Alfred Koch und das nach seiner Meinung falsche Eingangsschild: Der Tutower möchte für seinen Heimatort den Zusatz &
Alfred Koch und das nach seiner Meinung falsche Eingangsschild: Der Tutower möchte für seinen Heimatort den Zusatz „Siedlung“ im Namen verankert sehen. Und beruft sich dabei auf die Historie. Stefan Hoeft
Was viele Auswärtige und selbst manche Einheimische nicht wissen: „Tutow Dorf“ ist ein Ortsteil der Gemeinde
Was viele Auswärtige und selbst manche Einheimische nicht wissen: „Tutow Dorf“ ist ein Ortsteil der Gemeinde Kruckow. Und während es die einen mit Bindestrich schreiben, lassen die anderen ihn weg. Stefan Hoeft
Die Nachbarn mit dem Gotteshaus: Anders als früher die Flughafen-Siedlung besaß das ursprüngliche Tutow lange
Die Nachbarn mit dem Gotteshaus: Anders als früher die Flughafen-Siedlung besaß das ursprüngliche Tutow lange sogar eine eigene Kirche. Doch in den 1950er Jahren wurde sie baupolizeilich gesperrt, nach der Wende dann abgerissen. Stefan Hoeft
Heimatgeschichte

Einst geheime Siedlung, heute Kommune mit falschem Namen?

Bekommt Tutow neue Eingangstafeln, die seiner Geschichte als Siedlung zum Flugplatz Rechnung tragen? Dafür setzt sich der Tutower Gemeindevertreter Alfred Koch ein.
Tutow

Die Geschichte seines Heimatortes ist für Gemeindevertreter und Bunkermuseumschef Alfred Koch schon lange so etwas wie eine Mission, eingeschlossen die Richtigstellung seines Status innerhalb der übrigen Kommunen. Schließlich stellt Tutow durchaus eine Besonderheit dar, die es zu den jüngsten Wohnadressen des Nordostens macht: In den 1930er Jahren im Zuge der Errichtung des großen Militärflugplatzes an diesem abgelegenen Flecken Vorpommerns entstanden, muss wohl der offizielle Eintrag als „Gemeinde Flughafen Tutow“ am 1. Oktober 1938 ins Reichstädteregister als Geburtstagsdatum herhalten.

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„Geheimer” Ort tauchte nicht auf Karten auf

Denn aus Gründen der Geheimhaltung existierte diese Ansammlung von Straßen und Gebäuden für Außenstehende unweit des eingeebneten Vorwerks Wittenwerder erst mal gar nicht, schon gar nicht in Karten oder anderen öffentlichen Papieren. Doch zumindest als politische Gemeinde musste der Ort eben einen Namen erhalten. Dieser stiefmütterliche Umgang des Staates mit Tutow setzte sich später bis ins Heute fort, kann die Kommune doch weder als echtes Dorf noch als eine Stadt angesehen werden. Und den richtigen Namen trägt sie ohnehin nicht, wie Alfred Koch weiß.

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Es gab bereits ein Tutow

„Es gibt ja eigentlich schon ein Tutow“, verweist er auf den ursprünglichen Ort, der nach wie vor zur Nachbargemeinde Kruckow gehört und sogar über eine eigene Kirche verfügte. Sie musste in den 1950er Jahren baupolizeilich gesperrt werden und kam Anfang der 1990er unter die Abrissbirne, der dazugehörige Friedhof dient noch heute als Kriegsgräberstätte. Doch wegen der Namensübertragung an die Flughafen-Gemeinde habe dieser Ort dann den Zusatz Dorf erhalten, was bei Auswärtigen regelmäßig für Rätselraten sorgt.

Neu Pölitz als Name fiel in der Politik durch

Die Bewohner selbst hätten nach dem Zweiten Weltkrieg gerne eine Umbenennung betrieben, zumal es ja kaum Alteingesessene gab und die Siedlung großteils von Flüchtlingen neu bevölkert wurde. Da viele dieser Menschen aus dem bei Stettin gelegenen und 1945 Polen zugeschlagenen Pölitz stammten, galt Neu Pölitz als Favorit, bereits bestätigt vom Gemeinderat. Aber weil das dortige Hydrierwerk als Beispiel für die Aufrüstung Nazideutschlands stand, fiel der Vorschlag bei den politischen Entscheidern durch.

Papiere im Kreisarchiv aufgespürt

Und auch die Alternative, dem verschwundenen Wittenwerder zu neuen Ehren zu verhelfen, verlief irgendwie im Sande, obwohl 1948 bereits eine entsprechende Befragung der Einwohner anvisiert war. „Dann reißen die Protokolle ab“, berichtet Alfred Koch. Er kennt diese Vorgänge aus alten Unterlagen, von denen er durch die frühere Gemeinderatsangestellte Ingrid Krämer erfuhr und die sich tatsächlich noch im Kreisarchiv aufspüren ließen.

Umbenennung angeregt bei der Kommunalaufsicht

Für Koch ist das heutige Tutow nie Tutow gewesen und sollte dem nun endlich Rechnung tragen, so seine Auffassung. Weshalb der Abgeordnete diese historischen Vorgänge um den Namen und die Entstehung des Ortes an die Kommunalaufsicht beim Landkreis herangetragen hat. Mit dem Ziel, auf möglichst kurze Sicht eine offizielle Änderung herbeizuführen, die den Zusatz Siedlung beinhaltet, auch auf den Ortsschildern. „Es ist nun mal eindeutig, unser Tutow ist immer eine Siedlung gewesen. 2024 hört meine Legislaturperiode auf, bis dahin will ich das geschafft haben.“

Gemeindevertretung soll beraten

Den Kampf dafür hält er keineswegs für aussichtslos, selbst wenn der Gesetzgeber solchen Umbenennungen enge Grenzen setzt. Der Tutower verweist auf jenen Paragrafen der Kommunalverfassung, der eine Namensänderung „durch hinreichende historische Gründe gerechtfertigt“ sieht. Allerdings bedarf es dazu erst mal einer Entscheidung der Gemeindevertretung oder eines Bürgerentscheids. Hinterher muss sich dazu auch die Kommunalaufsicht äußern, das letzte Wort indes hat das Innenministerium des Landes. Alfred Koch hofft, dass über diese Sache bereits bei der nächsten Abgeordneten-Zusammenkunft debattiert und möglichst entschieden wird.

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