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Werten Windkraftgegner unsere Putzfrauen ab?

An der Windkraftenergie hängen in der Uecker-Randow-Region Hunderte Arbeitsplätze. Oder doch nicht? Die Partei „Freier Horizont“, die in den Landtag einziehen möchte, bezweifelt die Zahlen und nennt dafür die Putzfrau als Beispiel. In Torgelow ist die Empörung groß.

Die Aussagen Norbert Schumachers, Vorsitzender der windkraftkritischen Partei „Freier Horizont“, kommen in Torgelow überhaupt nicht gut an.
Bernd Wüstneck Die Aussagen Norbert Schumachers, Vorsitzender der windkraftkritischen Partei „Freier Horizont“, kommen in Torgelow überhaupt nicht gut an.

Auf ihrem Weg in den Schweriner Landtag kann die windkraftkritische Partei „Freier Horizont“, die im September bei der Landtagswahl antritt, vermutlich nicht auf große Unterstützung aus der Haff-Region hoffen. Die Aussagen von Parteichef Norbert Schumacher, dass man die von der Landesregierung vorgelegten Zahlen, wonach die Windkraftenergie für etwa 15.000 Arbeitsplätze im Land sorge, für falsch halte, sorgen vor allem in Torgelow für Verärgerung.

Dort hat mit der Eisengießerei ein großes Unternehmen seinen Sitz, das einen Großteil seines Umsatzes mit Teilen für Windkraftanlagen macht. Nach Angaben des Unternehmerverbandes Vorpommern hängen insgesamt etwa 1500 Arbeitsplätze an der Gießerei, die selbst gut 450 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahlen für Torgelow werden auch von der Bürgerinitiative „Freie Friedländer Wiese“ angezweifelt.

"Solche Äußerungen kann man einfach nicht stehen lassen"

Schlicht als „große Sauerei“ bezeichnet der SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Dahlemann den Zusatz des Parteichefs, Schwerin habe dabei wohl jede Putzfrau mit eingerechnet. „Daran kann man sehen, wie weit entfernt dieser Mann von der Region und von der Realität ist“, sagte der Torgelower. Schumachers Aussagen seien eine schlimme Abwertung der schweren Arbeit einer Putzfrau, die damit ihr Lohn und Brot verdiene.

Der Torgelower Unternehmer Frank Siewert, der in eine Reinigungsfirma betreibt und mit seinen Mitarbeitern auch in der Eisengießerei für Sauberkeit und Ordnung sorgt, hat Schumachers Aussagen ebenfalls mit Unverständnis vernommen. „Solche Äußerungen kann man einfach nicht stehen lassen. Gerade in unserer Region zählt jeder Job, und die Politik sollte immer dafür sorgen, dass diese Arbeitsplätze auch erhalten bleiben“, sagte Siewert.

Kommentare (4)

Würde eine Eisengiesserei Strom aus Windenergie beziehen, wäre die Eisengiesserei nach einer Stunde stillgelegt. Ich vermute, für 1 t Eisenverarbeitung braucht man ca. 5000 kWh. Ein energieintensives Unternehmen als Beispiel für Arbeitsplatzsicherung in der Windkraftenergiebranche heranzuziehen ist ein sauberes Eigentor.

Vielleicht liegt es ja am späten Himmelfahrtsabend, aber ich verstehe gerade nicht, wieso man in der Eisengießerei empört ist, wenn einer was gegen die Windkraft sagt. Oder hat man hier schlicht ein paar Worte online eingespart, die das Ganze erklären würden und morgen im Blatt zu lesen sind? So macht das Ganze für mich keinen Sinn. Vielleicht lese ich morgen früh nochmal nach...

Die Torgelower Eisengießerei machten einen großen Teil (ca. 85 bis 90 Prozent) ihres Umsatz mit Teilen für Windkraftanlagen und hat deshalb verständlicherweise ein gewisses Interesse an der Zukunft der Windenergie in MV. Dieser Fakt ist in der Region Torgelow, wo dieser Text im Print erscheint, bekannt, deshalb wurde er nicht extra noch mal erwähnt. In die Online-Version – da haben Sie vollkommen recht! – muss er aber zwingend hinein, wir holen das gleich mal nach. Viele Grüße! Sebastian Langer, Redaktion

Es ist zwischen bewussten Lügen gegen die Windenergie (Gefahren für die Gesundheit, Schall, ...) und Daten über die Arbeitsplätze zu unterscheiden. Die Eisengießerei Torgelow profitiert von der EEG-Umlage Befreiung (http://www.bafa.de/bafa/de/energie/besondere_ausgleichsregelung_eeg/publikationen/statistische_auswertungen/index.html). Der Strompreis an der Börse verfällt dank dem Ausbau der Wind- und Photovoltaikanlagen. Profiteur ist im doppelten Sinn die Industrie (EEG-Umlagebefreiung, sinkender Strompreis). Für HH-Kunden steigen die Preise, da der Preisverfall nicht weitergegeben wird. Lösung in der Region: Bürgerinnen- und Bürgerbeteiligungskraftwerke, regionale Wertschöpfung, Umstieg auf Ökostrom. In Sachen Arbeitsplätze sollte der Nordkurier einmal betreffend die Leiharbeiter und Zeitarbeiter nachstochern: https://freierjournalist.wordpress.com/2007/12/06/alles-giest/ sowie http://www.personalorder.de/index.php?load=2,1&art_id=29823 (legales Sozialschmarotzertum). Im Summe sollten sich die Leute in der Region an die Nase fassen (Bekommt man irgendwo mehr als 50% Lebensmittel aus M-V oder der Region bei Penny (Matjes aus Polen im Agrarland MV), Netto & Co, DM (Geld in Stiftung geparkt, damit man keine Steuern zahlen muss, ...), ...