Jungkandidaten im Check:

Vermummt aus der SPD-Krise

Der Wahlkampf hat begonnen. Für die Sitze im Schweriner Landtag bewerben sich neben den alteingesessenen auch junge Politiker. In einer Serie stellen wir die jüngsten Kandidaten der Parteien vor. Luisa Heide tritt für die SPD an.

Die 23-jährige Luisa Heide ist Vorsitzende der Jungen Sozialdemokraten (Jusos), der Jugend-Organisation der SPD.
Carsten Korfmacher Die 23-jährige Luisa Heide ist Vorsitzende der Jungen Sozialdemokraten (Jusos), der Jugend-Organisation der SPD.

"Wir brauchen eine bessere Demonstrationskultur." Die junge Frau spricht mit  sanfter Stimme, doch ihr Ton verrät, dass sie in diesem Punkt keinen Widerspruch duldet. Luisa Heide beginnt mit dem, was ihr wichtig ist. Politik ist ihr wichtig und für die 23-Jährige geht Politik nicht nur betagte Männer in Anzügen, die sich in Ausschusssitzungen rumtreiben, etwas an. Für sie passiert Politik auch auf der Straße. Für Luisa Heide ist Politik eine Sache der Jugend.

Ihre politische Karriere begann die Greifswalder Studentin in ihrer Heimatstadt Wismar. Schon als Jugendliche ging sie auf Anti-Atomkraft-Demos. Sie suchte nach Organisationen, die in dieser Hinsicht aktiv waren und in denen sie sich engagieren konnte. Ihre Wahl fiel auf die Jusos, die Jungsozialisten in der SPD. Als Luisa Heide nach dem Abitur zum Studium nach Greifwald ging, war klar, dass sie sich weiter bei den Jusos engagieren würde. Bereits kurze Zeit später war sie Landesvorsitzende der Jungsozialisten in Mecklenburg-Vorpommern. Am 4. September tritt Luisa Heide erstmals bei einer Landtagswahl an. Als jüngste Kandidatin der Sozialdemokraten und einzige Vertreterin der Jusos hat sie es auf die SPD-Landesliste geschafft.

Kandidatin geht für politische Themen zu Demonstrationen

Luisa Heide leitet ihre politischen Anliegen aus ihren Erfahrungen ab. Sie geht auf Demonstrationen, setzt sich auf der Straße für das ein, an das sie glaubt. Für die Jungpolitikerin ist die Demonstration eine der ursprünglichen politischen Handlungen, die unter allen Umständen geschützt werden muss. "Deswegen würde ich das Vermummungsverbot abschaffen, damit Demonstranten nicht kriminalisiert werden." Außerdem könne eine Kennzeichnungspflicht von Polizisten und Änderungen der polizeilichen Ausbildung zu einer besseren Demonstrationskultur beitragen. "Es kann nicht sein, dass Demo-Teilnehmer von der Polizei mit Pfefferspray und Schlagstöcken behandelt werden." Auch sie sei schon polizeilichen Maßnahmen ausgesetzt gewesen.

Es sind vor allem sozial- und umweltpolitische Themen, die Luisa Heide auf die Straße treiben. Die Politikstudentin will alle deutschen Atomkraftwerke abschalten und die Ostsee als Lebensraum für Meerestiere schützen. Sie plädiert für einen europäischen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge in der EU und für mehr Psychologen und Sozialarbeiter in der Flüchtlingshilfe. Ob sie dies auch in Zukunft als Politikerin tun wird, ist ungewiss. "Ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dauerhaft als Politikerin zu arbeiten", sagt Heide. Sie möchte zusätzliche politische Handlungsspielräume haben. Deshalb könne sie sich vorstellen, bei einer internationalen Nichtregierungsorganisation wie Amnesty International oder Greenpeace anzuheuern. "Einen politischen Bezug sollte meine Arbeit aber schon haben."

Konflikte mit der Mutterpartei

Nicht immer sind die Jusos auf Linie mit der Mutterpartei. Das führt immer wieder zu Konflikten mit der SPD, die für die Jungpolitiker fast schon zum guten Ton gehören. Mecklenburg-Vorpommern macht da keine Ausnahme. Auf das schwierige Verhältnis zwischen Jusos und SPD angesprochen, lächelt Luisa Heide verschmitzt, als weckte die bevorstehende Beantwortung der Frage eine gewisse Vorfreude. "Es gibt Entschlüsse der Partei, die halten wir Jusos für nicht hinnehmbar." Dazu gehöre die Haltung zur Vorratsdatenspeicherung, die in der großen Koalition verabschiedeten sogenannten Asylpakete und vereinzelte Äußerungen zum Thema Asylpolitik. "Und die Zustimmung zu TTIP ist Teil der SPD-Krise, ganz klar." Die Jungpolitikerin hält inne. Nach einer kurzen Pause sagt sie: "Letztendlich bleiben wir immer konstruktiv. Aber die SPD braucht das irgendwie, die Konflikte mit den Jusos."