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Machen wir’s mit Torgelow?

Die Liebe geht ja manchmal seltsame Wege. Und es wäre nicht das erste Mal, dass ein Dorf bei einer Stadt unter die Verwaltungsdecke schlüpft. Inzwischen denken mehr als eine Gemeinde ernsthaft darüber nach.

Ortseingang Heinrichswalde: Gibt es hier bald eine große Hochzeit?
Simone Weirauch Ortseingang Heinrichswalde: Gibt es hier bald eine große Hochzeit?

Rothemühl, Heinrichswalde, Wilhelmsburg, Torgelow-Holl und Heinrichsruh – das sind die Dörfer, um deren kommunale Zuneigung die Stadt Torgelow wirbt. Zwei haben bereits Ja gesagt, die anderen handeln noch die Eheverträge aus.

Nach Wilhelmsburg gab es auch in Heinrichswalde eine ausführliche Informationsveranstaltung, die sich die meisten Einwohner nicht entgehen ließen. Jeder will wissen: Wie geht es weiter mit meinem Dorf? Kann ich mich nach einer Gemeindefusion hier noch zuhause fühlen? Die Verhandlungen der Bürgermeister mit der Stadt Torgelow laufen ja schon geraume Zeit.

Fünf von acht Gemeinden zählen keine 500 Einwohner mehr

„Es gibt keine Geheimnisse, jeder kann sich den aktuellen Vertragsentwurf ansehen.“ Der Heinrichswalder Bürgermeister Gerhard Michalik hält ihn in der Hand. Er sieht in Torgelow den starken und verlässlichen Partner für sein Dorf. Anders als Wilhelmsburg, das mit seinen 800 Einwohnern auch weiterhin gut allein zurecht kommen würde, lastet auf Heinrichswalde ein erheblicher Druck. Fünf von acht Gemeinden im Amt Torgelow-Ferdinandshof zählen keine 500 Einwohner mehr, und Heinrichswalde gehört dazu. Michalik, der bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 nicht mehr als Bürgermeister kandidieren wird, will seine Gemeinde bis dahin gut versorgt wissen.

Auch die Gemeindevertreter haben längst begriffen, dass sie die Zukunft nicht allein stemmen können. Das Dorf ist verschuldet, ein Kassenkredit über 120 000 Euro lastet auf der 450-Seelen-Gemeinde. Und die richtig großen Aufgaben stehen im nächsten Jahr erst an: Die Kopfstein gepflasterte Dorfstraße wird endlich saniert, und das Dorfzentrum vor der Heimatstube wird ausgebaut. Der Festplatz soll gekauft und der alte Plattenbau in der Gartenstraße abgerissen werden. Wer finanziell so in der Klemme steckt, der denkt bei der Partnerwahl nicht unbedingt an eine Liebesheirat, sondern eher an eine Zweckehe. Und an einen guten Ehevertrag.

Torgelow mit über 11 390 Einwohnern

Stehen also alle Zeichen auf Vernunft? Dann könnte es tatsächlich aufgehen, dass die Stadt Torgelow mit ihren angeschlossenen Dörfern im nächsten Jahr bereits 11 390 Einwohner zählt und sich über 164 Quadratkilometer erstreckt. Bei diesem Gedanken graust es aber einigen.

Frank Kamke, der stellvertretende Bürgermeister von Heinrichswalde, spricht es aus: Er ist nicht als Gemeindevertreter angetreten, um die Selbstverwaltung seines Dorfes abzuschaffen. Gleichwohl: Was gibt es da noch zu verwalten und gestalten, wenn das Dorf pleite ist?

Bis zur Einwohnerversammlung im September werden die Heinrichswalder also grübeln, abwägen und dann ganz für sich entscheiden müssen: Machen wir‘s mit Torgelow?