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NPD-Einfluss auf Usedom-Tourismus

Im Gemeinderat von Heringsdorf sitzen nur zwei NPD-Vertreter, bei der Wahl für den Tourismusausschuss gab es aber vier Stimmen für die Rechten. Der Bürgermeister ist peinlich berührt.

Wirbel im Heringsdorfer Rathaus: In einer Ausschuss-Wahl gab es überraschende Zustimmung aus anderen Fraktionen für die NPD.
Sandra Grüning Wirbel im Heringsdorfer Rathaus: In einer Ausschuss-Wahl gab es überraschende Zustimmung aus anderen Fraktionen für die NPD.

Eklat im Heringsdorfer Gemeinderat: Bei der Wahl des Tourismusausschusses bekam die NPD vier Stimmen und damit tatsächlich einen Sitz im Ausschuss. Wie sich der Usedom-Tourismus weiterentwickelt - die NPD hat dabei jetzt ein Mitspracherecht.

Dabei sitzen nur zwei NPD-Vertreter im Parlament. Zwei Heringsdorfer Gemeindevertreter haben darauf aus Protest ihren Hut genommen: Claudia Pautz (Einzelkandidatin) und Kirstin Leonie Gottheit-Zumpe (HBU) haben ihr Mandat direkt dem Eklat niedergelegt. Sie würden keine vernünftige Arbeitsbasis mehr sehen, begründeten sie diesen Schritt. Der Vorgang sei ein Schlag gegen die Demokratie.

Auch die Fraktion BI/Die Linke hat Konsequenzen angekündigt: "Wir werden unsere Vertreter aus dem Ausschuss zurückziehen", sagt Frank Lettner.

Die NPD war bereits auf einer früheren Gemeindevertretersitzung in den Ausschuss gewählt worden, diese Wahl musste allerdings wiederholt werden, weil sich die drei zuständigen Verwaltungsbeamten bei der Auszählung der Stimmen verzählt hatten. Auch schon peinlich, schließlich war es um nur 18 Stimmen gegangen. In diesem Durchgang vor knapp einem Monat hatte die NPD drei Stimmen bekommen. Jetzt bei der Nachwahl waren es also sogar vier!

"Dieses Parlament macht die Neonazis salonfähig"

Die Insel ist geschockt: Es hagelt Kritik nicht nur in den Kaiserbädern, sondern auf der ganzen Insel. Bürgermeister Lars Petersen (parteilos) ist fassungslos: "Mir fehlen einfach die Worte dazu. Dieses Parlament macht die Neonazis salonfähig."

Schelte gibt es vom Insel-Tourismusverband: "Ich finde es wirklich bedenklich, wie diese Leute hoffähig gemacht werden. Es ist eine Schande für die ganze Insel, was passiert ist", sagt die Chefin des Insel-Tourismusverbandes, Beate-Carola Johannsen.

Sprachlosigkeit auch bei der Inselmarketinggesellschaft Usedom Tourismus GmbH (UTG): "Das schadet nicht nur Heringsdorf, sondern der ganzen Insel, die vom Tourismus lebt", sagt UTG-Chefin Dörte Hausmann.

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Kommentare (4)

Das Leben ist nun mal kein Ponyhof. Die Linken will auch niemand haben, und sie sind (waren) trotzdem da. Und wen meint Beate-Carola Johannsen bitte mit "diese Leute"? Höre ich da etwa Diskrimminierung?

Es mutet seltsam kurios an. Demokratisch gewählte Volksvertreter nehmen ihr Mandat wahr und entscheiden frei nach ihrem Gewissen. - Bis hier ist alles völlig legitim. Aber jetzt, wo das Ergebnis feststeht, welches Einigen nicht passt, wird tatsächlich ein Skandal daraus. Allerdings nicht so, wie hier einige glauben machen wollen. Der Schlag gegen die Demokratie wir vor allem ausgeführt, durch die Abgeordneten, welche gegen das Ergebnis der Abstimmung wettern. Ich habe nie und würde nie die NPD wählen. Aber Demokratie bedeutet eben auch, dass Ergebnis einer Abstimmung zu akzeptieren. Frau Johannsen hat völlig Recht, wenn sie von einer Schande spricht. Aber sie weiß nicht, das die Schande darin liegt, einer demokratisch gewählten Partei, die Legitimation abzusprechen. Interessante Vorgänge auf der Insel, die vielleicht die postdemokratische Phase beschreiben, in der wir uns gerade befinden. Denn das Muster ist oft ähnlich.

Es ist schon bezeichnend für unsere sogenannten demokratischen GV`s . Wissen Sie eigentlich was Demokratie bedeutet ? Jedenfalls was Sie ,ja genau Sie Fr.Pautz,Fr.Gottheit-Zumpe, Hr. Lettner ,Hr. Merkle machen schadet dem Ansehen der Gemeinde und der Region ! Was zeichnet Sie denn als bessere GV`s aus ? Sie sind genau wie die beiden Vertreter der NPD demokratisch von der Bevölkerung gewählt worden um deren Interessen zu vertreten und nicht um sich persönlich zu profilieren ! Sie wollen Neuwahlen erzwingen ,und dann wieder den Wähler im Stich lassen wenn das Ergebnis nicht stimmt ? Leisten sie einen wirklichen Beitrag und stellen sie sich nie wieder zur Wahl als GV ,damit helfen sie wirklich etwas zu verbessern ! Genau so wenig brauchen wir abgehalfterte Wessi`s die hier durch dumme Kommentare Panik verbreiten und in Wahrheit nur ihren eigenen Geldbeutel im Kopf haben . Ich hoffe das noch mehr NPD ler in den GR gewählt werden ,damit der ganze Klüngel unter dem Deckmantel der Demokratie ein Ende findet .

Als häufiger Gast in Heringsdorf in den letzten 20 Jahren bin ich nie den Eindruck los geworden, Tourismus und Gemeindevertretung, das sind 2 verschiedene Dinge in Heringsdorf. Und so wundert mich nicht, dass man Vertreter in den Tourismusausschuss wählt, die für das Image von Heringsdorf nicht gerade förderlich sind. Da können die Anbieter sich noch so viel Mühe geben, das ist keine Werbung. Niemand soll glauben, dass sei ja nur eine interne Angelegenheit der Gemeindevertretung. Auch Touristen achten darauf, wer die Gemeinde in ihren Entscheidungen beeinflusst. Dr. Gerlach aus Brandenburg