Besonders grobe Fahrlässigkeit:

Toter Radfahrer: Soldat erhält ein Jahr Freiheitsstrafe

Das Amtsgericht Pasewalk hat einen Berufssoldaten zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er hatte vor einem Jahr einen Radfahrer auf der Landstraße hinter Rothemühl mit seinem Auto erfasst. Damit gibt es zwar ein Urteil, aber keine Erklärung für diesen Unfall.

Auf dieser Straße passierte der tödliche Unfall. Warum der Autofahrer, der dienstlich von Neubrandenburg nach Torgelow unterwegs und in Pasewalk-Nord von der A20 abgefahren war, ausgerechnet diese Route wählte, das weiß er selbst nicht mehr. Es war eine Schicksalsentscheidung, die einem Menschen das Leben kostete.
S. Weirauch Auf dieser Straße passierte der tödliche Unfall. Warum der Autofahrer, der dienstlich von Neubrandenburg nach Torgelow unterwegs und in Pasewalk-Nord von der A20 abgefahren war, ausgerechnet diese Route wählte, das weiß er selbst nicht mehr. Es war eine Schicksalsentscheidung, die einem Menschen das Leben kostete.

Vor einem Jahr auf der Landstraße zwischen Rothemühl und dem Bahnübergang Jatznick: Ein älterer Herr radelte am 6. August 2015 kurz nach acht Uhr die Straße entlang, die durch den Wald führt, als ein Auto ihn von hinten erfasst. Der Mann starb noch am Unfallort. Der Autofahrer: ein 52-jähriger Berufssoldat, der damals noch in Eggesin wohnte.

Jetzt saß er vor dem Richter am Amtsgericht Pasewalk, angeklagt der fahrlässigen Tötung. Richter Gerald Fleckenstein will von ihm wissen, wie das passieren konnte. Warum hat Frank H. an diesem hellen Sommermorgen auf schnurgerader Straße, auf der außer ihm in dieser Zeit kein anderer Autofahrer unterwegs war, den einsamen Radler übersehen?

Alles geschah in Sekundenbruchteilen

Keiner der beiden Männer hatte Alkohol getrunken. Der Radler fuhr vorschriftsmäßig rechts am Fahrbahnrand, der Autofahrer war nicht zu schnell unterwegs, ungefähr 85 Stundenkilometer. Doch dann rollte das Auto zu weit nach rechts in die Bankette und erfasste den Radfahrer von hinten. Das alles geschah in Sekundenbruchteilen, rechnete der Dekra-Gutachter vor. Der Mann auf dem Fahrrad hatte keine Chance.

Und der Autofahrer? "Ich bin aufgeschreckt, als die Frontscheibe auf meinen Händen lag", schildert Frank H. leise seine Erinnerung. Er habe erst gedacht, da sei ein Tier aus dem Wald ins Auto gelaufen. Einen Radfahrer habe er nicht gesehen. War er eingenickt? Abgelenkt? Er verneint mit gebrochener Stimme.

Keine Erklärung

Bis heute zermartert sich Frank H. das Hirn, was an jenem Morgen los war mit ihm, aber er findet keine Erklärung. Und der Richter keine Antworten. Er verurteilt den Autofahrer zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und 3000 Euro Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate beantragt.

Angeklagter zeigt sich reuig

Aber Richter Fleckenstein wertete die Fahrlässigkeit des Fahrers als besonders grob. Eben, weil es keine sachlich nachvollziehbaren Gründe für diesen Unfall gibt. Der Angeklagte, der sich im Straßenverkehr noch nie etwas zuschulden kommen ließ, habe in diesem Moment nicht aufgepasst, sei unaufmerksam gewesen, und das dürfe nicht passieren.

"Ich würde das alles gern rückgängig machen, aber ich weiß, das geht nicht", erklärte Frank H. reuig. Erstmals entschuldigte er sich auch bei einem Familienmitglied des Toten. Den Berufssoldaten erwarten nun, ein Jahr vor seiner Pensionierung, auch disziplinarische Maßnahmen seines Arbeitgebers.