Keinen Bock auf Afrika:

Storch bleibt auch im Winter am Haff

Am Haff wartet der wohl einsamste Storch Deutschlands auf seine Artgenossen. Die kehren bald zurück aus ihren Winterquartieren. Er aber flog erst gar nicht mit, ernährte sich den Winter über von Angler-Almosen und suchte verzweifelt nach Freunden in der Vogelwelt.

Der einsame Adebar an der Uecker. Warum blieb er bloß hier?
Mathis Willing Der einsame Adebar an der Uecker. Warum blieb er bloß hier?

Diesen Winter muss es mehr Babys als sonst in Ueckermünde geben. Zumindest wenn die Legende mit dem Kinder überbringenden Storch stimmt. Seit Wochen wird Meister Adebar immer wieder am Haff gesehen. Mal stakst er durch die schneebedeckten Wiesen, mal sitzt er am Bahnhof Ueckermünde auf dem Dach. Ein ungewohntes Bild im Winter. Dabei hätte der Storch eigentlich im August zusammen mit seinen Artgenossen nach Afrika ziehen müssen. Weißstörche sind Zugvögel und finden im Winter nicht genug Nahrung bei uns, in ihren Winterquartieren dagegen schon.

Aber der einsame Adebar vom Haff hat es sich anscheinend hier bequem gemacht. „Störche bleiben nur hier, wenn sie eine gesicherte Nahrungsquelle haben oder den Anschluss an den Schwarm verpasst haben“, sagt Jochen Elberskirch, Leiter des Naturparks Am Stettiner Haff. Wer will schon eine Tausende Kilometer lange Reise auf sich nehmen, wenn er doch hier bleiben kann und dann noch gefüttert wird?! Denn: Die Angler in Ueckermünde haben den Storch gefüttert, als es sehr kalt war. „Der Storch stand in fünf Metern Entfernung auf dem Eis und tat uns leid. Wir haben ihm Fischen zugeworfen, er hat sie gefressen“, berichtet Hans-Joachim Grell. Aber war das wirklich der Grund, warum er hier blieb?

Die Mitarbeiter des Naturparks haben auch beobachtet, dass der Storch sich häufig bei den Reihern aufhält. Aus Einsamkeit oder weil er sich vielleicht selbst für einen Reiher hält und deswegen gar nicht erst mit den anderen Störchen weggezogen ist?

Aus dem Tierpark entflohen?

Jens Krüger vom Storchenpflegehof Papendorf vermutet, dass der Storch womöglich ein waschechter Ueckermünder ist. „Vielleicht stammt er ja aus dem Tierpark, denn bisher ist hier noch kein Storch aus seinem Winterquartier zurückgekehrt“, sagt Krüger. Im Tierpark Ueckermünde kann das nicht bestätigt werden. „Wir haben vier Weißstörche und die sind alle da, keiner ist entflogen“, sagt Brigitte Rohrhuber, Zoo-Kuratorin. Möglich sei aber Folgendes: Vielleicht ist es einer der im Tierpark brütenden frei fliegenden Störche oder sein Nachwuchs. Rohrhuber: „Aber das ist nur eine Vermutung.“

Sicher ist aber eins: Der Storch steht auf Fisch. Ein typischer Norddeutscher eben.

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