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Wald ist plötzlich Bundeswehr-Sperrgebiet

Großes Rätselraten bei den Bürgern: Genau an der Straße zwischen Ahlbeck und Rieth verbieten seit Neuestem Schilder mit dem Hinweis „Militärischer Sicherheitsbereich“ den Spaziergang durch den Wald. Die Bundeswehr hat eine einfache Erklärung parat.

Nanu, was soll denn dieses Schild der Bundeswehr genau an der Straße? Dürfen die Ahlbecker jetzt nicht mehr in „ihren“ Wald?
Uta Bilaczewski Nanu, was soll denn dieses Schild der Bundeswehr genau an der Straße? Dürfen die Ahlbecker jetzt nicht mehr in „ihren“ Wald?

Kopfschütteln bei den Ahlbeckern. Dort, wo sie sonst mit ihren Hunden spazieren gegangen sind, die frische Herbstluft im Wald genossen oder sogar Pilze in ihr Körbchen sammelten, stehen plötzlich direkt an der Straße große weiße Schilder, die ihnen das Betreten eines Waldstückes zwischen Ahlbeck und Rieth gänzlich verbieten. Sogar strafrechtlich verfolgt werden können sie, wenn sie den Hinweis „Militärischer Sicherheitsbereich“ missachten.

Gänzlich unbekannt sind den Bürgern der Fenn-Gemeinde diese Warnhinweise nicht. Aber sie standen sonst viel tiefer im Wald versteckt – und zwar gut 20 Jahre lang. Warum will ihnen der Standortälteste der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ plötzlich also die Nutzung verbieten?

Schilder standen 20 Jahre lang falsch

Antworten erhoffen sich die verärgerten Ahlbecker dieser Tage von ihrem Bürgermeister. Doch auch Josef Schnellhammer (CDU) hat in seinen Sprechstunden keine plausible Antwort parat. „Ich verstehe das auch nicht“, sagt das Gemeindeoberhaupt, das noch dazu selbst Soldat ist. Wenigstens etwas Licht ins Dunkel kann Oberstleutnant Dietmar Henke, verantwortlich für die Umwandlung des Truppenübungsplatzes in einen Standortübungsplatz bringen. „Mir ist im Zuge der Umwandlung aufgefallen, dass die Schilder schlichtweg falsch stehen“, erklärt er.

Der Übungsraum Rieth, so wird das Waldstück genannt, erstreckt sich also bis an die Straße. Auf rechtlicher Grundlage habe man die Warnschilder also einfach wieder an die richtige Stelle gerückt. „Die Nutzung des Waldstückes ist für Spaziergänger und Pilzsammler schlichtweg gefährlich“, erklärt Henke. Aber warum? „Sie können sich an herumliegendem Stacheldraht verletzten oder in Gruben treten“, warnt der Oberstleutnant. Betroffen ist auch ein Reitweg, der durch den Wald nach Ludwigshof führt. „Er wurde jahrelang illegal genutzt“, wird Henke ziemlich deutlich.

Herrscht in dem Wald wirklich Lebensgefahr?

Mit dieser Erklärung will sich Bürgermeister Schnellhammer allerdings nicht so recht zufrieden geben. Als Soldat weiß er, dass die Fläche zukünftig auch nicht für Übungszwecke genutzt wird. Von Lebensgefahr kann hier also absolut keine Rede sein, erklärt der Bürgermeister. So fürchtet der Bürgermeister, dass diese Erklärung bei den Ahlbeckern auf Unverständnis stößt. Zumal das Ganze ohne Information oder Ankündigung passierte.

Kommentare (1)

20 Jahre lang haben die Anwohner nebst Hunden und Pferden den Lebensgefahren getrotzt - welch` Glückskinder! Da könnte man zum Lottospielen raten. Die Fragen sollte doch aber auch sein, wer hat diese Gefährdung der Bevölkerung zu verantworten? Wieso wird 20 Jahre lang derartig schlampig letztendlich mit Munition umgegangen - kann doch nicht sein, dass solche bekannten, lebensgefährliche Bereiche frei zugänglich sind, zumal man mit solchen Blindgängern auch noch eine Menge weiteren Unfug auch außerhalb des Waldes anrichten könnte. Aber vielleicht ist das jetzt alles auch doch nicht so gefährlich wie zuerst vermutet. Ein Irrtum? Vielleicht können die Schilder wieder einfach zurück, viel tiefer in den Wald. Sozusagen ein Kompromiss - mit glücklichem Ende für alle - ist ja schon fast ein Märchen(wald).