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Und tschüss! Obermann hängt den Hörer auf

VonErich ReimannDer Telekom-Chef lebt auf der Überholspur. Mit 43 Jahren übernahm er den Chefsessel, mit 50 will er dieses Kapitel abschließen.Köln.Mit 50 ...

Seine Zeit ist zu Ende: René Obermann.  FOTO: Oliver Berg

VonErich Reimann

Der Telekom-Chef lebt auf der Überholspur. Mit 43 Jahren übernahm er den Chefsessel, mit 50 will er dieses Kapitel abschließen.

Köln.Mit 50 Jahren hat René Obermann eigentlich alles erreicht, wovon ein Topmanager träumen kann. Als Telekom-Chef lenkt er einen der größten deutschen Dax-Konzerne. Er verdient Millionen. Und dennoch verlässt er zum Jahresende auf eigenen Wunsch den Telekommunikationsriesen. Auf der Telekom-Hauptversammlung in der Kölner Lanxess-Arena verabschiedete sich der Manager von den Aktionären.
„Wir haben gemeinsam in dieser Zeit viele Turbulenzen erlebt, Höhen und Tiefen“, zog er Bilanz. „Wir haben alle schwierigen Themen angepackt, Skandale bewältigt und deren Ursachen abgestellt.“ Doch schon im nächsten Jahr werde er am Aktionärstreffen der Telekom nur noch als ganz normaler Aktionär teilnehmen.
Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, den Obermann plant. Denn ohne Druck tauscht er groß gegen klein. Vom Riesen Telekom wechselt er an die Spitze des vergleichsweise unbedeutenden niederländischen Multimedia-Unternehmens Ziggo – ein Unternehmen mit gerade einmal drei Millionen Kunden und rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Obermann wird künftig nicht mehr 230 000 Mitarbeitern leiten, sondern nur noch rund 3000.
Doch ist es wohl gerade das, was den 50-Jährigen reizt. Obermann, der mit der ZDF-Moderatorin Maybrit Illner verheiratet ist, wollte nach eigenen Worten wieder „näher an den Maschinenraum“ und stärker unternehmerisch geprägte Aufgaben übernehmen. Tatsächlich ist Obermann kein „typisches Konzerngewächs“. Bereits vor seiner Blitzkarriere bei der Telekom hatte er 1986 eine kleine Firma gegründet und sie zu einem mittelständischen Unternehmen mit mehreren hundert Angestellten entwickelt. „Ziggo passt daher perfekt“, ist er überzeugt.
Als Obermann im November 2006 den Chefsessel bei der Deutschen Telekom übernahm, galt der Posten als einer der schwierigsten in der deutschen Wirtschaft. Die Festnetzkunden liefen dem ehemaligen Monopolisten in Scharen davon, die Umsätze gingen zurück. Und Veränderungen schienen bei dem früheren Staatskonzern schwieriger als anderswo. Obermann verordnete dem Konzern Sparpakete, versuchte ihm Innovationsgeist einzuflößen und kämpfte mit den Aufsichtsbehörden. Mal hatte Obermann mehr Erfolg, mal weniger. Es gelang ihm, die Strukturen der Telekom zu straffen.