Täglicher Held:

Ohne Männer wie Ronny müssten wir im Müll baden

Müllmann: Ein Job, den wohl nicht unbedingt jeder machen würde. Besonders nicht im Winter. Doch was erlebt ein Fahrer auf seinen Touren? Wir sind einmal mitgefahren.

Müllmann Ronny bei seiner alltäglichen Arbeit.
Robert Huger Müllmann Ronny bei seiner alltäglichen Arbeit.

Eigentlich sind die Fahrten der Müllabfuhr unspektakulär und oft reine Routine. Doch manchmal passiert auch etwas Aufregendes, weiß Ronny Glaner, der als Müllfahrer in der Uecker-Randow-Region unterwegs ist. Bei Ramin kam er auf dem sehr engen, schneebedeckten Feldweg zu weit an den Rand und blieb neben der Fahrbahn stecken. Zwei Traktoren konnten den Seitlader damals nicht herausbefördern. Drei konnten es auch nicht. Erst – man höre und staune – sechs Trecker an der Zahl konnten ihn aus der misslichen Lage befreien. „Da war sofort der ganze Bauernhof auf Trab“, erzählt Glaner, „die waren wirklich sehr hilfsbereit.“ So etwas müsse er jedoch nicht jedes Jahr haben. Das war bestimmt einer der Tage, an dem die erste Tonne umgekippt ist, meint er. Denn das sei immer ein schlechtes Omen.

Wenn Ronny Glaner morgens durch die Straßen fährt, winkt ihm an jeder Ecke jemand zu. Jeder kennt den Ueckermünder und manche Menschen warten sogar frühmorgens auf der Straße auf den Müllwagen von der Entsorgungsgesellschaft Remondis. Seine Tour kennt der 36-Jährige wie seine Westentasche. Morgens um 6 Uhr beginnt die Fahrt. Tonne um Tonne lädt Ronny Glaner vom Führerhaus aus mit dem Steuerhebel automatisch in den Wagen. Bei der eher eintönigen Arbeit muss sich der Fahrer zu 100 Prozent konzentrieren. „Man muss vor allem auf die Fahrradfahrer aufpassen“, sagt Glaner, „nicht, dass man denen eine Tonne auf den Kopf haut.“Insgesamt müssen je nach Tour bis zu 1000 Mülltonnen entleert werden. Das bedeutet ständiges Anfahren und Bremsen – fast als stünde man im Stau. Und das schon mal 150 Kilometer am Tag. Den Verkehr ständig im Blick. Da braucht es ein ruhiges Gemüt.

Spektakuläre Funde wie Drogen, Geld oder gar Leichen hat es in den zwölf Jahren, in denen Ronny Glaner für Remondis fährt, nicht gegeben. Und das soll auch so bleiben: „Ich hoffe natürlich, dass hier niemand in Einzelteilen entsorgt wird.“ Insgesamt rund 16 Tonnen Müll sammelt er täglich ein. Jeder Deutsche produziert nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr etwa 600 Kilogramm Müll. „Die Leute werfen zu schnell und zu viele Sachen weg“, sagt Glaner, „viele sortieren auch schlichtweg falsch.“ Der Müllmann versucht daher, Vorbild zu sein: Sein eigener Nachwuchs kennt sich bereits bestens mit der Mülltrennung aus. Die Arbeitszeiten als Müllmann sind für Ronny Glaner übrigens mehr Segen als Fluch. „Ich kann jeden Abend bei meiner Familie sein.“ Dafür nimmt er das frühe Aufstehen gern in Kauf.