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Alles trägt noch immer DDR-Patina

VonRainer MartenDen Charme einer Baracke – mehr strahlt die Randow- Schule Löcknitz nicht aus. Die Bedingungen sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Aus ...

VonRainer Marten

Den Charme einer Baracke – mehr strahlt die Randow- Schule Löcknitz nicht aus. Die Bedingungen sind schon lange nicht mehr zeitgemäß. Aus der Sicht des Schulleiters muss es aber auch für Schulen dieser Art eine Zukunft geben. „Das wird schwer“, sagt Michael Belz.

Löcknitz.Wasser und Salpeter haben es geschafft! Am Eingang zur Randow-Schule bröckelt der Putz. Innen, so sagt eine Mutter den Blick deutend, existierten sogar Risse. Im Flur liegt Linoleum, fein säuberlich poliert. Irgendwann hat den jeder schon einmal gesehen, damals, in der DDR. Das ist die Randow-Schule Löcknitz also. Der erste Eindruck.
Der Schulname war früher wesentlich länger. Die Schule trug den Zusatz Einrichtung für schulbildungsunfähige förderfähige Kinder und Jugendliche. Heute versucht man es kürzer: Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung.
Schulleiter Michael Belz ist froh über den Besuch: Wer über Raum für Bildung in Löcknitz redet, darf diese Einrichtung nicht übergehen! „Auch wir stehen“, so sagt er, „vor neuen Herausforderungen. Erstmals wird es hier ein Kind geben, das seine Wurzeln im Nachbarland hat.“ Und was versteht ein Kind mit einer geistigen Behinderung, das fremde Laute noch nicht vernommen hat? Wie wird es lernen? Der Schulleiter ist sich sicher, dass seine Kollegen und er das aber schaffen werden.
Was sie nicht schaffen werden, ist den Nachkriegsbau zeitgemäß herzurichten. „Ein Konzept zur Entwicklung der Schule existiert; aber es fehlt Geld, um dieses Konzept umzusetzen“, weiß Belz aus Zusammenkünften mit dem Schulträger.
Im Schuljahr 2012/13 werden in der Förderschule 30 Kinder betreut, ab dem 3. August werden es 33 sein. Zur Verfügung stehen vier Gruppenräume, vier Klassenräume zur Einzelförderung, ein Therapieraum, ein Musikraum, ein Werkraum, ein Hauswirtschafts- und Küchenraum. Es gibt eine Aula, aber keine Lehrerzimmer. Ein Mini-Sekretariat und Schulleiterraum wiederum existieren. Alles trägt DDR-Patina. Um die Kinder sorgen sich vier Lehrer, vier pädagogische Unterrichtshilfen, vier Betreuer und natürlich der Schulleiter. Grundlage des Personalbestandes ist der Bemessungsschlüssel. Da der Raum begrenzt ist, werden Pasewalker Kinder zwischenzeitlich umgelenkt zur Förderschule Ferdinandshof.
Angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen für eine derartige Schule – das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung (Inklusion) ist seit geraumer Zeit Thema – werden die Förder-, Grund- und Regionale Schule zusammen arbeiten müssen. Gespräche gibt es bereits, sagt Belz. Aber ohne veränderte materielle Bedingungen wird sich das beste Konzept nicht umsetzen lassen!
Kontakt zum Autor:
r.marten@nordkurier.de