Wildunfall:

Totes Reh liegt 14 Stunden am Gehweg

Ein totes Reh liegt die ganze Nacht mitten in Ueckermünde. Nach einem Verkehrsunfall fühlte sich wohl niemand für das Tier zuständig. So lange, bis es morgens auf einmal verschwand.

So lag das tote Reh 14 Stunden auf dem Weg an der Ecke Belliner Straße/Johann-Sebastian-Bach-Straße in Ueckermünde.
zvg So lag das tote Reh 14 Stunden auf dem Weg an der Ecke Belliner Straße/Johann-Sebastian-Bach-Straße in Ueckermünde.

Zum Glück ist die Zeit der heißen Sommernächte vorbei. Der Kadaver auf dem Gehweg mitten in Ueckermünde würde dann nicht nur neugierige Kinder, sondern auch die Fliegen anlocken. Jetzt ist November, die Nächte sind frisch, da hält auch ein Tierkadaver länger durch. Aber muss ein totes Reh 14 Stunden auf einem Ueckermünder Gehweg liegen, an einer Straße, auf der die Leute morgens zur Arbeit radeln oder Kinder zur Schule gehen?

Es war Montagabend, gegen halb sechs. Um diese Zeit ist es schon dunkel. Ein Reh hat sich bis in die Stadt verlaufen. Nicht ungewöhnlich für diese Gegend, wo sogar Wildschweine durch Gärten und Wohnanlagen spazieren. Das Waldtier hatte im Lichterdschungel der Belliner Straße keine Chance. Bei einem Unfall an der Ecke Belliner Straße/Johann-Sebastian-Bach-Straße wurde es getötet – und blieb liegen. Sieben Stunden später lag es immer noch da, mitten in der Stadt. Die Polizei kam vorbei und zog es ein paar Meter zur Seite. Ein Anwohner hatte sie gerufen. Irgendjemand muss das Tier doch wegräumen, dachte sich der Mann. Doch die Polizei ist für den Unfall zuständig, nicht für das Wild und nicht dafür, dass es weggeräumt wird. Und auch die Feuerwehr musste dem Anrufer sagen: Da ist nicht unser Ding.

Also blieb das tote Reh die ganze Nacht vor dem Haus liegen. Inzwischen war es Morgen geworden. Neugierige Kinder versammelten sich um das Reh, machten Fotos mit ihren Handys. Fühlte sich niemand zuständig? Die Anwohner befürchteten, dass das Tier noch den ganzen Tag dort liegen bleibt. Doch gegen halb acht hielt ein Kleinbus. Der Fahrer packte das Tier und lud es in sein Fahrzeug. Nein, kein Wilddieb. Es war der Jagdpächter. Die Polizei hat ihn informiert.

Zum Glück hat niemand das Tier in den Kofferraum geladen

Aber ist denn die Ueckermünder Innenstadt ein Jagdrevier? Gilt hier das Jagdrecht? Kämmerer Joachim Trikojakt, selbst Jäger, klärt auf: Nein, für totes Wild im Stadtgebiet ist die Ordnungsbehörde zuständig. Weil aber Jäger sich besser mit Wild auskennen, gibt es eine stille Vereinbarung mit der Jagdgenossenschaft und den Jagdpächtern der umliegenden Jagdreviere. Sie kümmern sich auch um Wild, das sich in die Stadt verirrt hat. So geschehen auch mit dem Reh, das beim Verkehrsunfall getötet wurde. „Wir sind froh und dankbar, dass der Pächter die tote Ricke abgeholt hat.“

Zum Glück hat sich niemand vorher das Tier in den Kofferraum geladen. Im Wald wäre dies ein klarer Fall von Wilddieberei. In der Stadt gehört das tote Tier jedoch niemandem, bestätigt Wilhelm Schröter, Chef der Jägerschaft Uecker-Randow. „Ich würde aber auch niemandem empfehlen, solches Fleisch zu essen.“ Schon nach zwei Stunden haben die Darmbakterien in dem nicht ausgeweideten Tier ihr Werk der Zersetzung begonnen – auch in einer kühlen Nacht.

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