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Wenn der schönste Beruf zum Albtraum wird

Sie fühlen sich ausgebremst und diskriminiert, die künftigen Erzieher aus dem Torgelower BFZ. Erst die Prüfungs-Schikanen in der Stralsunder Berufsschule, nun der Schock bei der praktischen Prüfung.

Sie sind freundlich und fröhlich, denn sie wollen mit Kindern arbeiten und Erzieher sein, die Umschüler aus dem BFZ. Aber nur einige trauen sich vor die Kamera. Sie wollen öffentlich machen, dass sie unfair behandelt werden.
Simone Weirauch Sie sind freundlich und fröhlich, denn sie wollen mit Kindern arbeiten und Erzieher sein, die Umschüler aus dem BFZ. Aber nur einige trauen sich vor die Kamera. Sie wollen öffentlich machen, dass sie unfair behandelt werden.

Im ersten Anlauf sind fast alle durchgefallen. Egal, ob sie in der Kita, in der Schule oder in einer Jugendhilfeeinrichtung ihren Praxistest meistern mussten: Der Daumen der externen Prüferin von der Stralsunder Berufsschule zeigte für die Erzieher-Umschüler aus dem Torgelower Berufsförderungszentrum (BFZ) fast immer nach unten. Erst im zweiten Anlauf hieß es für bisher 17 der 36 Umschüler, die zur praktischen Prüfung in der verkürzten Erzieher-Ausbildung angetreten waren: Bestanden. Für 19 gibt es nun einen zweiten oder auch dritten Versuch. Allerdings haben bereits 23 Frauen und Männer aus den beiden Umschulungsjahrgängen einen Arbeitsvertrag in der Tasche, denn engagierte Erzieher werden gebraucht.

Diese offensichtlichen Schikanen gegen Umschüler wollen sich einige nicht mehr gefallen lassen. Sie haben sich Hilfe beim Anwalt geholt. „Erst gibt uns das Land die Möglichkeit der verkürzten Erzieherausbildung, doch dann lässt das Schulamt Greifswald zu, dass wir in einem Interessenkonflikt um diesen Bildungsweg aufgerieben werden.“ Marc Grewe gehört zu denen, die sich wehren. Er hat bereits die Schikanen der Berufsschule Stralsund bei den schriftlichen Prüfungen miterlebt.

Falsche Adresse und Feueralarm

Die Schüler wurden zu einer falschen Adresse geschickt, dann wurden während der Prüfung im Raum Schränke abgebaut, die Prüflinge durften kaum zur Toilette und mussten auch noch einen Feueralarm über sich ergehen lassen. Die Umschüler haben das in einem öffentlichen Brief ans Schulamt Greifswald, ans Bildungsministerium und an die Landtagsfraktionen geschildert. Auch der Petitionsausschuss des Landtages ist informiert.

„Es ist, als ob das alles im Nichts verhallt“, sagt Christian Braun. Auch er ist gerade durch die praktische Prüfung gefallen. Statt eines fairen Umgangs erlebten die Umschüler bei den Prüfungen erneut eine offensichtliche Diskriminierung. Für zwei Klassen zieht sich das Prüfungsprozedere nun schon eineinhalb Jahre hin. Und die 15 Umschüler in dritten Jahrgang der verkürzten Erzieherausbildung haben angesichts dieser Erfahrungen nur noch Angst, sagt die Klassensprecherin. Für mehr als 50 Frauen und Männer ist der Traum von Erzieherberuf zum Albtraum geworden.