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Zittern, Zögern, Zweifeln: Wahl-Krimi um Patrick Dahlemann

Dass Patrick Dahlemann (SPD) den Ueckermünder Wahlkreis 35 gegen AfD und CDU verteidigen konnte, galt am Wahlabend als kleine Sensation. Es gibt allerdings eine Auffälligkeit beim vorläufigen Wahlergebnis, die sich zunächst niemand erklären konnte.

Muss Patrick Dahlemann (SPD) - hier beim Warten auf die Wahlergebnisse am Sonntag - doch noch ums Mandat zittern?
Thomas Krause Muss Patrick Dahlemann (SPD) - hier beim Warten auf die Wahlergebnisse am Sonntag - doch noch ums Mandat zittern?

Es war ein langes Zittern für Patrick Dahlemann (SPD) am Wahlabend - aber gegen 22 Uhr schien festzustehen, dass der Torgelower SPD-Mann tatsächlich mit 31,0 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis 35 errungen hat. Den AfD-Kandidaten Stephan Reuken ließ er knapp hinter sich (29,3 Prozent), seinen Kontrahenten Andreas Texter (CDU) deklassierte er regelrecht - er kam nur auf 18,5 Prozent. 2011 hatte Texter das Direktmandat noch errungen. (Amtliches Endergebnis der Wahl.)

Unruhe am Tag nach der Wahl

Am Tag nach der Wahl sorgt allerdings die Wahlbeteiligigung für Unruhe in der Uecker-Randow-Region. Diese lag laut vorläufigem Ergebnis bei 50,2 Prozent. Träfe das zu, wäre Uecker-Randow nicht nur der Wahlkreis mit der landesweit geringsten Beteiligung. Sie läge auch um rund sieben Prozentpunkte niedriger als im Wahlkreis mit der zweitniedrigsten Beteiligung (Vorpommern-Rügen IV). In den meisten Wahlkreisen lag die Wahlbeteiligung sogar über 60 Prozent.

Bei der Wahl 2011 lag die Wahlbeteiligung zwar landesweit deutlich niedriger (51,5 Prozent), damals hatte der Dahlemann-Wahlkreis aber sogar eine überdurchschnittlich hohe Wahlbeteiligung (53,2 Prozent) aufgewiesen. Würden die Zahlen des vorläufigen Ergebnisses stimmen, wäre die Wahlbeteiligung in Uecker-Randow also völlig gegen den Trend äußerst deutlich gesunken.

Schon am Sonntag Probleme?

Hinzu kommt, dass es in dem Wahlkreis augenscheinlich bereits am Wahlabend Probleme gab: Bis weit nach 23 Uhr fehlte in dem Wahlkreis das Ergebnis eines Stimmbezirks - es war schließlich mit deutlichem Abstand der letzte Stimmbezirk im gesamten Kreis Vorpommern-Greifswald, dessen Ergebnis gemeldet wurde. Waren im Wahlkreis 35 also womöglich doch noch nicht alle Stimmen ausgezählt? Würde das relativ knappe Ergebnis noch einmal kippen?

Danach sieht es inzwischen nicht mehr aus. Denn Recherchen des Nordkurier ergaben: Die fehlerhafte Wahlbeteiligung ist wahrscheinlich auf einen Fehler zurückzuführen, der keine Auswirkungen auf das Wahlergebnis haben dürfte. Stein des Anstoßes ist die Gemeinde Mönkebude: Dort lag laut vorläufigem Ergebnis die Wahlbeteiligung bloß bei desaströsen 5,8 Prozent. Von den 6644 Wahlberechtigten in der Gemeinde hätten demnach nur 383 ihre Stimme abgegeben.

Sonderbares Bevölkerungswachstum in Mönkebude

Doch Moment mal: Mönkebude hat nur 751 Einwohner – dort können also keine 6644 Wahlberechtigten leben. Vermutlich ist in der amtlichen Liste einfach nur eine Sechs zu viel in die Zahl der Wahlberechtigten geraten. Dann wären genau 6000 Wahlberechtigte zu viel in das Ergebnis eingeflossen. Die Wahlbeteiligung läge – mit den korrigierten Werten – bei 60 Prozent, das wäre fast exakt der Landesdurschnitt.

Kreiswahlleiterin Annegret Sellnau bestätigte diese Vermutung am frühen Nachmittag: "Die Landeswahlleitung hat den Fehler zwischenzeitlich auch schon bemerkt und uns darauf aufmerksam gemacht", sagte Sellnau. Sie betonte: Der Fehler sei bei der Eingabe der Wahlergebnisse in das Computersystem der Kreiswahlleitung in Anklam geschehen – nicht in Mönkebude. Sellnau kündigte nun an, die Werte würden beim vorläufigen amtlichen Endergebnis, das in den nächsten Tagen veröffentlicht wird, korrigiert. Die routinemäßige Prüfung aller übrigen Wahlergebnisse aus dem Landkreis dauere am Montag und Dienstag noch an.

Keine Unauffälligkeiten bekannt

Die Wahlleiter in der Stadt Ueckermünde und im Amt Torgelow-Ferdinandshof hatten schon am Montagmorgen jegliche Schuld für Unregelmäßigkeiten von sich gewiesen. "Für mein Team verbürge ich mich, bei uns ist alles vernünftig abgelaufen", sagte die Ueckermünder Wahlleiterin Kerstin Soyeaux. Der Torgelower Wahlverantwortliche Peter Krause erklärte auf Nachfrage, dass ihm Unauffälligkeiten nicht bekannt seien.

Patrick Dahlemann traute dem Ergebnis. Er vermutet, dass die Zahl der Frustwähler, die für die AfD gestimmt hätten, in seinem Wahlkreis offenbar nicht so groß gewesen sei wie in anderen Regionen. Eine Erklärung für die 50 Prozent Wahlbeteiligung habe er aber nicht.

Dieser Artikel wurde am Montag, 05. September um 14.18 Uhr aktualisiert.

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Kommentare (1)

... manchmaL frag ich mich doch ob keiner mehr liesst bevor es veröffentlicht wird. Oder hat der das echt so gesagt?