Schildbürgerstreich? Die für die Ortsdurchfahrt Zemmin ausgewiesene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro
Schildbürgerstreich? Die für die Ortsdurchfahrt Zemmin ausgewiesene Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde wird aus Richtung Tutow ausgerechnet kurz vor dem Bushaltestellen-Bereich wieder aufgehoben. Stefan Hoeft
Wenn der Smiley fast nur rot leuchtet: Nach den Messungen der Gemeinde fahren mehr als 90 Prozent der Kraftfahrer auf der B 11
Wenn der Smiley fast nur rot leuchtet: Nach den Messungen der Gemeinde fahren mehr als 90 Prozent der Kraftfahrer auf der B 110 zu schnell durch Zemmin. Stefan Hoeft
Grün leuchtet die Geschwindigkeitsanzeigetafel meist nur dann, wenn ein hohes Verkehrsaufkommen oder Abbieger die Kraftfa
Grün leuchtet die Geschwindigkeitsanzeigetafel meist nur dann, wenn ein hohes Verkehrsaufkommen oder Abbieger die Kraftfahrer zum bremsen zwingt. Stefan Hoeft
Tempolimit

Debatte um Tempo 50 und Raserei auf der B110

Noch im Juni ist ein Lokaltermin an der B 110 bei Zemmin geplant. Denn es gibt Diskussionen und Forderungen nach Verbesserungen, weil die Quote der Temposünder sehr hoch ist.
Zemmin

Die Diskussionen in der Gemeinde Bentzin um die Durchfahrt der B 110 im Ortsteil Zemmin halten an. Befeuert auch von den Anliegern, die jeden Tag das Treiben auf der im Vorjahr frisch sanierten Asphaltpiste beobachten. So groß die Freude aller über den weitläufigen Ausbau der Strecke samt entschärfter Kurve und Linksabbieger-Spur aus Richtung Tutow auch ist, mit der Beschilderung sind die Leute ebenso wenig zufrieden wie mit der Einhaltung dieser durch die Kraftfahrer. Denn was bisher alle schon vom Augenschein her vermuteten, lässt sich mit der dort von der Kommune installierten eigenen Geschwindigkeitsmessanlage und Anzeigetafel zweifelsfrei belegen: Die meisten der Wagenlenker halten sich nicht an das Tempo-50-Limit, egal ob sie dort eine Bushaltestelle passieren.

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91 Prozent der Fahrzeuge sind zu schnell

Was wohl für beide Spuren gilt, auch wenn die unmittelbar neben dem Wartehäuschen montierte Apparatur vom 1. April bis 2. Juni nur die aus Fahrtrichtung Jarmen einrollenden Fahrzeuge registrierte. Laut Gemeindevertreter Maik Logall, der die Betreuung und das Auslesen der Technik übernimmt, waren es in diesen zwei Monaten genau 75 396. Immerhin 68 360 bewegten sich schneller als mit 50 Kilometern pro Stunde an Zemmin vorbei. Das entspricht rund 91 Prozent, also nicht mal jeder Zehnte war vorschriftsmäßig unterwegs. Wobei das Gros der Sünder zwischen 60 und 70 auf dem Tacho zu stehen hatte. Aber es gibt auch nicht wenige Ergebnisse teils deutlich darüber, weit bis in den dreistelligen Bereich. Als Spitzenreiter gilt aktuell ein Auto, das mit Tempo 169 das Dorf passierte. Das toppt sämtliche Negativ-Rekorde aus den anderen Ortsteilen, allerdings handelte es sich da auch jeweils um Kreisstraßen.

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Unverständnis über Schilder-Standorte

Für die Kommune geht es derweil nicht nur um die Raserei an sich, sondern ebenso um die Beschilderung in Zemmin. So steht das Verkehrszeichen „50“ aus Richtung Jarmen so versteckt zwischen den Alleebäumen, dass es erst relativ spät zu entdecken und damit ein sehr plötzliches starkes Abbremsen nötig ist. Noch mehr Unverständnis erntet die Beschilderung aus Richtung Tutow. Wo es zwar eine Reduzierung der ohnehin schon auf 70 Kilometer pro Stunde reduzierten Höchstgeschwindigkeit auf 50 gibt, diese aber ausgerechnet vor der Bushaltestelle aufgehoben wird. Sprich ab da darf wieder Gas gegeben und auf Tempo 100 beschleunigt werden. Eine wohl schwer zu vermittelnde Standort-Wahl für die Verkehrszeichen, zumal hier Fahrschüler auf dem Weg zum Bus oder zurück die Straße queren.

Landesamt weiß Bescheid

„Die Sachlage ist uns bekannt“, erklärte Michael Friedrich, Dezernatsleiter für die Öffentlichkeitsarbeit beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern auf Nordkurier-Anfrage. „Es wird noch im Juni 2022 einen Termin vor Ort geben, um die Situation nach der Fertigstellung der Baumaßnahme noch einmal abschließend zu bewerten“, kündigte er an. Wohl wissend, dass in der Gemeinde Gerüchte die Runde machen, dass die derzeitigen Geschwindigkeitsbeschränkungen teils oder gar ganz aufgehoben werden sollen. Eben weil die B 110 an dieser Stelle so großzügig ausgebaut und das Gefahrenpotenzial damit entschärft wurde.

Für Planung war ein anderes Straßenbauamt zuständig

„Die aktuelle Situation basiert auf einer Planung aus dem Jahr 2011. Diese soll bei dem anstehenden Termin erneut betrachtet werden“, erläuterte Friedrich. Damals war noch das Straßenbauamt (SBA) Güstrow für diesen Abschnitt federführend, mittlerweile obliegt das der Schwesterbehörde in Neustrelitz. Die Fragestellungen nun seien unter anderem, ob das Aufhebungsschild 50 km/h an geeigneter Stelle steht und die 50 km/h überhaupt passend sind, so der Dezernatsleiter beim Landesamt. Konkrete Aussagen zum weiteren Vorgehen seien erst nach diesem Treffen möglich, an dem nach seinen Aussagen Amtsverwaltung, Polizei, Verkehrsbehörde und das SBA teilnehmen.

 

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