Gedenken an Arbeiterfrauen:

Wenn Waschfrauen im Hochsommer Mütze tragen

Schlendern Einheimische dieser Tage die Uecker im Stadthafen entlang, stellen sie schnell fest: Irgendetwas stimmt nicht. Was? Die Waschfrau trägt jetzt Mütze. Ein Ueckermünder kann darüber gar nicht lachen.

Die Bronzefigur an der Ueckermünder Wasch trägt jetzt Mütze.
Silvio Wolff Die Bronzefigur an der Ueckermünder Wasch trägt jetzt Mütze.

Ist das witzig oder einfach nur ein dummer Scherz? Die Bronzefigur an der Ueckermünder Wasch trägt jetzt Mütze. Genauer: eine russische Fellmütze. So sieht der Kopfschmuck der Waschfrau zumindest aus. Will das Seebad damit etwa Modetrends setzen?

Kuno Stannek, der jahrelang in der Nähe der Figur lebte, kann sich das kaum vorstellen. Er tendiert zu einem Streich. Keinem gelungenen, wie er findet. Denn er verbindet mit dem Denkmal aus Bronze Geschichten aus seiner Kindheit.

Oft haben seine Oma und seine Mutter ihm von den Frauen erzählt, die damals mühevoll in der Uecker ihre Wäsche spülten. Damals gab's eben keine Waschmaschine. Selbst seine Mutter hat ihre schmutzige Schürze, schwarz von der Arbeit im ehemaligen Schiffslaternenwerk, an der Wasch geschrubbt. Keine leichten Zeiten.

Kein Verständnis für solche Faxen

Deshalb findet Kuno Stannek diesen Scherz, falls es einer sein soll, gar nicht gelungen. „Die Waschfrauen von damals müssten aus der Uecker steigen, den Übeltätern die nassen Bettlaken um die Ohren hauen und wieder im Wasser verschwinden“, sagt der Ueckermünder.

Dieser Mann ist humorlos? Das stimme nicht, aber für solche „Faxen“ habe er kein Verständnis. „Das Denkmal hat für mich etwas mit Achtung vor den Frauen zu tun“, sagt er.

Wer der Bronzefigur die Fellmütze im Hochsommer verpasste? Das weiß Stannek nicht. Aber wir wollen das gern wissen. Steckt dahinter ein Modetrend oder ist das gar Kunst? Sie wissen es? Dann melden Sie sich: Telefon 039771 53616.