Unwetter:

Schreck nach Tornado: Lehrling nicht zu finden

Der Nordosten ist wahrlich wind- und sturmerprobt. Dennoch hat kaum ein Vorpommer schon mal so einen Tornado erlebt wie den, der kürzlich über Ahlbeck hinweg gerast ist.

Die Birke vor dem Gelände der Genossenschaft wurde von dem Tornado einfach umgeknickt.
Die Birke vor dem Gelände der Genossenschaft wurde von dem Tornado einfach umgeknickt.

„Ich habe gedacht, die Welt geht unter“, sagt Katrin Block. Und das will schon etwas heißen, denn schließlich sind die Vorpommern so einiges an Wind und Sturm gewohnt. Doch was da an einem ganz normalen Tag vor Kurzem über das kleine Dörfchen Ahlbeck hinweg zog, das fällt kaum unter die Kategorie normaler Sturm. Nein, es war ein Mini-Tornado, eine Windhose, die damals auf angeblich 50 Metern Breite über das freie Feld auf die Gebäude der Landwirtschaftsgenossenschaft Ahlbeck zugerast ist.

„Es hieß schon, dass es etwas windiger werden sollte“, sagt Katrin Block, die unter anderem für die Straußenfarm zuständig ist – und dazu gehört auch ein kleiner Farmladen. „Ich wollte wegen der Wetterwarnung schnell gemeinsam mit einem Lehrling die Straußenküken in ihre Unterkunft treiben und hab nur darauf gewartet, dass die Kunden wieder gehen“, sagt die Straußenfrau.

Denn mittlerweile hatte sich der Himmel dramatisch verdunkelt, und heftige Böen peitschten die Zweige und Äste der Pappeln und Birken vor dem Verwaltungsgebäude. „Die Küken waren aber intelligenter – sie haben schon gespürt, dass da was kommt, und sind von allein nach drinnen geflüchtet“, sagt Katrin Block. Gemeinsam mit dem Lehrling hockte sie sich in das Gebäude, in dem auch die Küken Zuflucht gesucht hatten. Nach draußen gehen? Daran war nicht zu denken. „Es hat so heftig auf das Blechdach getrommelt – da wollten wir um keinen Preis ins Freie“, beschreibt sie. Knapp eine viertel Stunde hat der Spuk gedauert. Dann war plötzlich alles wieder ruhig.

„Als wir nach draußen gingen, da haben wir dann die Bescherung gesehen“, sagt Katrin Block. Vier mächtige Pappeln und eine Straßenbirke hatten dem Mini-Tornado nicht standgehalten und waren auf die Dächer einer großen Wirtschaftshalle und des Vorgebäudes gestürzt, hatten dort Dachplatten zerstört und Gebälk zerbersten lassen. „Die Pappeln wurden entwurzelt, die Birke war umgebrochen“, sagt Katrin Block.

"Wo ist denn eigentlich Niklas?"

Doch das war nicht alles. Alle auf dem Hof fragten sich: Wo ist denn eigentlich Niklas? Der Lehrling aus dem ersten Lehrjahr war verschwunden, niemand hatte ihn nach dem Tornado gesehen. „Wir haben das Schlimmste befürchtet, unter den umgekippten Bäumen gesucht“, beschreibt Katrin Block. Zum Glück stellte sich heraus, dass der junge Mann zu dieser Zeit ganz woanders war – auf dem Technikstützpunkt der Genossenschaft, etwa einen Kilometer entfernt. „Da fiel uns ein Stein vom Herzen“, erinnert sich die Straußenfrau. Sie ist froh, dass bei dem Sturm Menschen und Tiere nicht zu Schaden gekommen sind. Lediglich einen Schaden in Höhe von 50 000 Euro hat die Windhose hinterlassen.

Unmittelbar nach dem Sturmgebraus und dem Heftigregen war dann einiges aufzuräumen. „Mit drei Schleppern gleichzeitig wurden die Stubben der Pappeln aus dem Boden gezogen, und auch die Straßenmeisterei hatte genug zu tun, um die Straße freizumachen und die Sturmreste zu beseitigen“, sagt Katrin Block.

Seit einigen Tagen werden nun auch die Gebäudeschäden, insbesondere auf den Dächern, fachgerecht beseitigt. Weshalb wohl von den Tornado-Folgen wohl bald nichts mehr zu sehen sein wird. Trotzdem bleibt dieser Tag wohl nicht nur beiKatrin Block dauerhaft im Gedächtnis.

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