:

Vom Haussperling zum seltenen Schreiadler

VonFranziska GerhardtEin Team von fünf FÖJlern aus Mecklenburg-Vorpommern hat an einem bundesweiten Birdrace teilgenommen. Dabei geht es darum, innerhalb ...

Lucas von Chamier hat schon als Kind Vögel beobachtet. Am Wochenende hat er an einem Birdrace teilgenommen.  FOTO: FG

VonFranziska Gerhardt

Ein Team von fünf FÖJlern aus Mecklenburg-
Vorpommern hat an einem bundesweiten Birdrace teilgenommen. Dabei geht es darum, innerhalb von 24 Stunden in einem bestimmten Gebiet so viele verschiedene Vogelarten wie möglich zu beobachten.

Brückentin.„Da, ein Gartenrotschwanz – er brütet also doch!“ Lucas von Chamier ist schon voll im Vogelbeobachter-Modus. An einem Brutkasten an einer Wand der Jugendnaturschutzakademie Brückentin hat er den Gartenrotschwanz entdeckt, den er schon seit drei Tagen vermisste. Die Brutkasten hat der junge Vogelbeobachter, der zurzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Jugendnaturschutzakademie leistet, selbst angebracht.
Am Sonnabend konnte der 19-Jährige aus Berlin seine Beobachterfähigkeiten dann richtig einsetzen. Gemeinsam mit vier anderen FÖJlern aus Mecklenburg-Vorpommern hat er am 10. bundesweiten Birdrace teilgenommen. Insgesamt beteiligten sich bis zu 165 Teams von Vogelbeobachtern aus ganz Deutschland daran. Dennis Conrad, Julius Jacob, Carolin Krämer, Flemming Nagel und Lucas von Chamier waren einen ganzen Tag lang in der Gegend um Feldberg unterwegs, um so viele verschiedene Vogelarten wie möglich zu beobachten. Edda Dettmer unterstützte das Birdrace-Team, das sich den plattdeutschen Titel „de FÖJels“ – ein Wortspiel mit Vögel und FÖJler – gegeben hat. Am Sonnabend früh um halb fünf fuhr die Gruppe mit dem Rad nach Feldberg. Dort trafen sich die FÖJler mit dem Adlerexperten Fred Bollmann, der ihnen zum Auftakt des Rennens Seeadler gezeigt hat. „Mindestens drei Leute aus der Gruppe müssen einen Vogel sehen oder an seinem Ruf bestimmen, damit man ihn mitzählen darf“, erklärt Lucas von Chamier. Ihn hat ein Buch, das er als Kind zum Geburtstag bekam, für die Welt der Vögel begeistert. „Das hieß ,Meine ersten 100 Vogelarten‘ oder so ähnlich“, erinnert er sich. Ihm gefiel die Artenvielfalt und dass man Vögel jeden Tag beobachten kann. „Gerade Greifvögel finde ich faszinierend“, sagt er. Fast jedes Wochenende ist er in der Natur unterwegs, um mit seinem Feldstecher Vögel zu beobachten.
Die häufigsten Vogelarten hier in der Gegend seien Haussperlinge, Buchfinken, Feldlerchen, Rauchschwalben, Blau- und Kohlmeisen, sagt Lucas von Chamier. Mehlschwalben habe er dieses Jahr erstaunlicherweise noch keine gesehen. „Auch den Kuckuck habe ich erst zweimal gehört“, erzählt er. Er hofft, bald auch den seltenen Schreiadler in der Region beobachten zu können. Die vom Aussterben bedrohte Rohrdommel konnte die Gruppe am Sonnabend gleich als erstes hören. Insgesamt kamen die FÖJler auf 90 Arten. „Es war ein super Tag mit richtig schönem Wetter“, fasste Lucas von Chamier am Sonntag zusammen.

Bis zu 120 Arten in
24 Stunden beobachtet
Das Birdrace soll einerseits auf die Artenvielfalt der Vogelwelt und auf aussterbende Arten aufmerksam machen, andererseits auch Spenden für den Organisator, den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), erbringen. Ausgezeichnet wird das Team, das die meisten Vögel beobachtet hat. Allerdings haben Vogelbeobachter an der Küste einen klaren Wettbewerbsvorteil. Darum gibt es seit 2007 die Sonderwertung „Singvögel“, um binnenländischen Teilnehmern die gleiche Chance auf den Titel zu geben. Die besten Teams beobachten innerhalb von 24 Stunden rund 120 Vogelarten.

Kontakt zur Autorin
f.gerhardt@nordkurier.de