Digitalisierungs-Studie

Greifswald und Neubrandenburg sind Digital-Spitzenreiter in MV

Ein Wettbewerb, von dem die Kommune gar nichts wusste, brachte Greifswald beim Thema Digitalisierung ins Gespräch. Dennoch ist da noch Luft nach oben.
Die Hansestadt Greifswald kommt einer aktuellen Untersuchung zufolge in Mecklenburg-Vorpommern den Anforderungen an eine digit
Die Hansestadt Greifswald kommt einer aktuellen Untersuchung zufolge in Mecklenburg-Vorpommern den Anforderungen an eine digitalisierte Stadt am nächsten. Sina Ettmer_stock-adobe-com
Greifswald

Die Hansestadt Greifswald kommt einer aktuellen Untersuchung zufolge in Mecklenburg-Vorpommern den Anforderungen an eine digitalisierte Stadt am nächsten. Die Unternehmensberatung Haselhorst Associates im bayerischen Starnberg führt die vorpommersche Universitätsstadt in einer jüngst veröffentlichten Smart-City-Studie auf Rang 87 unter den 403 Städten Deutschlands mit mehr als 30 000 Einwohnern. Dabei haben die Berater beispielsweise ermittelt, inwieweit digitale Prozesse im Gesundheitswesen, bei der Mobilität, der Energieversorgung, in Wirtschaft und Handel sowie im Tourismus, aber auch in Verwaltung und Bildung Einzug gehalten haben.

Die Uni-Stadt konnte da punkten. Man sei stolz auf diese Bewertung und natürlich  für das Thema weiterhin offen, wie Rathaussprecherin Andrea Reimann in einem Gespräch mit dem Nordkurier sagt. „Viele Prozesse im Verwaltungsalltag sind für Bürger bereits digital möglich wie etwa die Online-Terminvergabe, das digitale Bewerbungsmanagement, ein Online-Buchungsportal für die Sportstätten und eine digitale Plattform für die Schulanmeldung.” Selbst das Thema Knöllchen spiele da schon eine Rolle.

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Keinen Kontakt zu den Kommunen aufgenommen

Für die Bewertung der Bayern wurde auch analysiert, ob die Schulen über digitale Lernkonzepte oder mobile Endgeräte verfügen, inwieweit Co-Work-Spaces innerhalb der Stadt etabliert sind und wie gut die Stadt beim Ausbau regenerativer Energien und einer intelligenten Stromnetzsteuerung wie auch bei smarten Ampelschaltungen – die sich am Verkehrsaufkommen orientieren – vorwärtskommt. „Das sind alles Bereiche, in denen wir schon gut aufgestellt sind“, weiß Andrea Reimann. „Wir kannten die Studie nicht, sondern hatten sie als kleine allgemeine Meldung in der Zeitung entdeckt und dann selbst recherchiert.“ Dass man die Kommune nicht mit einbezogen hat, sondern sich ausschließlich der öffentlich zugänglichen Angebote bediente, sei legitim, habe aber verwundert.
Zur Bemessung des Digitalisierungsgrades hatte das Beratungsunternehmen nach eigenen Angaben tatsächlich ausschließlich öffentlich verfügbare Daten wie Statistiken, Informationen auf Online-Plattformen und den Internetseiten der Städte her-
angezogen, aber auch auf veröffentlichte Studien von Verbänden oder Initiativen zurückgegriffen. „Vielleicht hätten wir in dem einen oder anderen Bereich noch Wissenswertes beisteuern können, wie etwas beim Thema Digitalisierung an unserer Universität“, gibt Andrea Reimann zu bedenken.
Auch ihr Chef, Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder, verweist auf langjährige Projekte: „Wir haben als Stadt in den vergangenen Jahren viel in Richtung Digitalisierung auf den Weg gebracht“, betont er. Die Corona-Pandemie habe dann noch einmal für einen enormen Schub gesorgt. So wurden vor allem im letzten Jahr mit Unterstützung der Stadt digitale Plattformen etabliert, um beispielsweise Einzelhandel und Gastronomie zu unterstützen. Aus den Schulen und innerhalb der Universität sind digitale Lernkonzepte nicht mehr wegzudenken. „Mit dem Umbau der Alten Mensa zum Digitalen Innovationszentrum etablieren wir in der Stadt ein Leuchtturmprojekt des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Die Greifswald App für Touristen wurde überarbeitet, auch digitale Führungen zu unterschiedlichen Themen in der Stadt wurden etabliert. Auch innerhalb der Stadtverwaltung haben wir bereits viele Bürgerdienste digitalisiert,“ so der Bürgermeister.

