Betrugsgefahr

Vorsicht vor Heiratsschwindel im Internet

Immer wieder fallen Opfer auch im Nordosten auf Liebesbetrüger im Internet rein. Hinter der miesen Masche stecken international agierende Banden, die alle Tricks kennen.
Liebesschwüre per Rechner: Beim „Romance Scamming“ bringen Betrüger Menschen dazu, Geld zu überweis
Liebesschwüre per Rechner: Beim „Romance Scamming“ bringen Betrüger Menschen dazu, Geld zu überweisen, obwohl man sich noch nie gesehen hat. Franziska Koark
Mecklenburg-Vorpommern

Sie hatte auf die Liebe ihres Lebens gehofft, war mit dem Auto aus der Region Pasewalk nach Berlin-Schönefeld gefahren, um den Mann ihrer Träume vom Flughafen abzuholen. Am Ende stand sie ganz allein da mit den verletzten Gefühlen und hatte viel Geld verloren. Ulrike W. (59, Name geändert) ist Opfer eines Heiratsschwindels geworden. Der wird heute nicht mehr nur auf Bällen der einsamen Herzen, sondern vor allem digital angebahnt und „Romance Scamming“ genannt. Opfer sind in aller Regel Frauen.

US-Armee-Offizier bei Facebook?

Der Fall von Ulrike W. ist typisch. Im Sommer vergangenen Jahres fing alles auf der Online-Plattform Facebook an. Dort hatte sich der US-Amerikaner Andre Oberg aus Alabama bei ihr gemeldet, der angeblich bei der Army ausgeschieden war, um sich zur Ruhe zu setzen. Ulrike W. sah auf dem Profil-Bild einen leicht ergrauten Mann Mitte 50, der blendend aussah und zudem fehlerfrei in Deutsch schrieb. „Ich war jahrelang in Hanau stationiert“, begründete Andre Oberg seine Sprachkenntnisse. Ulrike W. war sofort hingerissen, fasste schnell Vertrauen. Nur: Es war alles gelogen!

„Die Täter stellen sich meistens als gut situiert und attraktiv dar“, beschreibt Polizeisprecherin Claudia Tupeit vom Polizeipräsidium Neubrandenburg den miesen Liebesbetrug. „Häufig geben sie sich auch als Ingenieur, als Arzt oder als Pilot aus“, sagt die Sprecherin.

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Dann brauchte er plötzlich Geld

Ulrike W. hielt zu Andre Oberg über einen Messenger-Dienst mehrere Wochen fast täglich Kontakt. „Er schrieb, seine Frau sei bei einem Autounfall gestorben und er einsam auf seiner Ranch“, berichtet die betrogene Vorpommerin. Im Herbst schließlich wollte er sie in Deutschland besuchen. Doch dann gab es ein Problem. Andre Oberg bat Ulrike W. um Hilfe. „Er schrieb, dass er ausgeraubt worden sei und Geld fürs Hotel und Flugticket bräuchte“, sagt sie und überwies via Western Union 1.500 Euro in die USA.

Nun ist das Geld weg und Andre Oberg nicht mehr erreichbar. „Ich schäme mich dafür, dass ich so dumm war“, zieht Ulrike W. traurig Bilanz. Strafanzeige bei der Polizei stellte sie nicht.

„Wir gehen bei dieser Art des Betruges von einer hohen Dunkelziffer aus“, sagt Polizeisprecherin Tupeit. Bekannt würden zumeist nur Betrugsfälle, bei denen es um sehr viel höhere Summen gehe. Aufs Kreuz gelegt wurde etwa auch ein Senior (90) aus dem Raum Neubrandenburg. Mehr als 70.000 Euro zahlte er an eine vermeintliche "Russin", die Süßholz raspelte und auf Fotos aussah wie ein Model. „Dass etwas nicht stimmte, bemerkte er erst, als wegen Geldwäsche gegen ihn ermittelt wurde“, heißt es bei der Polizei. In der Regel sitzen die Täter in West-Afrika („Nigeria Connection“), die ihre Fake-Accounts über Server in Singapur oder Panama betreiben.

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Betrugsopfer: „Ich fühlte mich seelisch vergewaltigt”

„Romance Scamming“ ist für die Betroffenen in doppelter Hinsicht eine besonders schmerzliche Erfahrung. Die Opfer werden nicht nur finanziell, sondern auch emotional abgezockt. Wenn Helga Grotheer an den Moment vor elf Jahren zurückdenkt, als sie fast auf ihre Internet-Liebe hereinfiel, beschreibt sie ihre Gefühle so: „Ich fühlte mich seelisch vergewaltigt.“

Inzwischen ist sie zu einer Privatermittlerin geworden. Sie spürt Betrüger im Netz auf, arbeitet mit der Polizei zusammen, trug zu 50 Festnahmen etwa bei Geldübergaben bei. Schlüssel für diesen Erfolg ist das von ihr gegründete Internetforum www.romancescambaiter.de. Gemeinsam mit anderen Betroffenen warnt sie hier vor falschen Profilen, warnt zum Beispiel vor geklauten Profil-Fotos, mit denen die Täter ihre Betrugs-Profile anlegen.

„Es muss sich niemand schämen, Opfer geworden zu sein. Jeden kann das treffen. Hinter dem Betrug steckt eine internationale Organisation, deren Mitglieder sich mit allen Tricks auskennen“, sagt Helga Grotheer. „Wir haben bei uns sogar eine Polizistin, die auf den Betrug hereinfiel. Irgendwann war sie emotional gefangen und richtig verliebt.“ Auf ihrem Internetportal finden sich neben Tipps auch Hinweise auf Seiten im Netz, die gefälscht sind. „Da sind sogar bekannte Banken dabei. Daran ist leicht zu erkennen, wozu die Täter fähig sind“, sagt Helga Grotheer.

Kein Geld an persönlich Unbekannte überweisen

Sie selbst entdeckte den versuchten Betrug an ihr nur durch einen Zufall. Sie schrieb den Namen ihres Geliebten in eine Internet-Suchmaschine, erhielt schließlich Einträge zum Thema „Romance Scamming“. Zu diesem Zeitpunkt hatte der angebliche Ingenieur von ihr 7.000 Euro gewollt, um in Afrika Zoll zahlen zu können. Helga Grotheer hielt ihr Geld fest.

„Grundsätzlich sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich viele Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. Seien Sie also immer misstrauisch bei unglaublichen Angeboten – auch bei der Partnersuche“, rät Polizeisprecherin Claudia Tupeit.

Link: romancescambaiter.de (Online-Forum mit Tipps, Warnungen und Hinweisen zu möglichen Liebesbetrug)

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Kommentare (2)

Da wollen sich doch nur einige Jungs ein paar Dollar dazuverdienen, um die Schleppergebühren in die gelobte BRD anzusparen. Es taugt halt nicht jeder zum Antänzer.

Rassistische Vorurteile pflegen Sie da?