. Da gab es die drei gefährlichen „L“: In den Orten Luckow, Lübs und Leopoldshagen kam es bei Fußballspielen öfter zu Ausschreitungen.

Spielabbruch nach Prügelei

Birgit Karbe hat in ihrer bisherigen Karriere nur zwei negative Erfahrungen gemacht. Einmal musste sie tatsächlich ein Spiel abbrechen, als die Spieler begannen, sich zu prügeln. Das andere Mal wurde die Heimmannschaft sauer, weil sie zwei Elfmeter gegen sie gepfiffen hatte. Damit mussten die Gastgeber das Spiel nach 2:0 Toren doch noch aus der Hand geben. „Da war ich dann schon froh, mein Auto heil erreicht zu haben“, sagt die Unparteiische. „Ich glaube, das haben die mir bis heute nicht ganz verziehen.“

Dass Spieler in „Rudeln“ auf sie oder aufeinander losgehen oder beleidigend werden, hat die erfahrene Schiedsrichterin bisher kaum erlebt. Es reicht meistens, wenn sie die Beteiligten in aller Ruhe darauf hinweist, dass sie Fußball spielen und sich nicht bekämpfen. Schließlich müsse am nächsten Tag jeder wieder zur Arbeit. Da sollen die Knochen bitteschön heil bleiben.

Hartes Durchgreifen - das muss sein

Bei brutalen Fouls ist Birgit Karbe auch in den unteren Ligen durchaus dafür, dass härter durchgegriffen wird. Für Blutgrätschen und Beleidigungen darf es keinen Platz geben. Und wenn Anfeindungen ausarten, werden Spieler und Zuschauer umgehend des Feldes beziehungsweise des Geländes verwiesen, sagt Birgit Karbe. Sie würde nicht davor zurückschrecken, ein Spiel im Notfall abzubrechen.

Strafen gibt es aber auch für friedfertige Störenfriede – für die sogenannten Flitzer. In der Bundesliga muss ein nackter Feldläufer mittlerweile mit saftigen Geldbußen rechnen. Doch auch in den unteren Klassen gibt es zumindest eine Geldstrafe für den Verein. 

Birgit Karbe fiebert privat für die Kicker von Hansa Rostock mit. Da muss sie als Zuschauerin ebenfalls die Entscheidungen von Schiedsrichtern akzeptieren – auch wenn sie zum Nachteil „ihres“ Verein ausfallen. Ihr Mann begleitet sie zu solchen Spielen, hat aber weniger mit Fußball zu tun. „Ich kenne mich besser aus“, so Birgit Karbe.

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