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Zurück ins Mittelalter mit den Gefährten der Nacht

Wer sich in die Obhut der „Gefährten der Nacht“ begibt, darf nicht zimperlich sein. Denn bei den mittelalterlichen Gestalten geht es während der ...

Wanderung durch Storkow mit dem Nachtwächter Detlef Nutsch, der hier seine Begrüßungsrede hält.

Wer sich in die Obhut der „Gefährten der Nacht“ begibt, darf nicht zimperlich sein. Denn bei den mittelalterlichen Gestalten geht es während der zweistündigen Zeitreise durch das nächtliche Storkow (Oder-Spree) recht deftig zu. Gruselig und schaurig wird die mehr als 800-jährige Stadtgeschichte von Storkow illustriert. Der Clou: Das Publikum ist hautnah dabei, wird kostümiert, in Dialoge oder Trinklieder einbezogen, mit einem Becher Met versorgt oder an den Pranger in Form eines eisernen Käfigs gestellt. Andere müssen sich beim Bogenschießen oder Hinkelsteinwerfen beweisen oder erfahren am eigenen Leib, dass der Nachtwächter früher stets in der Mitte der Gasse ging, weil es üblich war, das Nachtgeschirr aus dem Fenster zu leeren.

Angeführt wird der Tross von Nachtwächter Detlef Nutsch, der eigentlich Schuhhändler in Storkow ist. „Ich erzähle eigentlich gar nicht viel, langweile die Leute schon gar nicht mit Jahreszahlen und dergleichen“, sagt er schmunzelnd. Dass der 57-Jährige vor Jahren ins Nachtwächtermetier geriet, war eher ein Zufall. Mitte der 1990er mit der Familie nach Storkow gezogen, schlüpfte er erstmals für die Schulklasse seines Sohnes in diese Rolle. „Auf dem Programm stand eine Nachtwanderung. Die Schüler waren zu alt für Spuk und Gespenster. Also besorgte ich mir in der Storkower Touristeninfo Material zur Stadtgeschichte und führte die Mädchen und Jungen herum.“ Seitdem ließ das Nachtwächtermetier den Geschäftsmann nicht mehr los.

Auch Kräuterfrau und Sensenmann sind dabei

Allerdings ist er ein geselliger Mensch, wie er sagt und wollte die Besucher nicht allein durch Storkow lotsen. Deshalb schaltete er eine Annonce, mit der er Mitstreiter mit Lust am Mittelalter suchte. Und so gesellten sich zu ihm der Burg-Kastellan, Bettler, Kräuterfrau, Zeidler (Imker), Mägde, der Sensenmann und Landsknechte, die im normalen Berufsleben Apotheker, Stadtangestellte, Rechtsanwalt oder Arzt sind.
Dass die Begleiter aus dem Mittelalter stammen müssen, liegt nahe. Storkow hat nicht nur eine mittelalterliche Burg, sondern auch einen historischen Stadtkern mit labyrinthartigen Gassen und alten Häusern rings um den Marktplatz.

Natürlich ist auch der nächtliche Anführer selbst entsprechend kostümiert mit schwarzem Umhang, einem gleichfarbigen Barett nebst Feder und der auffälligen Hellebarde in der Hand – als Nachtwächter Franziskus. Seit mehr als drei Jahren schart er nun schon die „Gefährten der Nacht“ um sich – mit wachsendem Erfolg. „Zu unseren besonderen Stadtführungen kommen immer mehr Leute aus ganz Brandenburg und aus Berlin“, freut sich Nutsch über eine hohe „Weiterempfehlungsrate“. Deswegen mussten bereits Headsets angeschafft und Podeste aufgestellt werden – damit auch in der hintersten Reihe alles mitzubekommen ist.

Immer wieder tauchen neue Figuren auf

Viele Besucher laufen mehrfach mit, denn der nächtliche Spaziergang ist nie gleich. „Wir haben zwar feste Szenen, improvisieren aber auch viel“, sagt Nutsch, dessen Angaben nach auch ständig neue Figuren hinzukommen, wie „Die Gesunde“, eine Wahrsagerin und Wunderheilerin, oder zwei „Hübschlerinnen“, wie die Huren im Mittelalter genannt wurden. Sie tauchen an Fenstern verlassener Gebäude auf, erscheinen auf dem Friedhof neben der Kirche oder einfach am Wegesrand und unter Brücken.

Die Laiendarsteller haben zahlreiche Kulissen gebaut, Schauspielunterricht genommen und arbeiten ständig an neuen Szenen. Generell werden die Geschichten möglichst originalgetreu erzählt.

Die monatlichen Stadtführungen mit den „Gefährten der Nacht“ kosten fünf Taler für Erwachsene – Kinder zahlen nichts – und beginnen stets mit dem Dunkelwerden. Die nächste Nachtwanderung durch Storkow gibt es am 7. Juni. Treffpunkt ist um 21.30 Uhr die Storkower Burgscheune. Kontakt unter 01739445271.