Kritik an der Landesregierung

Wie baut die Verwaltung auf diese ersten Erfolge auf? „Das ist eine Daueraufgabe. Die Strukturen in der Verwaltung werden weiter ausgebaut. Hierfür sind im aktuellen Haushalt 2021/22 weitere Stellen vorgesehen“, stellt Andrea Reimann in Aussicht. Das Tempo beim Ausbau von digitalen Dienstleistungen solle gesteigert werden. „Allerdings stoßen wir als Stadt hier auch auf Hemmnisse, die wir nicht unbedingt beeinflussen können, beispielsweise bei gesetzlichen Regelungen, wie etwa oft noch die geforderte schriftliche Form. Außerdem übernimmt das Land M-V keine Führung, koordiniert nicht und stellt zu wenig Geld zur Verfügung. Letztlich fehlen auch Fachkräfte, um diese große Herausforderung umzusetzen“, fasst die Rathaussprecherin die kommunale Kritik auf dem Digitalisierungsweg zusammen.
Warum die Hansestadt vergleichsweise gut abschnitt und nun als Digitalisierungs-Spitzenreiter in MV dasteht, das kann der Oberbürgermeister sich durchaus erklären: „Das Thema Digitalisierung ist ein Schwerpunkt meiner Arbeit seit meinem Amtsantritt.“ In der Stadtverwaltung seien die notwendigen Strukturen geschaffen worden. Es gebe eine Stabstelle Digitalisierung, die die Digitalisierung leitet und koordiniert. Es wurde eine Digitalisierungsleitlinie erarbeitet und ein Maßnahmenplan bis 2022 erstellt. Gemeinsam mit der Uni und mit dem Wissenschafts- und Technologie-Park Nord Ost (WITENO) in Greifswald engagiere sich die Stadt beim Aufbau des digitalen Innovationszentrums in der Alten Mensa.

Noch Saum im Mantel bei der Digitalisierung

Dass bei der Digitalisierung auch in Greifswald noch Saum im Mantel ist, das weiß man dort. Und auch die Bayern haben auf der Bewertungsskala ihrer Erhebung noch Luft nach oben gelassen. So wäre der Idealwert bei Smart City natürlich ein Digitalisierungsgrad von 100 Prozent. Doch diese Marke hat niemand der untersuchten Städte erreicht. Selbst München als bundesweiter Spitzenreiter kommt laut Studie nur auf knapp 48 Prozent. Greifswald erreichte einen Digitalisierungsgrad von 25 Prozent. Damit rückt die Platzierung noch einmal in ein anderes Licht.
Am schlechtesten schnitt im Nordosten übrigens Stralsund auf Platz 362 ab. Im Mittelfeld landeten Neubrandenburg (145) und Rostock (181), in der hinteren Hälfte Wismar (249) und Schwerin (282). An der Spitze liegen die Großstädte München, Hamburg und Köln.
Nach Einschätzung von Arno Haselhorst, Firmengründer und Geschäftsführer von Haselhorst Associates, reicht das in Deutschland eingeschlagene Tempo noch längst nicht aus. Die Mehrheit der untersuchten Kommunen weise einen Digitalisierungsgrad von weniger als 20 Prozent auf. „Schreitet die Digitalisierung der Städte in den kommenden Jahren nicht endlich massiv voran, droht Deutschland seine Klimaziele deutlich zu verfehlen. Eine Energiewende ohne eine intelligente und ressourcenschonende Fortentwicklung der Kommunen ist schlichtweg nicht machbar“, erklärt Haselhorst.

 

 

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Kommentare (2)

Bloß mit Kabelfernsehen sieht’s in NB schlecht aus , wie hier oft zu lesen 😜🤦🏻

Das die gegründete IKT Ost ein Fass ohne Boden ist und ineffizient arbeitet, das hört, liest und sieht man ständig.

Schade, dass die Stadt durch die Bindung an diese IKT Ost nicht auf andere innovativere Dienstleister zurückgreifen kann.

Mit dieser Gründung hat sich die Stadt die stagnierende Digitalisierung selbst eingebrockt.