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670 700 Euro für einen Abrisskandidaten

Für annähernd 700 000 Euro hat das Land ein Schullandheim in Peenemünde gekauft. Eine Usedomer Bürgerinitiative kritisiert den Deal und sieht den Landesrechnungshof am Zuge.

Das Land kauft das Schullandheim Peenemünde, angeblich, um die Vernässung der Wiesen zu ermöglichen.
Stefan Sauer Das Land kauft das Schullandheim Peenemünde, angeblich, um die Vernässung der Wiesen zu ermöglichen.

Das Land hat überraschend ein zum Verkauf stehendes Schullandheim in Peenemünde gekauft und damit heftige Kritik ausgelöst. Ursprünglich sollte das Gebäude am Samstag auf einer Auktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG versteigert werden. Doch nicht Gerüchte um einen möglichen Erwerb der Immobilie durch Rechte, sondern eine geplante, in der Region aber heftig umstrittene Renaturierungsmaßnahme haben das Land zum Kauf bewogen.

Das Land zahlte eigenen Angaben zufolge 660 700 Euro aus dem Ressorthaushalt des Umweltministeriums. Als Grund gab das Ministerium am Donnerstag an, damit „für ausgleichspflichtige Eingriffe im Küstenbereich kurzfristig und umfassend Ausgleichsflächen zur Verfügung zu haben“. Das Mindestgebot für die Auktion sollte bei 340 000 Euro liegen. Für die Bürgerinitiative gegen den Deichrückbau ist das Geschäft „ein Fall für den Landesrechnungshof“. Das Ministerium gehe davon aus, dass der Deichrückbau bereits genehmigt sei. Das Verfahren laufe aber noch, der Ausgang sei offen, sagte der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI), Rainer Höll.

Das Schullandheim liegt inmitten eines Gebietes, das durch einen Deich geschützt ist, der mit der NS-Heeresversuchsanstalt in den 1930er Jahren errichtet wurde. Mit dem Deich wurde der einst sumpfige Norden der Insel erst bebaubar gemacht. Das Umweltministerium will den Deich gegen den Widerstand eines Großteils Bewohner und entgegen dem Rat von Denkmalschutzexperten zurückbauen lassen, um damit Kompensationsflächen für mögliche Industrieansiedlungen in Lubmin zu schaffen. Der Kauf des Schullandheimes sei nicht nur eine Grundlage für die weitere naturschutzfachliche Arbeit, sondern auch ein Beitrag zu einer umfassenden Wirtschaftsförderung in der Region, verteidigte Umweltminister Till Backhaus (SPD) den Erwerb. Die zu DDR-Zeiten erbaute Einrichtung will das Land abreißen lassen.

Zuvor keimten auch Gerüchte auf, rechte Gruppierungen wollten das im Areal gelegene Schullandheim bei der am Samstag anstehenden Auktion erwerben.

Der ehemalige Besitzer des Schullandheimes, Frank Adam, bestätigte den Verkauf an das Land. Adam droht nun durch das Auktionshaus eine mehrere 10 000 Euro hohe Strafe. „Das nehme ich in Kauf“, sagte Adam.