Geschichte:

Rätsel um alten Uniform-Knopf

Am Ueckermünder Schweinemarkt wurde ein bemerkenswerter Uniformknopf gefunden. Er gehörte einem spanischen Soldaten, der – fernab der Heimat – für Frankreich in den Kampf zog. Allerdings nicht nach Ueckermünde. Aber wie kommt der Knopf hierher?

Bernd Junge aus der Ueckermünder Töpferstraße hat bei Gartenarbeiten schon mehrmals alte Münzen gefunden. Diesmal entpuppte sich sein Fund aber als Knopf. Dieser prangte dereinst an einer spanischen Uniform.
Simone Weirauch Bernd Junge aus der Ueckermünder Töpferstraße hat bei Gartenarbeiten schon mehrmals alte Münzen gefunden. Diesmal entpuppte sich sein Fund aber als Knopf. Dieser prangte dereinst an einer spanischen Uniform.

Rekordverdächtig wie 1812/13, als Napoleons „Grande Armée“ auf dem Rückzug aus Russland erfror, war auch der vergangene Winter am Haff. Und als der Ueckermünder Bernd Junge nach diesem langen Winter in seinem Garten eine kleine Metallscheibe mit Öse auflas, ahnte er bereits, dass der Boden ein ganz besonderes Kleinod freigegeben hatte. Die erkennbare Verzierung erinnerte an Knöpfe von Karnevalskostümen, aber auch an die von Feuerwehr- oder Schützenvereinsuniformen. Was hatte Bernd Junge da gefunden?

Die verzierte Metallscheibe entpuppte sich als 22 Millimeter großer Knopf ausMessing. Die ebene Knopfplatte ist gerade einmal einen Millimeter hoch. Auf der Rückseite ist mittig eine zweifach gelochte, pyramidenförmige Halterung angebracht. Sie wurde massiv mitgegossen und kreuzweise durchbohrt. Der etwa vier Gramm schwere Knopf ist von einer dunkelbraunen Patina überzogen, stellenweise aber auch grünlich, was auf ein höheres Alter hindeutet. Das reliefartige Dekor auf der Vorderseite besteht aus einer Randleiste, einer umlaufenden Schrift und einer zentralen Krone mit Monogramm. Identische oder sehr ähnliche Objekte sind auch ausPolen und Russland bekannt.

Die Herkunft ist außergewöhnlich

Das Außergewöhnliche an diesem Knopf ist seine Herkunft: In großen Druckbuchstaben verkündet der Schriftzug INFANTERIA ESPAÑOLA die spanische Herkunft und stellt einen Zusammenhang mit iberischen Fußtruppen her. Unter dem christlichen Herrschaftssymbol, der Krone, steht in großer Schreibschrift JN, ein Namenszeichen, das zugleich die Truppeneinheit angibt. Diese Initialen verweisen auf das „Régiment Joseph Napoléon“, das man auch als „Spanisches Regiment“ bezeichnete. Es wurde für die französische Armee im Februar 1809 aus spanischen Kriegsgefangenen rekrutiert, aber im November 1813 wieder aufgelöst. Sein Bestehen steht im ursächlichen Zusammenhang mit der im Juni 1808 erfolgten Thronbesteigung sowie mit dem im Dezember 1813 durchgesetzten Thronverzicht Joseph Bonapartes, des ältesten Bruders von Napoleon I.

Eigentlich waren die späteren Regimentsangehörigen 1807 von König Karl IV. von Spanien als Teil eines Expeditionsheeres nach Nordeuropa entsandt worden, um im Dienste der Franzosen gegen die Schweden zu kämpfen. Sie waren auch an der Belagerung von Stralsund beteilt. Als im Zuge des politischen Umsturzes die Streitkräfte mit britischer Hilfe versuchten, nach Hause zu gelangen, wurden etwa 4000 Mann in dänischem Hoheitsgebiet festgenommen. Wegen der aufständischen Zustände auf der Pyrenäen-Halbinsel, die an der Loyalität der Soldaten zweifeln ließ, wurde der Truppenverband ausschließlich in Mittel- und Osteuropa eingesetzt.

Wie kommt der Knopf nach Ueckermünde?

Wie aber gelangte der Knopf eines spanischen Infanteristen ausgerechnet nach Ueckermünde? Laut Stadtchronist August Bartelt war Ueckermünde zwischen 1809 und 1813 zweimal durch französische Einquartierungen betroffen, die mit Napoleons Russland-Feldzug 1812 in Verbindung stehen. Ein spanisches Kontingent – es ist nachweislich an den Kriegshandlungen im Osten beteiligt gewesen – erwähnt er zwar nicht, doch könnte es in der Masse der Beherbergungen untergegangen sein. Immerhin bestand die aufgebotene Große Armee, die etwa 600 000 Mann umfasste, zu zwei Dritteln aus nichtfranzösischen Hilfstruppen der Vasallen und Verbündeten. Einzelne Spanier könnten freilich auch auf dem Rückmarsch in die Haffstadt gekommen sein, der nach dem Brand von Moskau zunehmend ungeordnet verlief. Jedenfalls weiß August Bartelt von einem Einwohner zu berichten, der im Dezember 1812 in nur 13 Tagen 52 Personen aufnehmen musste. Denkbar ist jedoch auch, dass sich jemand auf dem Rückzug die spanische Uniform aneignete und sie in Ueckermünde zurückließ.

Kurze Zeit danach war die Kleinstadt bereits Feindesland, sah Preußen doch die Chance, sich aus der französischen Abhängigkeit zu befreien. Erneut kämpften die Spanier auf französischer Seite, beispielsweise bei Stettin. Insofern mag der Knopf auch ein Beutestück sein, das ein pommerscher Freischärler als Siegestrophäe heimbrachte.

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