Der Greif auf dem Anklamer Markt kommt eher naturalistisch daher. Foto: NK-Archiv
Der Greif auf dem Anklamer Markt kommt eher naturalistisch daher. Foto: NK-Archiv
Auch das Segel der Pommern-Kogge „Ucra” wird von einem Greif geziert. Foto: NK-Archiv
Auch das Segel der Pommern-Kogge „Ucra” wird von einem Greif geziert. Foto: NK-Archiv
In der neuen Vorpommern-Marke kommt der Greif gleich zwei mal vor.
In der neuen Vorpommern-Marke kommt der Greif gleich zwei mal vor. Werk 3
Neues Logo, historisches Symbol

Wie der Greif als Wappentier nach Pommern kam

Warum sich die pommerschen Herzöge für das Fabelwesen als Wappentier entschieden haben, ist nicht ganz geklärt. Auf jeden Fall hat es überlebt und ist präsenter denn je.
Vorpommern

Auch fast 400 Jahre nach dem Aussterben der Dynastie der pommerschen Herzöge ist deren Wappentier, der Greif, in der Region immer noch allgegenwärtig. In der neuen Vorpommern-Marke, die in dieser Woche präsentiert wurde (der Nordkurier berichtete), kommt er sogar zwei Mal vor. Einmal als bunte, etwas abstrakte Figur aus drei- und viereckigen Elementen und dann auch noch in dem Slogan „Zum Greifen nah”. Seine ersten „Auftritt” in der Öffentlichkeit hatte der „Neue” quasi unter den Augen des erhaben-naturalistischen Greifen über dem Anklamer Brunnen, der von Walther Preik geschaffen wurde.

Im 12. oder 13. Jahrhundert erstmals augetaucht?

Wie die Pommern allerdings auf den Greif gekommen sind, ist bis heute nicht ganz geklärt. Das erste Mal als pommersches Wappentier aufgetaucht ist er wohl Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts auf dem Siegel eines Enkels von Wartislaw I., dem ersten christlichen Pommernherzog, der bei Stolpe an der Peene von einem Heiden erschlagen worden sein soll.

Löwe und Adler zugleich

Zu jener Zeit war es offenbar praktisch, sich Wappen zuzulegen, da die sogenannten Topfhelme in Mode gekommen und die Ritter in der Schlacht kaum noch auseinander zu halten waren, lautet zumindest eine Theorie. Mit dem Wappen auf dem Schild war dagegen alles klar. Beliebte Wappentiere waren zu jener Zeit schon Adler, Löwen sowie Fabeltiere. Wie eben der Greif, der eine Mischung aus beidem ist: Der Leib eines Löwen mit dem Kopf und den Schwingen eines Adlers als Vereinigung von Kraft und Schnelligkeit. Ob sich die pommerschen Herzöge nun gerade den Greif ausgesucht hatten, um flexibel zu bleiben und je nach Lage der Dinge gegenüber anderen Mächten behaupten zu können, dass in ihrem Wappen ja auch etwas von einem Löwen oder einem Adler stecke, muss wohl Spekulation bleiben.

Auch im Landeswappen zu finden

Zumindest hat das neue „Logo” schon vor gut 800 Jahren funktioniert. Schon bald war „Greifen” ein Synonym für die pommerschen Herzöge. Später nannten sie sich selbst auch so. Während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1637, starben die Greifen mit Herzog Bogislaw XIV. allerdings endgültig aus. Pommern wurde unter dem Königreich Schweden und dem damaligen Kurfürstentum Brandenburg aufgeteilt. Der Greif hat jedoch überlebt. 1881 wurde er als Wappentier für die preußische Provinz Pommern festgelegt und ist heutzutage wesentlicher Bestandteil des Landeswappens von Mecklenburg-Vorpommern.

Städte nutzen ebenfalls das Fabeltier

Im Laufe der Zeit hielt der Greif auch Einzug in die Wappen vieler Städte in Pommern wie zum Beispiel Anklam, Demmin, Ueckermünde oder Pasewalk. Sogar Orte, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg das Stadtrecht erhielten, wie Eggesin oder Torgelow, schmücken sich mit dem Fabeltier. Auch in den – inzwischen zum Teil polnischen – Namen einiger Städte wie Greifswald, Greifenberg (heute Gryfice) oder Greifenhagen (Gryfino) ist der Greif nach wie vor präsent.

Düstere Sage zu Greifswald

Allerdings zeichnet zum Beispiel die Legende, wie Greifswald zu seinem Namen gekommen sein soll, ein nicht gerade sympathisches Bild des Greifen. Demnach sollen Mönche des Klosters Eldena in einem großem Wald auf einem abgebrochenen Baumstamm ein Nest vorgefunden haben, „in welchem ein großer vierfüßiger Greif mit einem doppelten Schwanze saß und brütete”, heißt es in der Sage. Die Mönche werteten das zunächst als gutes Zeichen, um eine Stadt zu gründen. Der vertriebene Greif allerdings soll später noch „manches Kind da geholt und gefressen” haben.

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