RHD-Virus

Kaninchen sterben an aggressiver Seuche

Eben noch fit und fröhlich, ein paar Stunden später tot: Die Kaninchenseuche RHD2 gehört zu den gefährlichsten Viren der Welt. Jetzt ist ein Fall im Nordosten bekannt geworden.
Dieses Kaninchen wurde nicht alt. Es starb in der Feldberger Seenlandschaft an RHD2.
Dieses Kaninchen wurde nicht alt. Es starb in der Feldberger Seenlandschaft an RHD2. privat
Die beiden wurden gerade mal ein Jahr alt. Sie starben an RHD2.
Die beiden wurden gerade mal ein Jahr alt. Sie starben an RHD2. Privat
Wenige Tage vor ihrem Tod waren die Tiere noch fit und fröhlich.
Wenige Tage vor ihrem Tod waren die Tiere noch fit und fröhlich. privat
Vorpommern

Im Nordosten ist eine der weltweit gefährlichsten Kaninchenseuchen aufgetreten: das Rabbit Haemorrhagic Disease 2, kurz RHD2. Sechs Zwergkaninchen in der Feldberger Seenlandschaft verstarben innerhalb weniger Tage, das letzte am Dienstag.

Ein Institut für Tierpathologie in Berlin hat bei einer Obduktion mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit RHD2 nachgewiesen. Wie der Fall aus der Mecklenburgischen Seenplatte zeigt, bietet die Impfung keinen 100-prozentigen Schutz. Der Albtraum jedes Kaninchenhalters.

Züchter Lothar Hidde aus Rothenklempenow (Landkreis Vorpommern-Greifswald) hat seine Hasen geimpft. „Auf Ausstellungen ist das Pflicht. Wer nicht ausstellt, macht das meistens nicht, weil es teuer ist.” Fünf bis sechs Euro koste eine Dosis. Wenn jemand 30 oder mehr Tiere hält, läppere sich das zusammen. Lothar Hidde züchtet Thüringer, eine mittelgroße Rasse. Mit RHD2 oder dem verwandten Erreger RHD1 hatte er es noch nicht zu tun. „Zum Glück.” Vor vielen Jahren hatte er mal Myxomatose im Stall – ebenfalls eine tödliche Seuche. Seither seien seine Tiere verschont geblieben.

Die Seuche kann überall auftreten

Woher erfahren Kaninchenhalter, ob sie in einem RHD-Gebiet leben? Bestenfalls aus Erzählungen anderer Halter, schlimmstenfalls, wenn die eigenen Tiere sterben. Meldepflichtig ist RHD in Deutschland nicht mehr, daher gibt es keine Statistik oder öffentliche Warnungen. Als gesichert gilt aber: ganz Deutschland ist Seuchengebiet.

Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind aktuell keine RHD-Fälle bekannt, sagt Sprecher Achim Froitzheim. Das müsse wegen der fehlenden Meldepflicht jedoch nichts heißen. „Längst nicht jeder erzählt das weiter, wenn er plötzlich tote Kaninchen im Stall hat”, sagt Lothar Hidde. „Mit RHD ist immer zu rechnen”, warnt Achim Froitzheim. „Eine Verbreitung der Erkrankung wäre fatal und muss aus Gründen des präventiven Gesundheitsschutz vermieden werden. Zu den Schutzmaßnamen sollten unnötige Kontakte zu Tieren fremder Bestände vermieden werden. Zukaufstiere nicht direkt einstallen. Separate Quarantänebox wäre eine Lösung.”

Erwischen kann es ausnahmslos jedes Kaninchen, egal, ob es in einer Gruppe in Außenhaltung oder allein in einem Käfig in einer Wohnung lebt. Übertragen wird die auch als Chinakrankheit bekannte Seuche nämlich nicht nur von Mücken und anderen Insekten, sondern auch über Gegenstände.

Der Erreger kann auch aus dem Supermarkt kommen

„Grünfutter von Wiesen ist insbesondere in Seuchengebieten und für ungeimpfte Kaninchen gefährlich. Allerdings wächst auch das abgepackte Heu und Gemüse aus dem Supermarkt unter Umständen mitten im RHD-Gebiet. Auch Trockenfutter besteht aus Rohstoffen, die mit RHD in Kontakt gekommen sein können”, informiert das Portal Kaninchenwiese.de.

Den besten und sichersten Schutz biete immer noch die Impfung. Fliegengitter schützen vor Insekten. Baumblätter und Zweige sind ein relativ sicheres Futter, weil dort keine Kaninchen hinkommen. Wenn RHD in der Nähe aufgetreten ist, sollten Halter keine Gegenstände von befreundeten Haltern leihen und auch den Kontakt zu ihnen meiden. Schuhe sollten vor der Wohnung oder dem Gehege abgestellt werden.

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Erst bluten sie, dann ersticken die Tiere

Wenn sich Kaninchen mit RHD2 anstecken, kommt der Tod plötzlich und fast ohne Vorwarnung. Nach einer Inkubationszeit von zwei bis fünf Tagen zeigen zuvor fit wirkende Stallhasen erst wenige Stunden vor ihrem Tod Symptome. Sie bekommen Fieber oder Untertemperatur, krampfen und interessieren sich kaum noch für ihre Umgebung. Am Ende ersticken sie. Bei RHD1 bluten sie zuvor aus den Körperöffnungen. So gut wie kein Kaninchen überlebt RHD. Diejenigen, die überleben, sind noch einige Monate lang ansteckend. In jedem Fall ist der Tierarzt der beste Ansprechpartner.

Verstorbene Tiere sollten verbrannt und keinesfalls im Garten begraben werden. In dem verwesenden Tier überlebt das Virus Jahre.

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