Wird die Tutower Straßenbeleuchtung auch im kommenden Winter uneingeschränkt leuchten?
Wird die Tutower Straßenbeleuchtung auch im kommenden Winter uneingeschränkt leuchten?
Wird die Tutower Straßenbeleuchtung auch im kommenden Winter uneingeschränkt leuchten?
Wird die Tutower Straßenbeleuchtung auch im kommenden Winter uneingeschränkt leuchten? Stefan Hoeft
Auch die Heizkosten für das Loitzer Schulzentrum machen der Kommune Sorgen. Denn momentan fahren die Gaspreise kräft
Auch die Heizkosten für das Loitzer Schulzentrum machen der Kommune Sorgen. Denn momentan fahren die Gaspreise kräftig Fahrstuhl – allerdings nur nach oben. Ulrike Rosenstädt
Energiesorgen der Kommunen

Sind warme Turnhallen und Straßenlicht im Peenetalbald Luxus?

Nicht nur Bürger und Unternehmen stehen vor harten Zeiten, was ausufernde Kosten für Energie angeht. Auch die Kommunen müssen sich wohl sprichwörtlich warm anziehen.
Jarmen

Jede Menge gute Tipps und Ansagen zum Energiesparen ebenso wie Aufforderungen, sich Gedanken beispielsweise über Wärmestuben für zu Hause frierende Bürger zu machen. Das alles bekommen die Kommunen derzeit aus der großen Politik serviert.

Doch dass ihnen selbst Angst und Bange werden könnte beim Blick auf die ausufernden Kosten für Brennstoffe und Strom, scheint dort bisher niemand so richtig auf dem Schirm zu haben. Dabei droht der in den vergangenen Jahren oft mühsam erreichte neue Spielraum für freiwillige Aufgaben und Investitionen mächtig an- oder gar aufgefressen zu werden – zumindest am mittleren Peene- und Tollensetal.

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Bewirtschaftungskosten für Immobilien verdoppelt

So werden zwar derzeit in den Stadt- und Gemeindevertretungen des Amtsbereiches Jarmen-Tutow die Jahresabrechnungen 2021 präsentiert, meist mit einem spürbaren Plus. Doch gleichzeitig muss die Verwaltung den Optimismus fürs nächste Jahr dämpfen. Denn die anlaufenden neuen Haushaltplanungen stehen unter dem dunklen Schatten des Krieges in der Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise. Wobei die sogar für 2022 noch Folgen haben könnte.

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„Wir müssen für unsere Immobilien mindestens doppelt so hohe Bewirtschaftskosten veranschlagen“, eröffnete Arite Hacker, die Kassenchefin des Jarmener Rathauses, jüngst der Bentziner Gemeindevertretung. Wohl wissend, dass die Kommune mehrere Jugend- und Kultureinrichtungen, eine Kita und eine Badeanstalt unterhält.

Bei anderen in der Region kommen noch Schulen, Turnhallen, Dorfgemeinschaftshäuser und Feuerwehr-Stützpunkte hinzu. Und sie alle werden überwiegend mit Gas beheizt, teils mit Öl. Sprich der bei diesen Brennstoffen zu erlebende Preisanstieg erwischt früher oder später auch die Städte und Gemeinden. Genauso sieht es bei der Stromversorgung dieser Gebäude und Einrichtungen aus, gleichfalls betroffen ist die Straßenbeleuchtung.

Bisheriger Stromvertrag für Jarmen gekündigt

Letztere etwa kostete allein für Jarmen und seine Ortsteile 2021 noch rund 30 700 Euro. Ein für die Menge der Lampen überschaubarer Betrag, nicht zuletzt, weil mittlerweile fast sämtliche Laternen im Amtsbereich auf LED-Technik umgerüstet wurden. Doch nun hat der regionale Versorger zum Jahresende den langfristigen und äußerst günstigen Stromvertrag gekündigt, der laut Hacker einen reinen Arbeitspreis von fünf Cent beinhaltete.

Diese Leistung müsse also neu ausgeschrieben werden. Mit erschreckenden Aussichten, denn aktuell explodieren die Preise an der Strombörse, näherten sich der 70-Cent-Marke. Da könne sich jeder ausrechnen, was das für die Energieausgaben der Kommunen bedeuten könnte. Einfache Sparmaßnahmen jedenfalls würden das niemals ausgleichen.

„Wir können doch nicht alles abschalten oder schließen”

„Sparen ist oberstes Gebot, aber wir können ja nicht alles abschalten oder schließen“, weiß auch der Loitzer Kämmerer Enrico Vogel, hat dabei insbesondere die Kinder- und Lehreinrichtungen im Blick, genauso wie die eigene Verwaltung. Wenn der Nachwuchs und das Personal krank würden, sei wohl kaum jemandem geholfen. Der Finanzexperte nennt als Beispiel die Regionalschule der Peenestadt, die bisher mit knapp 30 000 Euro pro Jahr fürs Heizgas zu Buche schlägt.

Die sich abzeichnende Verdrei- bis Vervierfachung des Gaspreises alleine dort würde einen tiefen Einschnitt für den Etat bedeuten. „Das ist ein Wahnsinn, der da auf uns zukommt.“ Wobei es der Kommune nun zum großen Vorteil gereiche, dass sie ihre alte Grundschule an den Landkreis verkauft hat und damit deren Unterhaltskosten los ist.

Bei Beleuchtung kaum noch Einspar-Potenzial

Bei der Beleuchtung der Straßen, Wege und Plätze hingegen lässt sich nichts von der Verantwortung abtreten, spielen Sicherheitsaspekte mit hinein. „Wie haben die Zeiten schon so reduziert, dass nichts mehr nutzlos brennt, leuchten manchmal nur noch die Kreuzungsbereiche aus“, kann Enrico Vogel kaum noch Sparmöglichkeiten erkennen.

Trotzdem summierten sich diese Energiekosten für Loitz und seine Ortsteile 2021 auf gut 63 200 Euro, in der Nachbargemeinde Sassen-Trantow auf rund 11 600 Euro und in Görmin auf fast 10 600 Euro.

Was da für 2023 auf die Kommunen zukommt, wagt der Mann nicht zu prognostizieren, geht aber von so viel mehr aus, dass es weh tut. Wissend, dass insbesondere die Landgemeinden schon so mitunter Schwierigkeiten haben, Ausgaben und Einnahmen auszugleichen. Zumindest bei den Energiepreisen würden die im September beginnenden Haushaltsplanungen wohl erstmal wie eine Art Blindflug laufen. „Ich hoffe, dass sich bis zum Vorlegen der Entwürfe im November schon etwas Genaueres sagen lässt. Um zu wissen, wo die Reise hingeht.“

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