Tourismus soll weiter angekurbelt werden:

Usedom schaut nach Osten und nach vorn

Die Touristiker auf der Insel haben in den vergangenen Jahren vieles richtig gemacht. Aber es kann immer noch besser werden. Nun wurde beraten, wie das gehen könnte.

Stefan Sauer Der Strand der Insel Usedom ist bei schönem Wetter immer gut besucht.

Von wegen alles eitel Sonnenschein auf der Sonnen-Insel: Baustellen gibt es noch reichlich – und die nicht nur im Sommer auf den Straßen von Usedom. So zumindest klang es am Freitag beim Tourismus-Tag des Tourismusverbandes Insel Usedom, bei dem darüber beraten wurde, wie sich die Branche in den nächsten fünf Jahren entwickeln soll. Natürlich wurde auch nicht verschwiegen, das bisher schon vieles richtig gemacht wurde. Fünf Millionen Übernachtungen pro Jahr sprechen da für sich. Aber es gab auch Rückschläge. So bedauerte der ehemalige Kurdirektor Dietmar Gutsche unter anderem, dass es auf der Insel keine Spielbank mehr gibt und dass eine Usedom-Card dafür noch immer auf sich warten lässt.

Was aber nun in den nächsten fünf Jahren werden soll, darüber hatte sich das Beratungsunternehmen Kohl und Partner aus München Gedanken gemacht. Eines der Schlagworte war beim Tourismustag so auch die „Internationalisierung“ der Insel Usedom. Denn fast 100 Prozent der Gäste, die es Jahr für Jahr dort hin zieht, stammen aus Deutschland. Dabei könnten Strand, Natur und Bäderarchitektur durchaus auch für Gäste aus umliegenden Staaten attraktiv sein, wie zum Beispiel Skandinavien, Österreich, die Schweiz, Polen oder Tschechien, meinte Elisabeth Hiltermann von der Beratungsfirma. Dafür bedürfe es aber einer klaren Strategie, mehr Anstrengungen beim Marketing, bei der Sprachkompetenz und nicht zuletzt des umstrittenen Flughafens Heringsdorf. Vor allem wenn sich die Insel auch beim Tagungstourismus einen Namen machen wolle.

Blick nach Osten, um Tourismus weiter anzukurbeln

Eine ganz andere Seite der Internationalität brachte Staatssekretär Stefan Rudolph vom Schweriner Wirtschaftsministerium ins Spiel. Er mahnte geradezu an, die polnischen Kollegen in Swinemünde und auf der Insel Wollin mit ins Boot zu holen, auch um nicht zurück zu bleiben, denn dort gehe gerade so richtig „die Musik ab“. Und das offenbar nicht nur, was den Tourismus betrifft. So schätzte Jörgen Boße, Geschäftsführer der Usedomer Bäderbahn ein, dass Swinemünde seine Verkehrsprobleme im Jahr 2020 gelöst hat, wenn nämlich der Tunnel unter der Swine fertig sein wird und im ungünstigen Fall dann auch noch Lastkraftwagen von dort über die Insel nach Hamburg rollen werden. Seine Empfehlung an die Insel-Touristiker fiel deutlich aus: Weniger reden, mehr machen.

Geredet wurde auf Usedom nämlich schon viel, auch über das Konzept „Eine Insel – eine Gemeinde“. So lautete eine Empfehlung der Beratungsfirma denn auch, alles daran zu setzen, um die gesamte Insel als ein Erholungsgebiet auszuweisen, so dass auch jene Orte zum Beispiel eine Fremdenverkehrsabgabe erheben könnten, die nicht speziell als Kur- oder Erholungsorte ausgezeichnet sind. Diese zusätzlichen Einnahmen könnten dann auch wieder für gemeinsame touristische Projekte ausgegeben werden. Dann allerdings müsste sich sich auch die gesamte Insel als eine Einheit präsentieren, so wie sie ja auch von den Gästen wahr genommen werde. Kirchturmdenken dürfe es dann nicht mehr geben.

 

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