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Sie bauen Sessel mit eigener Heizung

Fernsehsessel mit allen Schikanen werden in der Torgelower Polstermöbel GmbH gefertigt. Die Neuausrichtung auf solche Luxus-artikel hängt mit einer Insolvenz zusammen.

Die Näherei wurde verkleinert und in einer "Insel" zusammen gefasst.
Klaus Möller Die Näherei wurde verkleinert und in einer "Insel" zusammen gefasst.

Wer rekelt sich nicht gern in einem bequemen Sessel vor dem Fernseher? Und dieser hier ist nicht irgendeiner. Er ist ausgezeichnet gepolstert. Die Motorik ermöglicht jede bequeme Lage. Eine Heizung sorgt zudem für Wärme. Selbst eine Aufstehhilfe fehlt nicht! Solche hochwertigen Fernsehsessel werden in der Torgelower Polstermöbel GmbH hergestellt. Und natürlich in einer sauberen Qualität. „Unsere Sessel waren schon gut, doch nun produzieren wir in einem noch höheren Preissegment“, sagt Firmenchef Andreas Dust.

Das hatte Konsequenzen für die Struktur des Betriebes und für das Personal. Der Nähbereich ist komprimiert worden, was auch für die räumliche Anordnung der Maschinen folgen hatte. Vorher standen die Nähmaschinen in Reihen. Jetzt wurde eine Insel geschaffen. Drumherum sind die Vorpolsterer, die Polsterer, die Mechaniker und die Verpacker aktiv. Die Fläche in der Halle ist komplett belegt, es gibt keine ungenutzte Ecke. Der Polsterbereich wurde im Zuge der Umstrukturierung erweitert. Damit ist auch der Ausstoß gestiegen. Nun verlassen täglich rund 200 Sessel den Betrieb. Rund 30 Prozent der Produkte werden in EU-Ländern verkauft. Die Restlichen bleiben in Deutschland. Von den Sesseln haben etwa zwei Drittel einen Lederbezug.

Insolvenz der Firma Hukla

Insgesamt 115 Mitarbeiter sind in der Torgelower Polstermöbel GmbH beschäftigt. Dazu kommen zehn Polsterer aus Schwesterfirmen. „Es gibt hier keine geeigneten Fachleute für die Polsterarbeiten“, sagt der Firmenchef. Arbeitskräfte für die Montage, das Nähen, die Vorpolsterei und die Verpackung kommen aus der Region. Das Polstern verlangt aber ein besonderes Können. Darum diese Entscheidung. „Ohne diese zehn Fachleute würden wir nicht auskommen“, ist sich Andreas Dust sicher.

Der Grund für diese Veränderungen ist die Insolvenz der Firma Hukla, zu der das Torgelower Unternehmen gehörte. Sie wurde danach von der Firma Polipol übernommen. Zu dieser gehören mehrere Werke mit einigen Hundert Beschäftigten. Ein Großteil der Betriebe liegt in Polen. Der Stammsitz befindet sich in Diepenau in Niedersachsen. Dort werden die Entwicklung, das Marketing und der Vertrieb organisiert. Die Torgelower Polstermöbel GmbH ist hingegen ein reiner Produktionsbetrieb.