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Wie Afrika zur Regenzeit

VonAndré Jahnke,Georg-Stefan RussewundPetra BuchAnwohner sind eingesperrt, Keller und Erdgeschosse überflutet. In Passaus Altstadt heißt es bereits Land ...

Das Gartenhaus von Johann Wolfgang von Goethe im überfluteten Ilmpark in Weimar. [KT_CREDIT] FOTO: Candy Welz

VonAndré Jahnke,Georg-Stefan RussewundPetra Buch

Anwohner sind eingesperrt, Keller und Erdgeschosse überflutet. In Passaus Altstadt heißt es bereits Land unter. Die Menschen erinnern sich mit Schrecken an die Überschwemmungen von 2002.

Passau/Zeitz.Das Wasser steigt rapide, Helfer sichern Häuser mit Sandsäcken, Tiere werden in Sicherheit gebracht – und die Menschen haben Wut, Ärger, Angst. In Passau schimpfen Anwohner und Ladenbesitzer: So ein Hochwasser wurde für die Dreiflüssestadt nicht vorhergesagt. In der Nacht zum Sonntag stieg der Wasserstand binnen weniger Stunden auf mehr als 9,50 Meter – weite Teile der Altstadt sind überflutet. Viele Menschen wurden von den Wassermassen überrascht und können ihre Häuser nicht mehr verlassen oder betreten.
Am Sonntag löste die Stadt Katastrophenalarm aus. „Ich war am Samstag noch in meinem Souvenirladen, als das Wasser kam“, sagt Christine Bauer. Jetzt steht sie im Hausflur und kommt nicht mehr hinaus. Seit Stunden arbeiten in Passau 400 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Wasserwacht und Technischem Hilfswerk unter Hochdruck – die Lage unter Kontrolle bringen können sie jedoch nicht. Es fehlt an Sandsäcken und Pumpen.Hilfe für die Menschen kommt örtlich nur noch per Boot. „Mein kranker Nachbar ist am Morgen mit einem Boot vom Roten Kreuz geholt worden“, sagt Herbert Würzinger.
In Sachsen-Anhalt verschafft sich Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) in gelben Gummistiefeln im Süden des Landes in Wetterzeube nahe der Grenze zu Thüringen einen Überblick über die dramatische Lage. Dem rund 1800 Einwohner zählenden Ort bei Zeitz drohe das schlimmste Hochwasser seit 1924, erfährt der Regierungschef. Bereits jetzt sind vielerorts in Sachsen-Anhalt Straßen überflutet, auf Äckern und Wiesen bilden sich riesige Seen. Bange Blicke gehen immer wieder zum Himmel. Der Regen will einfach nicht aufhören. Für die Elbe in Magdeburg wurde die höchste Hochwasserstufe vier erwartet. Die Strömung der Flusses ist gewaltig.
In Städten des besonders vom Hochwasser der Weißen Elster, Saale und Unstrut betroffenen Burgenlandkreises sowie in Halle richten sich die Anwohner der Flüsse auf das Schlimmste ein. „Hoffentlich wird es nicht wieder so schlimm wie damals“, sagteine Anwohnerin in Röpzig bei Halle. Die Frau erinnert sich wie so viele an die Flut 2002, die auch in Sachsen-Anhalt landesweit Millionenschäden angerichtet hatte. In Weißenfels stiegen die Wassermassen der Saale bedrohlich an.
In Würzburg ging das Afrika-Festival weitgehend im Regen unter. Nur einen Tag nach Eröffnung packten Basarhändler in Windeseile ihre Dinge zusammen. „Es ist jetzt ein bisschen wie in Afrika zur Regenzeit“, sagte Ellen Schulte (62) aus Berlin.