Tutows Bürgermeister Roland Heiden (Mitte) zeigte vollen Einsatz beim Werben um Leader-Fördermittel für den sog
Tutows Bürgermeister Roland Heiden (Mitte) zeigte vollen Einsatz beim Werben um Leader-Fördermittel für den sogenannten Promenadenweg. Das Projekt scheiterte zwar, doch für andere bekamen er und die Gemeinde durchaus Geld aus diesem Topf. Trotzdem will sich der Mann nun vorfristig von seinem Ehrenamt zurückziehen. Stefan Hoeft
Neuwahl nötig

Tutows Bürgermeister tritt aus persönlichen Gründen zurück

Politischer Paukenschlag in Tutow: Die größte Jarmener Umlandgemeinde muss sich vorfristig einen neuen Bürgermeister suchen. Denn Roland Heiden gibt sein Amt demnächst auf.
Tutow

Tutow ist seit Bestehen des Amtes Jarmen-Tutow die einzige Amtsgemeinde, in der es bisher einen Bürgermeister-Wechsel während einer laufenden Legislatur-Periode gab. Nämlich 2006, als die schon seit der Wendezeit regierende Elke Kunte von der Wählergemeinschaft wegen eines Umzugs in die alten Bundesländer ihr Mandat aufgeben musste.

Damals bestimmten die Leute den CDU-Kandidaten Hans-Peter Littmann zum neuen Oberhaupt und bestätigten ihn dann bei den nächsten turnusmäßigen Kommunalwahlen 2009.

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Seit 2014 im Amt

Danach allerdings trat er nicht wieder an, zum Nachfolger kürten die Tutower 2014 trotz vier Gegenkandidaten gleich im ersten Wahlgang seinen Partei-Kollegen Roland Heiden, Lehrer und langjähriger Präsident des örtlichen Karnevalsklubs.

Der dann schon pensionierte ehemalige Direktor des Demminer Musikgymnasiums machte auch beim Urnengang 2019 wieder das Rennen – da als einziger Bewerber. Schon im Vorfeld kündigte Heiden im Nordkurier damals an, nach dieser bis 2024 andauernden Legislatur werde Schluss sein.

Doch nun scheint ihm das Amt offenbar so über den Kopf zu wachsen, dass er deutlich vorfristig die Brocken hinwirft – zum 1. November. Darüber informierte der 69-Jährige hinter verschlossenen Türen die Abgeordneten-Runde. Zuvor habe er bereits seine beiden Stellvertreter konsultiert und die Amtsverwaltung in Jarmen, wie er jetzt unserer Zeitung erklärte.

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Viele Probleme und persönliche Angriffe

Dass dieses Ehrenamt alles andere als spaßig würde, hatten dem seit 1975 in Tutow lebenden Vorpommern viele prophezeit, und mitunter schien dem erfahrenen Jecken bereits in seinen ersten fünf Jahren der Humor auszugehen angesichts der zahlreichen Probleme seiner Gemeinde und manch harsch vorgetragener Kritik.

Doch letztlich fühlte er sich fit genug für eine zweite Amtszeit, sah noch genügend offene und lohnenswerte Projekte, um selbst etwas für den Ort zu bewegen. Um dann feststellen zu müssen, dass manches deutlich schwerer zu meistern ist als gedacht und mit persönlichen Angriffen verbunden.

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Obendrein veränderte die Corona-Pandemie auch für die Lokalpolitik einiges, zuletzt gefolgt von der neuen Flüchtlingsbewegung durch den Krieg in der Ukraine und nun auch noch die sich abzeichnende Energie- und Sozialkrise. Alles verbunden mit dem Gefühl, an zu vielen Stellen im Ehrenamt von der großen Politik alleine gelassen zu werden. „Es kommen da viele Komponenten zusammen“, sagte Heiden zu seinen Beweggründen für den Rückzug. Ganz oben allerdings ständen familiäre und gesundheitliche Belange.

Mehr Zeit für Familie und Rücksicht auf Gesundheit

Schließlich konnten sich der Bürgermeister und seine Frau durchaus etwas unerwartet über Nachwuchs bei ihren beiden Söhnen freuen, von denen einer in Hamburg und der andere in Potsdam wohnt. Natürlich zieht sie nun noch mehr dorthin, soll möglichst viel Zeit mit den beiden Enkeln verbracht werden.

Ohnehin reisen sie gerne und genießen kulturelle Veranstaltungen, so dass man häufig unterwegs und nicht in Tutow sei. Dabei handele es sich trotz des Ehrenamts bei so einem Posten als Gemeindechef eigentlich um einen Vollzeit-Job, wie Heiden resümierte.

Egal ob abends, am Wochenende oder krank, die Leute ständen bei Fragen und Problemen jederzeit vor der Tür. Diese Verantwortung immer wieder auf seine Stellvertreter abzuschieben, liege ihm nicht. Darüber hinaus müsse er mittlerweile leider auch an seine Gesundheit denken. Deshalb wollte sich der Pensionär nun gegenüber seiner Kommune ehrlich machen und zog die Reißleine. Einschließlich des Ausscheidens aus der Gemeindevertretung.

Neuwahl voraussichtlich erst 2023

Weil es bis zum nächsten regulären Wahltermin noch fast zwei Jahre dauert, kommt eine kommissarische Amtsübernahme durch seine Vize bis dahin nicht in Frage, wie Thomas Lüthke auf Nachfrage erläuterte, Gemeindewahlleiter für den Amtsbereich Jarmen-Tutow. Sprich die Tutower müssten schnellstmöglich per Neuwahl einen Nachfolger bestimmen. Über den entsprechenden Termin soll bei der nächsten Zusammenkunft der Abgeordneten Ende September beraten werden, aber der Experte rechnet erst 2023 mit dem Urnengang.

Schließlich gelte es, gewisse Verfahrensfristen zu beachten, müssten Bewerber ausreichend Zeit für das Einreichen der Unterlagen und einen möglichen Wahlkampf bekommen. Überdies muss die Möglichkeit der Briefwahl und ein eventueller Stichwahl-Termin ins Auge gefasst werden. „Wahrscheinlich wird das also nichts vor Ende Januar/Anfang Februar“, lautet die Einschätzung des Mannes aus dem Rathaus.

Roland Heiden derweil hofft, bis zu seinem Dienstende noch die ausstehende Realisierung des LEADER-Projektes zu den historischen Informationstafeln in Tutow zu schaffen. Wobei er ebenfalls schon den Rückzug aus der Regionalen Arbeitsgruppe zu diesem Förderprogramm angekündigt hat, genauso wie von der Spitze des Karnevalsvereins.

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