Soldaten in der Kritik:

In Uniform verreist er nie wieder

Die Bundeswehr verlässt Afghanistan. Ein Soldat und eine Sanitäterin aus Torgelow, die in Kunduz stationiert waren, erzählen, warum sie in der Heimat mit Anfeindungen zu kämpfen haben.

Im Lager in Kunduz: Stephan Matz und Steffi Schenke.
ZVG Im Lager in Kunduz: Stephan Matz und Steffi Schenke.

Die Heimat hat einen Geschmack, es ist der von Tomatensauce mit Wiener Würstchen. Wenn dazu die Spaghetti auf dem Teller dampften, sagt Steffi Schenke, fühlte sich das an wie zu Hause. Bloß: Dieses Zuhause lag Tausende Kilometer entfernt.

"Das ist wie ein Schlag ins Gesicht"

Sechs Monate waren die Sanitäterin Steffi Schenke aus Torgelow und ihr Freund, der Berufssoldat Stephan Matz, im Bundeswehr-Camp in Kunduz stationiert. Vor wenigen Wochen haben die deutschen Soldaten dieses Lager geräumt. Was geht den beiden durch den Kopf, wenn sie die Bilder des Abzugs ihrer Kameraden sehen? „Jetzt das Land zu verlassen, ist überhastet“, sagt der 32-jährige Matz. Die Sicherheitslage habe sich zwar nach mehreren Offensiven 2009 und 2010 stabilisiert. Aber die Taliban warteten nur auf die Gelegenheit, sich wieder auszubreiten, fürchtet Matz. Was die Bundeswehr erreicht habe, stehe auf dem Spiel: „Das ist wie ein Schlag ins Gesicht für die Soldaten, die dort gekämpft haben.“

Rückblende: Bei einem Bundeswehr-Lehrgang 2011 sahen sich Matz und Schenke zum ersten Mal und waren ruckzuck verliebt. Sie zogen wenige Monate später zusammen in den Einsatz. „Wir bekamen eine Stube zu zweit, da hatten wir Glück“, sagt Matz. Gemeinsam gaben sie sich Halt, teilten den Schrecken, wenn die Taliban das Kontingent während der Patrouille unter Beschuss genommen hatten.

Anfang 2012 kehrten die beiden nach Torgelow zurück. Am 14. Dezember wollen sie nun heiraten. Viel Zeit bleibt nicht, denn im Januar muss Schenke wieder in den Einsatz – diesmal alleine, ins Lager Mazar-e Sharif.

Meist Gleichgültigkeit, manchmal offene Ablehnung

Beide beklagen sie: Wer als Soldat mit Deutschen über den Afghanistan-Krieg spricht, dem schlägt meist Gleichgültigkeit, manchmal offene Ablehnung entgegen. Das mussten die beiden auch jüngst bei einer Benefiz-Veranstaltung im Vorfeld der Bambi-Verleihung in Berlin erleben, für die sie Karten gewonnen hatten. Gemeinsam mit Fernsehstars liefen die Torgelower über den roten Teppich. Steffi Schenke: „Das war der Wahnsinn“. Matz hatte sich die gelbe Schleife an den Anzug gesteckt, die für Solidarität mit den Soldaten im Einsatz steht. Er wollte mit Promis darüber ins Gespräch kommen. „Einige haben mein Anliegen auch voll unterstützt“, sagt Matz. Von Moderator Joko Winterscheidt dagegen gab es eine klare Abfuhr, als Matz ihn fragte, ob er sich nicht mal vorstellen könnte, die Soldaten in Afghanistan zu besuchen.

Der Berufssoldat ist solche Reaktionen gewohnt: Einmal fuhr er in Uniform mit dem Zug zum Kölner Flughafen. „,Mörder‘ war noch eine der netteren Beschimpfungen“, erinnert sich der 32-Jährige. Den Fehler, in Uniform zu verreisen, begeht er nicht noch einmal.

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Kommentare (7)

BW-Soldaten mit Auslandseinsatz kann man nur Ablehnung schenken. Denn die Menschen die sie töten, waren zu einer großer Zahl unschuldige Zivilisten (R.I.P). Die BW sollte sich generell aus Kriegseinsätze raushalten. Nach 1945 hieß es NIE WIEDER FASCHISMUS,NIE WIEDER KRIEG. Daran sollte sich nicht nur Deutschland halten. Die Bundeswehr ist abzuschaffen und sollte in eine Armee umgestaltet werden, die die Grenzen von Deutschland vor Angriffen von Aussen schützt.

