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Wer ließ seine Wut am Schöpfwerk aus?

Von unserem Redaktionsmitglied Lutz Storbeck Mitten in den Feldern bei Ferdinandshof fließen der Landgraben und der Weiße Graben zusammen. Und nicht weit ...

Mit diesen „Geschossen“ wurden die Glasscheiben des Schöpfwerk-Hauses beschädigt.

Von unserem Redaktionsmitglied Lutz Storbeck

Mitten in den Feldern bei Ferdinandshof fließen der Landgraben und der Weiße Graben zusammen. Und nicht weit davon entfernt steht ganz einsam ein Haus. Kein Wohnhaus, sondern ein Schöpfwerk. Und genau diese wasserwirtschaftliche Einrichtung ist zum Ziel von Randalierern geworden.

Fedinandshof. Gebaut ist das Schöpfwerk bei Ferdinandshof vor etwa 50 Jahren. Die vier Pumpen unterm Dach sind zuständig dafür, Wasser in den Weißen Graben zu befördern, das sich nach viel Regen oder starker Schneeschmelze auf den Feldern sammelt und den Landwirten Sorgen bereitet. Das Haus hat also eine durchaus wichtige Funktion im System der Gräben, Fließe und Flüsse in der Friedländer Wiese. Darum gibt es auch einen Fachmann, der sich regelmäßig um dieses Schöpfwerk kümmert. Reinhard Lübken heißt der Mann. Er ist Stau- und Schöpfwerkswärter und arbeitet beim Wasser- und Bodenverband „Landgraben“ Friedland.

Bei der jüngsten Kontrolle hat Reinhard Lübken festgestellt, dass mal wieder Randalierer am Werke waren. Mehrere Scheiben am Schöpfwerks-Haus waren eingeworfen. „Das hatten wir schon öfter, aber da waren die Fenster auf der Vorderseite zerstört worden“, sagt Reinhard Lübken. Jetzt hat es die Glasscheiben auf der Rückseite erwischt. „Die haben hier mit Asphaltbrocken geschmissen“, sagt der Schöpfwerkswärter. Er hat die Wurfgeschosse eingesammelt.

Was die Randalierer zu ihrem üblen Tun veranlasst hat, ist für den Fachmann nicht nachvollziehbar. Auf jeden Fall ist der Schaden nicht ganz unbeträchtlich. Etwa 750 Euro, hat Lübken berechnet. Der Schaden muss natürlich bezahlt werden, sagt Irene Kalinin, Geschäftsführerin des Wasser- und Bodenverbandes. Und so wird die Summe umgelegt auf die Endverbraucher, die somit für die sinnlose Zerstörungswut der bislang Unbekannten zur Kasse gebeten werden. Eine Anzeige bei der Polizei ist erstatte worden, nun bleibt zu hoffen, dass die Ordnungshüter die Übeltäter auch erwischen. Bis es soweit ist, kann es dauern.

So viel Zeit hat Reinhard Lübken nicht, er greift gleich zum Werkzeug, um den Schaden zu reparieren. Und stößt dabei auf Schwierigkeiten, die noch aus DDR-Zeiten stammen. „Der Fensterkitt hier ist dermaßen hart, das ist eine ganz schöne Arbeit“, sagt der Schöpfwerkswärter, während er auf der Leiter steht und die kaputten Scheiben aus ihren Rahmen ausbaut. Nicht nur menschlicher Zerstörungdrang – wahrscheinlich von Halbwüchsigen, vermutet Reinhard Lübken – sondern auch tierisches Treiben bescheren dem Fachmann viel an Reparaturarbeit.

Biber nämlich, die an den Brettern nagen, die eigentlich den Wasserstand an den Stauen regulieren sollen. Einige dieser angenagten Bohlen hat Reinhard Lübken bereits ausgetauscht. Doch das, fürchtet er, wird nicht reichen. „Man glaubt gar nicht, wie viele Biber es hier gibt, weil man sie selten zu Gesicht bekommt“, sagt er. Dass die Nager dennoch da und auch sehr aktiv sind, zeigen aber die Nagespuren ganz deutlich. Wie Reinhard Lübken sagt, bringen die Biber auch Bäume zum Umfallen, die dann aus den Wasserläufen gezogen werden müssen. Insofern wird dem Stauwärter wohl die Arbeit in absehbarer Zeit nicht ausgehen.