Traurige Aufräumaktion: Bei einer Kontrolle Anfang Juli fanden sich im Storchenhorst von Groß Zetelvitz nur noch di
Traurige Aufräumaktion: Bei einer Kontrolle Anfang Juli fanden sich im Storchenhorst von Groß Zetelvitz nur noch die fast komplett verwesten Überreste der zuvor drei Jungtiere. In vielen anderen Dörfern der Region blieben die Nester gleich ganz leer. Stefan Hoeft
Nicht der einzige Totalausfall: Bei einer Kontrolle Anfang Juli fanden sich im Storchenhorst von Groß Zetelvitz nur noch
Nicht der einzige Totalausfall: Bei einer Kontrolle Anfang Juli fanden sich im Storchenhorst von Groß Zetelvitz nur noch die fast komplett verwesten Überreste der zuvor drei Jungtiere. In vielen anderen Dörfern der Region blieben die Nester gleich ganz leer. Stefan Hoeft
Tierwelt

Ein tiefschwarzes Jahr für unsere Weißstörche

Lässt sich der Niedergang der Storchenpopulation am mittleren Peene- und Tollensetal überhaupt noch aufhalten? Diese Frage wird immer drängender.
Tutow

Positive Nachrichten im Hinblick auf seine hiesigen Schützlinge zu finden, fällt Friedhelm Ziemann immer schwerer. Denn was der ehrenamtliche Storchenbetreuer für den Altkreis Demmin zum aktuellen Stand der Population zu melden hat, klingt wenig hoffnungsvoll.

Noch nie gab es seit deren Erfassung so wenig brütende Adebare und Nachwuchs wie 2022. Dabei kennt der Mann aus Tutow noch gut jene Zeiten, als der langbeinige Froschjäger zum festen Inventar der Dörfer gehörte und die Zahl des Nachwuchses im dreistelligen Bereich lag – häufig mit drei und vier oder sogar mehr Jungen im Nest.

Nur halb so viele Storchenpaare

Doch wer dachte, die jüngsten katastrophalen Storchenjahre wären das Ende der Fahnenstange beim Abschwung, der wird nun eines besseren belehrt. Ziemann und seine Helfer an den Horststandorten konnten diesmal lediglich 25 Paare entdecken, also vier weniger als 2021/20 und gar 25 weniger als 2014. „Somit gab es innerhalb von acht Jahren noch mal einen Rückgang von 50 Prozent“, so der Tutower.

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Noch gravierender macht sich bemerkbar, dass lediglich 15 davon erfolgreich mit der Aufzucht waren, sechs beziehungsweise sieben weniger als in den beiden Vorjahren. Sprich zehn von den Paaren blieben kinderlos, hinzu kamen zwei Einzelstörche. Der Anteil der erfolglosen Paare liege mit 40 Prozent sehr hoch – ein klares Störungsjahr.

Selbst langjährig besiedelte Horste blieben leer

Dabei habe das Jahr wieder gar nicht so schlecht begonnen: Bereits Ende März schwebten die ersten Westzieher, die einen kürzeren und gefahrloseren Rückweg aus den Winterquartieren haben als die Ostzieher, in unserem Landstrich ein, ganz vorne dabei Loitz und Metschow.

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Rund einen Monat später, also bis zum 25.  April, seien circa 95 Prozent der Brutstörche wieder im Revier gewesen, weiß Ziemann. Also rechtzeitig genug fürs Nisten und Eier legen. Darüber hinaus hatten Januar und Februar jede Menge Niederschlag mit sich gebracht, ließen gute Voraussetzungen für die Brutsaison erwarten.

Viele Horste blieben leer

Doch von Anfang an blieben eben viele der Horste leer, selbst von denen, die früher immer als sichere Bank galten. Als Beispiele nennt der Experte Annenhof, Alt Plestlin, Bentzin, Jagetzow, Kaslin, Lindenhof, Nossendorf, Pustow, Schönfeld, Trantow-Dorf, Zarrentin bei Trantow, Toitz, Volksdorf, Wotenick, Zarnekla und Zarrenthin bei Jarmen. Nun musste er auf dieser immer länger werdenden Liste zudem Leistenow, Pensin, Rustow und Schwinge-Dorf hinzufügen. Einziger diesbezüglicher Lichtblick war die Neuansiedlung eines Storchenpaares bei Trantow am Sandberg Nr.  18, welches sich dort schon 2021 ansiedelte, aber nicht erfolgreich brütete. „Dieses Jahr flog ein Jungstorch erfolgreich aus.“

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Insgesamt gab es im Altkreis Demmin zwei Standorte mit nur einem Zögling, Vierbruten hingegen blieben völlig aus. In lediglich drei Fällen gelang es den Eltern, zumindest drei Jungtiere groß zu bekommen, in den meisten Horsten (10) saßen Zwillinge. Am Ende schafften es 2022 nur 31 der Nestlinge bis zum Abflug. Ein absoluter Negativrekord, der den jüngsten vom Vorjahr (40) fast schon pulverisierte und die Aussicht auf eine Erholung des Bestandes weiter eintrübt. Vor zehn Jahren fiel das Ergebnis mit 96 immerhin noch mehr als drei mal so hoch aus, 2008 hatte es mit 110 das letzte Mal die Dreistelligkeit erreicht.

Damals konnte Friedhelm Ziemann einen durchschnittlichen Bruterfolg von 2,68 Jungen pro Brutpaar vermelden. Der Spitzenwert für dieses Jahrtausend und klar über der Zweier-Marke, die für die Aufrechterhaltung der Population als nötig betrachtet wird. Nach 2012 (2,04) rutschte die Bilanz dauerhaft unter diesen Wert, bisheriger Tiefpunkt ist das besagte 2016 (1,1). Für 2022 ergibt sich mit 1,24 ein leicht besserer Durchschnitt, aber das dürfte bei den übrigen Parametern kaum der Rede Wert sein.

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Ungünstiges Wetter macht Nahrungsangebot knapp

Abgesehen vom ohnehin zu verzeichnenden Schwund des Bestandes und einer ungünstigen Struktur der Landwirtschaft gibt der Tutower Fachmann dem weiteren Wetterverlauf des Jahres Schuld an der Negativ-Entwicklung. Sei der März doch so trocken wie nie seit den Aufzeichnungen in Mecklenburg-Vorpommern gewesen, also sehr ungünstig für das Nahrungsangebot an Kleingetier für die Aufzucht.

„Der April war etwas zu kühl und zu trocken, auch der Mai relativ warm und zu trocken. Die Hitzeperiode im Juli tat ihr Übriges.“ Beute wie Regenwürmer, Frösche und Schlangen ließ sich da weniger als sonst erjagen.

Und weil sich die 2021 registrierte niedrige Feldmausdichte höchstens unwesentlich änderte, konnten die Adebare diese Engpässe nicht wie sonst schon einige Male mit den kleinen Nagern ausgleichen. Dass es dann im Laufe des Brutgeschäftes zu Verlusten kam, in Groß Zetelvitz verendeten sogar alle drei Jungen, trug sein Übriges zur katastrophalen Storchensaison bei.

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