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Vorzeige-Nixe mächtig unter Druck

VonJörg SoldwischSechs Wochen nach der verpatzten DM kehrt Britta Steffen ins Wettkampf-becken zurück. Sie muss zu alter Stärke zurückfinden, um bei der ...

Sorgenvoller Blick voraus: Britta Steffen. [KT_CREDIT] FOTO: Archiv

VonJörg Soldwisch

Sechs Wochen nach der verpatzten DM kehrt Britta Steffen ins Wettkampf-
becken zurück. Sie muss zu alter Stärke zurückfinden, um bei der WM in Barcelona auf ihrer Paradestrecke an den Start gehen zu können.

Monaco/Berlin.Schwimmstar Britta Steffen war zuletzt abgetaucht. Die Weltrekordlerin zog sich in den vergangenen Wochen bewusst aus der Öffentlichkeit zurück, nach der verpatzten DM Ende April waren für sie nur drei Dinge wichtig: gesund werden, trainieren, vergessen.
Jetzt muss sie aber auch wieder schnell schwimmen. Denn wenn am Wochenende mit dem Startschuss der Mare-Nostrum-Tour in Monaco die heiße Phase der WM-Vorbereitung beginnt, steht Steffen unter Druck. Ihr WM-Startplatz auf ihrer Paradestrecke steht auf dem Spiel.
„Britta geht es wieder sehr gut. Sie hat sich von ihrer Erkrankung erholt und ist in Topform, ihre Kraft- und Ausdauerwerte sind glänzend“, sagte Bundestrainer Henning Lambertz: „Nach den für sie katastrophalen deutschen Meisterschaften soll sie sich jetzt Selbstvertrauen zurückholen und allen zeigen: Ich bin noch da!“
Das ist auch nötig. Um sich doch noch ein Startrecht über 50 m Freistil bei den Weltmeisterschaften zu sichern, muss die Doppel-Olympiasiegerin von 2008 bei den kommenden Rennen in Monaco, Barcelona (11./12. Juni) und Canet (15./16. Juni) schneller schwimmen als ihre teaminternen Konkurrentinnen Dorothea Brandt (Essen) oder Daniela Schreiber (Halle/Saale), die bei der DM die WM-Norm erfüllt hatten. Steffen war wegen eines viralen Infekts vorzeitig von der DM abgereist. Doch selbst wenn die Lebensgefährtin von Paul Biedermann ihre Teamkolleginnen hinter sich lässt, wäre das noch kein Freibrief für das 50-m-Rennen in Barcelona. „Fakt ist: Es haben sich zwei Mädels qualifiziert. Ich werde keine Order vorgeben, sondern an den Teamgeist appellieren“, sagte Bundestrainer Lambertz: „Vielleicht verzichtet eine Daniela Schreiber ja freiwillig auf ihren Platz, wenn sie sieht, dass Britta die deutlich besseren Medaillenchancen hat.“ Schreiber und Steffen sind zwar nicht die besten Freundinnen im Schwimm-Zirkus, ein Startverzicht von Schreiber, die auf der doppelten Distanz ihre Stärken hat und dort ebenfalls für die WM qualifiziert ist, gilt jedoch als wahrscheinlich. In letzter Instanz könnte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow auch ein Machtwort sprechen. Wenn Steffen jedoch zurück zu der Form findet, die sie vor ihrer Erkrankung schon hatte, wird das nicht nötig sein.
Der Teamgeist sei durch das gemeinsame Trainingslager auf Sardinien noch einmal größer geworden, betonte Lambertz: „Unsere Athleten haben dem Trainingslager die Note 2+ gegeben. Wir haben im Ausdauerbereich hart gearbeitet, aber auch am Teambuilding und im Umgang mit Medien.“
Auf der Mare-Nostrum-Tour will auch Steffen Deibler eine weitere Duftmarke setzen. Sechs Wochen nach seinem DM-Sieg über 100 m Schmetterling in deutscher Rekordzeit von 51,19 Sekunden führt der Hamburger Schwimmer nach wie vor die Weltrangliste an.