Bioschweine-Skandal:

Vorwürfe: Politik hat versagt!

Hat beim Bio-Schweinefleischskandal von Leopoldshagen bei den Kontrollbehörden wirklich alles so reibungslos funktioniert wie das Landwirtschaftsministerium behauptet? Das sieht nicht jeder im Land so - und darum werden jetzt einige Fragen laut.

Die Kritik am Kontrollsystem der Landesregierung wächst. Zentrale Frage: Warum sind die Behörden nicht aktiv geworden, nachdem den Leopoldshagener Landwirten 2012 das Biosiegel entzogen wurde?
Bernd Wüstneck / NK-Archiv Die Kritik am Kontrollsystem der Landesregierung wächst. Zentrale Frage: Warum sind die Behörden nicht aktiv geworden, nachdem den Leopoldshagener Landwirten 2012 das Biosiegel entzogen wurde?

Der Bioschweine-Skandal in Leopoldshagen beschäftigt zunehmend die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Nicht nur Biobauern zweifeln, dass das staatliche Kontrollsystem in der Veterinär- und Lebensmittelüberwachung funktioniert, auch die Grünen im Schweriner Landtag stellen das System infrage.

Jutta Gerkan, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, sagt, dass die Hauptverantwortung zwar bei den Tierhaltern liege, aber ein funktionierendes Kontrollsystem müsse einen derartigen Druck aufbauen, dass Menschen solche Machenschaften gar nicht erst in Erwägung ziehen.

Von der Landesregierung möchten die Grünen im Fall der beiden Leopoldshagener Landwirte, gegen die die Staatsanwaltschaft Schwerin wegen Betruges ermittelt (der Nordkurier berichtete), nun einige Fragen beantwortet haben. „Der Anbauverband Biopark hat den Leopoldshagenern schon 2012 das Biosiegel entzogen. Warum hat dies nicht sofort zu einer gründlichen Kontrolle des Betriebes durch staatliche Kontrollen geführt? Und warum wurde dem Betrieb nicht gleich auch das EU-Biosiegel aberkannt?“, fragt die Landespolitikerin.

Wilhelm Schäkel, Aufsichtsratsvorsitzender der Seenland Müritz GmbH mit Sitz in Bollewick, die unter anderem Bio-Rinder vermarktet, wirft der Politik vor, den Fall in Leopoldshagen verschleppt zu haben. „Die Landesbehörden haben zwei Jahre geprüft, was haben sie denn geprüft?“, fragt er. Schäkel kritisiert, dass ein Betrieb, der gegen Tierschutzauflagen verstoßen hat, dennoch die Bio-Zertifizierung erhalten habe. Spätestens nach dem Entzug des Siegels des Bioparks hätte der Leopoldshagener Betrieb auch das EU-Bio-Siegel aberkannt bekommen müssen.

Das Schweriner Landwirtschaftsministerium kann die Kritik an den zuständigen Behörden indes nicht nachvollziehen. Die Zusammenarbeit mit dem Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises Vorpommern-Greifswald (VLA) sowie dem Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei (LALLF) sei sehr gut gewesen. Das VLA habe in dem betreffenden Unternehmen in Leopoldshagen mehrere Kontrollen durchgeführt, bezüglich des Tierschutzes habe es keine Verstöße gegeben.

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