Unsere Freiheit und unsere Demokratie müssen heute vor allem im Ausland verteidigt werden. Es wäre grotesk, unsere gut ausgebildete Bundeswehr zuhause zu lassen. Sollen wir etwa guten Gewissens anderer Länder Soldaten für unsere Freiheit sterben lassen, während wir nur zusehen und Geld schicken? Das wäre ein Armutszeugnis für Deutschland. Nein, auch wir haben die Pflicht, unseren Teil beizutragen. Sich mit Blick auf unsere Geschichte davor zu drücken, wäre feige und unkollegial gegenüber unseren Verbündeten. Es würde zudem unserem Ansehen schaden und uns außenpolitisch ins Abseits rücken.

Das was Sie geschrieben haben, ist mehr als Blödsinn und liest sich sehr kopiert. "Unsere Freiheit und unsere Demokratie müssen heute vor allem im Ausland verteidig"? So ein Schwachsinn. Von welcher Freiheit und Demokratie sprechen Sie? Beides herrscht weder in Afghanistan,Irak , noch in Deutschland. Ein einzige was herrscht ist Diktatur des Kapitalismus. Und das muss ganz und gar nicht verteidigt werden. Die Menschen in Deutschland werden immer ärmer, die Preise steigen immer mehr und die Großbesitzer lachen sich in Fäustchen,wenn sie lesen, das diese dummen Menschen glauben, was sie ihnen vorlügen. Wer keinen Krieg führt und wirklich auf Frieden aus ist, muss keinen Angriff fürchten.Auch aus diesem Grund ist eine Bundeswehr mehr als überflüssig. Antworten

Oh mein Gott... Wenn ich mir diesen Blödsinn durchlese wird mir nur schlecht. Unschuldige Leute töten. Da hat eine die Weisheit mit nem ganzen großen Löffel gefuttert. Diese Linke Einstellung spare dir doch hier bitte und kommentier das nicht unter so einen Beitrag. Du tust mir leid. Dich sollte man da runter schicken!!!! Ach und ich habe was für mein Vaterland getan und jetzt kommst du...

AKTION-F: Wenn Sie schon den Kommentar von Joschka Fischer "Nie wieder Krieg" aufgreifen, zitieren Sie bitte auch den zweiten Satz "Nie wieder Auschwitz!". Stichwort: Übernahme von Verantwortung! Merken Sie bitte im gleichen Zusammenhang an, dass Joschka Fischer mit den beiden Zitaten den Einsatz der Bundeswehr im Kosovo gerechtfertigt hat. Ebenso findet sich die Bundesrepublik Deutschland in einem System europäischer und transatlantischer Sicherheit wieder. Unser Grundgesetz fordert ausdrücklich in Artikel 32 ein Wirken in diesem Umfeld. Damit ist ihr Punkt des reinen Schutzes nationaler Grenzen entkräftet. Letzter Punkt: Gemordet wird mit Vorsatz und niederen Beweggründen. Soldaten so etwas passé zu unterstellen, erfordert eine gute Argumentationslogik. Dementsprechend ist auch dieser Punkt in ihrem Kommentar unsinnig! Ergo, ist ihre Argumentationslogik in sich unschlüssig, falsch sowie fehlerbehaftet und sollte zur weiteren Diskussion nicht weiter betrachtet werden.

Die Menschen in Deutschland sind heute nachweislich im Durschnitt beinahe 30 mal (!) wohlhabender als ihre Großeltern in den 50ern . Das dies für Vorpommern nicht zutrifft, mag stimmen. Dennoch: Noch nie waren wir reicher. Für die meisten Deutschen hat der von Ihnen so geschmähte Kapitalismus nie gekannten Wohlstand gebracht. Lebensmittel, Benzin u. a. waren bei uns lange viel zu billig. Das sie nun bald das kosten, was sie auch wert sind, ist eine logische Folge der weltweiten Verknappung aufgrund der Bevölkerungsexplosion. Ihre Ansichten über Krieg und Frieden scheinen mir mehr als blauäugig. Ein reiches Land wie das unsere muss seinen Wohlstand schützen. Was die Polizei im Kleinen ist die Bundeswehr im Großen. Eine schlagkräftige Armee wird immer gebraucht und ist niemals überflüssig. Schon auch nur die Wehrpflicht abzuschaffen, wird sich als folgenschwerer Fehler erweisen.

Wir wollen doch unsere Rolle als drittgrößter Rüstungsexporteur der Welt mindestens sicher. Und dann müssen wir ja noch im Rahmen unserer geplanten"größeren internationalen Verantwortung" die Rohstofflieferung aus dem teils unwilligem Ausland zu unseren Bedingungen militärisch sichern. Da wäre internationale Friedenspolitik nicht hilfreich. Vielleicht ist bald der Spruch berechtigt. Wer gegen Krieg ist der gefährdet Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum.