Schifffahrt:

Warum dieses Hausboot nicht auf der Randow schaukelt

So ein Hausboot ist eine feine Sache. Es bewegt sich entweder auf einem Fluss oder schaukelt sanft auf den Wellen eines Sees. Eigentlich. In Eggesin gibt es ein Hausboot, das liegt an Land, bewegt sich keinen Millimeter, sondern ruht auf einem Betonsockel.

Michael Jagla und Detlef Schmidt vor dem Hausboot, in dem schon viel Arbeit steckt. Das Innere soll möglichst originalgetreu nachgebaut werden, damit Besucher sich ansehen können, wie das Leben auf einem Hausboot gewesen ist.
Lutz Storbeck Michael Jagla und Detlef Schmidt vor dem Hausboot, in dem schon viel Arbeit steckt. Das Innere soll möglichst originalgetreu nachgebaut werden, damit Besucher sich ansehen können, wie das Leben auf einem Hausboot gewesen ist.

Im Eggesiner Kahnschifferzentrum ist richtig Krach. Hammerschläge kommen aus einem Ding, das so aussieht, wie man sich vielleicht eine Arche Noah vorstellen würde. Nur viel, viel kleiner. Mit Schutz und Wohnen hat dieses Spezialboot aber auch zu tun. „Es ist ein Hausboot, das wir vor dem völligen Verschrotten bewahrt haben“, sagt Detlef Schmidt, einer der Männer vom Kahnschifferzentrum in Eggesin.

Das Zentrum hat seinen Sitz am Ufer der Randow. Gleich gegenüber ist der Wasserwanderrastplatz. Genau dort hat das Hausboot ein kümmerliches Dasein gefristet, bis die vom Kahnschifferzentrum das marode Fast-Wrack zu sich geholt haben. „Es gehörte einem Verein, und der hat sich mittlerweile aufgelöst“, sagt Michael Jagla, der ebenfalls zum Zentrum gehört. Der Wassersportverein „Blau-Weiß“ hat das Hausboot zwar nicht retten können, aber an die Kahnschiffer übergeben. Und die fanden das etwa 12,5 Meter lange Gefährt aus mehreren Gründen gut. „Das gehört zur Schifffahrt hier auf unseren Flüssen dazu“, sagt Detlef Schmidt. Auf so einem Boot haben die Leute gewohnt, die Uecker, Randow oder andere Wasserläufe und deren Ufer von Unkraut und Unrat freigehalten haben und oft längere Zeit dafür unterwegs sein mussten. Insofern passt das Holzboot, an dem Binnenschiffer Matthias Balz gerade eifrig werkelt und eine Sparschalung anbringt, ganz gut zum Kahnschifferzentrum. Viel Arbeit steckt schon in dem hölzernen Boot. „Das war auch nötig, um zu retten, was noch zu retten war“, sagt Schmidt. Auf dem Dach ist Teerpappe verlegt, nun kommen noch Schindeln drauf, damit das Wasser von oben keine Chance hat.

Noch ist es nicht ganz fertig, das schwimmende Wohnhaus. Aber viel Zeit können sich die Leute vom Kahnschifferzentrum nicht mehr lassen. Denn die Zuschüsse laufen nur noch bis zum Jahresende. „Dann ist Schluss, dann müssen wir fertig sein“, sagt Michael Jagla.

Das Hausboot soll aber nach dem letzten Hammerschlag nicht mehr auf das Wasser. „Das Ding wasserdicht zu machen, den Boden komplett zu reparieren – dazu reichen unsere Mittel nicht“, erklärt Schmidt. Darum ist ein Betonsockel gebaut worden, auf dem das Holzboot gut liegen kann. Damit allein ist es allerdings nicht getan, denn das Boot soll auch Besucher empfangen. „Und darum mussten wir so umbauen, dass Rollstuhlfahrer mit hinein können“, sagt Matthias Balz und zeigt auf die Türöffnung, die deutlich größer geworden ist. So groß, dass ein Rolli über eine Rampe nach drinnen geschoben werden kann.

Das Bootsinnere soll noch weiter ausgebaut werden. Denn der Verein will den Besuchern zeigen, wie es früher einmal drinnen ausgesehen haben könnte – mit Küche, Schlafstellen, Toilette und so weiter. „Das soll dann der museale Teil unserer Ausstellung werden“, sagt Schmidt.

Der Verein, der für das Kahnschifferzentrum zuständig ist, hat 15 Mitglieder. Die allermeisten arbeiten ehrenamtlich dort. Üppig ist es nicht, was das Zentrum an Unterstützung bekommt. Immer mal wieder fließen zwar Fördergelder, aber das ist begrenzt.

Nahezu unbegrenzt aber sind die Pläne. Dafür braucht man außer der Arbeitskraft der Leute vom Verein auch Material. „Die Mitgliedsbeiträge kann man fast vergessen“, sagt Jagla. Also setzen sich die Vereinsmitglieder in Bewegung. Sammeln Lumpen und Schrott, um an Geld zu kommen. Schließlich müssen auch die Fixkosten bezahlt werden – Miete für das Vereinshaus, Strom, Versicherungen. Angesichts dieser Umstände ist der Verein dankbar für jede Hilfe von außen. 

Natürlich ist das Zentrum dort am Randowufer nicht zum Selbstzweck da. Die Gäste können hier etwas über ihre Heimat und deren Geschichte erfahren. „Und dazu gehören nun einmal die Kahnschifffahrt, die Ziegeleien und die Holzindustrie, die hier früher prägend waren“, sagt Schmidt. Dinge also, die die Vereinsmitglieder in Bewegung gebracht haben – und die sie selbst auch bewegen.

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