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Unter den Augen des Stars

VonJörg DöbereinerEs war das Training ihres Lebens: Die Handballer des Röbeler Joliot-Curie-Gymnasiums kamen bei Europameister Klaus-Dieter Petersen ganz ...

Eigentlich trainiert Ex-Nationalspieler Klaus-Dieter Petersen (Mitte) die deutsche Jugend- Nationalmannschaft. Hier spornt er die Röbeler Schüler an.  FOTO:Jörg Döbereiner

VonJörg Döbereiner

Es war das Training ihres Lebens: Die Handballer des Röbeler Joliot-Curie-
Gymnasiums kamen bei Europameister Klaus-Dieter Petersen ganz schön ins Schwitzen. Auch ihre Mitschüler durften testen, was sie am Ball draufhaben.

Röbel.Mit dem gelben Handball in der Hand wartet Tony Nutzmann darauf, dass er an der Reihe ist. Dann läuft der Neuntklässler los, dribbelt im Slalom um Hütchen herum, legt den Ball ab, springt über einen Kasten, nimmt den Ball wieder auf und wirft ihn mit voller Wucht auf das Tor. Er sprintet zurück, klatscht ab, der nächste ist dran. Alle 15 Schüler, die durch die Halle am Gotthunskamp flitzen, belegen das Wahlpflichtfach Handball am Röbeler Joliot-Curie-Gymnasium. Normalerweise trainieren sie Mittwochs in der siebten und achten Stunde. Doch an diesem Dienstagmorgen ist alles ein wenig anders.
Denn der Übungsleiter überragt alle – sowohl an Körpergröße als auch an Handball-Erfahrung. Klaus-Dieter Petersen ist 1,98 Meter groß und hat sein Leben in der Halle verbracht. Mit dem THW Kiel wurde der Abwehrspezialist acht Mal deutscher Meister. 340 Länderspiele bestritt er für die deutsche Nationalmannschaft, wurde unter anderem Europameister, Vize-Weltmeister und gewann Silber bei Olympia. Derzeit trainiert der 44-Jährige die deutsche Jugend-Nationalmannschaft. Jetzt scheucht er die Röbeler Jungs und Mädchen durch die Halle. Er rollt einen Handball Richtung Mittelkreis, die Schüler sprinten hinterher. Die Mannschaft, die zuerst an den Ball kommt, greift an. Die andere verteidigt. „Passen, passen, passen!“, ruft Klaus-Dieter Petersen den Schülern zu, die auf das gegnerische Tor zurennen.
„Handball-Stars Go School“ heißt die Initiative, bei der ehemalige Spieler und Trainer Schülern den Sport näher bringen. Lehrer Frank Herse reichte für das Joliot-Curie-Gymnasium eine Bewerbung ein – und prompt wurden die Röbeler als eine von 25 Schulen deutschlandweit ausgewählt. „Das war richtig toll bis jetzt“, sagtTony Nutzmann während einer Pause. „Wir haben neue Trainingsmethoden gelernt.“
Mit den Handball-Übungen will das Nachwuchsprojekt vor allem eines vermitteln: den Spaß am Sport. „Kinder sollten sich gerade in der Grundschule viel bewegen“, sagt Klaus-Dieter Petersen. „Dann sind sie auf dem richtigen Weg.“In Röbel lobt der Ex-Nationalspieler die Trainingsbedingungen.„Eine tolle Halle habt ihr hier zur Verfügung“, sagt er. Und weist darauf hin, dass jede Schule den Ballsport fördern könne – auch wenn der nächste Handballverein ein paar Kilometer entfernt liegt.
„Hat’s euch Spaß gemacht? Seid ihr kaputt?“, fragt Klaus-Dieter Petersen die Schüler am Ende der zwei Stunden. „Ja!“ lautet die Antwort der Schüler – auf beide Fragen. Während der Star-Trainer Fragen seiner Schützlinge beantwortet und Autogramme schreibt, bauen seine Begleiter in der Halle eine Torwand und andere Geräte auf. Auch Schüler, die nicht im Handball-Kurs sind, testen hier ihre Geschicklichkeit oder lassen die Geschwindigkeit ihrer Würfe messen.

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