Empörte Anwohner:

Plötzlich ist der Wald hinterm Haus weg

Schön ist er. Und grün. Darum trägt der Eggesiner Ortsteil Karpin auch den sehr treffenden Beinamen Waldsiedlung. Doch nun könnte die Gegend bald Kahlschlagsiedlung heißen.

Beklagt den unangemeldeten Kahlschlag direkt hinter seinem Grundstück: Eckhard Budy.
Lutz Storbeck Beklagt den unangemeldeten Kahlschlag direkt hinter seinem Grundstück: Eckhard Budy.

René Engelmann wohnt seit 1985 in der Karpiner Clara-Zetkin-Straße. Als er gemeinsam mit seiner Frau das Eigenheim errichtet hat, da wuchsen hinter dem Grundstück Buchen. Sie sind im Laufe der fast 30 Jahre mitgewachsen, gehörten quasi zur Familie. Doch nun sind die Laubbäume nicht mehr da. Sind abgesägt worden. Über Nacht beinahe. „Und meine Frau hat fast geheult. Sie hat gesagt, diese Buchen waren doch fast so etwas wie ein Wahrzeichen“, sagt René Engelmann.

Was ist passiert? Hinter den Grundstücken in der Clara-Zetkin-Straße haben Waldarbeiter vor einer Woche damit begonnen, eine Schneise in den Wald zu schlagen. Wobei Schneise untertrieben ist, sagt Eckhard Budy, der ebenfalls in dieser Straße wohnt. „Eigentlich sollten es 30 Meter sein, in denen abgeholzt wird“, berichtet der Eggesiner. Doch er und seine Nachbarn haben nachgemessen: In Wirklichkeit sind die Bäume in einer Tiefe bis zu 42 Meter gefallen. An manchen Stellen ist das Areal auch noch größer.

„Das ist ein richtiger Kahlschlag“

Angeordnet worden sei dies von der Eggesiner Stadtverwaltung. Das bestätigt auch Dirk Langner vom zuständigen Ordnungsamt. Hintergrund sei, dass die Stadt ihrer Sicherungspflicht nachkommen wollte, sagte er. Und die beziehe sich auch darauf, alte und kranke Bäume zu fällen, von denen Äste herunterfallen und Schaden anrichten können. „Das ist ja auch in Ordnung – aber bis auf eine alte Eiche, die vor Jahren mal Probleme gemacht hatte und dann gefällt wurde, sind die Bäume hier gesund“, sagt Eckhard Budy.

Budy und seine Nachbarn sind nun sehr aufgebracht, weil vom stolzen Baumbestand kaum noch etwas übrig ist. „Das ist ein richtiger Kahlschlag“, wettert Budy. Und hat deshalb bei Kreis und bei der Landesforst Alarm geschlagen.

Eine Frau vom Umweltamt und eine Angestellte der Landesforst sahen sich nun also die Bescherung aus der Nähe an. Einen Kommentar wollte keine der beiden Fachfrauen abgeben. Doch ihre Gesichter verrieten, dass auch sie geschockt waren. Und es hieß, dass die Fällarbeiten umgehend gestoppt wurden.