Wie Menschen altern, liegt nicht nur an den Genen, sagt der Greifswalder Professor Dr. Christof Kessler. In seinem neuen Buch „Essen für ein langes Leben“ klärt er über Nährstoffe, Hormone, Fasten und die gesündeste Ernährung der Welt auf.
Wie Menschen altern, liegt nicht nur an den Genen, sagt der Greifswalder Professor Dr. Christof Kessler. In seinem neuen Buch „Essen für ein langes Leben“ klärt er über Nährstoffe, Hormone, Fasten und die gesündeste Ernährung der Welt auf. privat
Richtig essen

Warum gesellige Menschen älter werden

Jeder Mensch möchte ein hohes Alter erreichen und zwar so gesund wie möglich. Dabei kommt es nicht unbedingt auf die Gene an, sondern den richtigen Lebensstil. Was es zu beachten gilt.
Anklam

Linsen-Karotten-Curry mit Garnelen, Wildschweingulasch, Pastinakenchips mit Erbsenjoghurt oder doch lieber Lachs mit Rucolastampf? Was diese Gerichte gemeinsam haben? Sie alle sollen dazu beitragen, dass ein Mensch länger jung und gesund bleibt. Zu finden sind diese und viele weitere Rezepte in dem Buch „Essen für ein langes Leben“. Geschrieben hat es der Greifswalder Professor Christof Kessler. Er wurde 1950 im polnischen Katowice geboren, wuchs in Wetzlar auf. Nach seinem Studium in Gießen und Heidelberg führte ihn seine berufliche Laufbahn über Köln nach Lübeck und schließlich nach Greifswald, wo er von 1994 bis 2016 Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum war.

Jeder sollte sich mehr mit dem Thema Essen beschäftigen

Schon länger beschäftigt sich der 71-Jährige auch mit dem Thema gesunde Ernährung und verfasste 2019 mit „Essen für den Kopf“ sein erstes Buch dazu. „Darin habe ich vor allem darüber geschrieben, wie die richtige Ernährung unser Gehirn positiv beeinflussen kann und welche Nahrungsmittel bei bestimmten neurologischen Erkrankungen, wie zum Beispiel Migräne, Alzheimer, Depression oder Demenz, den Betroffenen guttun und welche nicht“, erklärt Christof Kessler.

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Sein neues Buch richtet sich hingegen an eine breitere Zielgruppe. „Ich denke, jeder Mensch sollte sich mehr mit diesem Thema beschäftigen“, ist der Professor überzeugt. „Es geht aber nicht nur darum, dass man möglichst lange lebt. Wenn jemand 90 Jahre alt wird, aber ab seinem 50. Lebensjahr kränkelt und irgendwann zum Pflegefall wird, dann hat er nicht viel von seiner langen Lebensspanne. Es geht also vielmehr um eine lange Gesundheitsspanne – und die kann man nur durch einen gesunden Lebensstil erreichen.“

Doch was genau sollte man beachten? Laut Kessler sind vor allem drei Faktoren entscheidend. Zum einen sollte die Ernährung nach der mediterranen Küche ausgerichtet werden, also wenig Fleisch und stattdessen viel frisches Obst und Gemüse sowie Nüsse und Fisch, die viel gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten. Zum anderen sind regelmäßige körperliche Bewegung und ein intaktes Sozialleben von großer Bedeutung.

Zur Verdeutlichung stellt der Autor im Buch die „Blauen Zonen“ vor, ein Begriff für Gegenden weltweit, in denen die Menschen ein besonders hohes Alter erreichen. Dazu gehören zum Beispiel die japanische Insel Okinawa, die griechische Insel Ikaria oder auch die italienische Insel Sardinien. „Dort spielt neben der Ernährung auch die Geselligkeit eine große Rolle und auch die Älteren bleiben bis zuletzt ein Teil der Familie. Bei einigen ist auch das Arbeiten bis ins hohe Alter eine Selbstverständlichkeit“, erklärt Christof Kessler. „Zudem essen sie vorwiegend das, was sie selbst angebaut haben, das heißt, sie essen regional und saisonal.“

Gene entscheiden zu 40 Prozent übers Alterwerden

Was der Neurologe auch immer wieder betont: „Auf die Gene allein kann man sich nicht verlassen, denn das Erreichen eines hohen Alters wird nicht vererbt.“ Spielen die Gene also gar keine Rolle? „Doch, die Gene entscheiden zu etwa 40 Prozent darüber, wie alt man wird. Über die anderen 60 Prozent entscheiden wir selber durch unseren Lebensstil.“ Und egal wie alt man ist, es sei nie zu spät seine Ernährung noch umzustellen, denn nur so könne man eine Abwärtsspirale zum Stehen bringen.

In diesem Zusammenhang fällt auch der Begriff Telomere. Das sind die Kappen an den Enden der Chromosomen, die im Laufe des Lebens bei jeder Zellteilung etwas kürzer werden. Und je kürzer die Telomere sind, desto eher wird ein Mensch krank und desto kürzer ist schließlich auch sein Leben. Dieser Prozess kann laut Kessler nicht nur verlangsamt, sondern durch den richtigen Lebensstil teilweise sogar rückgängig gemacht werden. Dazu gehört im Übrigen auch, langanhaltenden psychischen Stress zu vermeiden.

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Weitere Themen im Buch sind unter anderem die positive Wirkung des Fastens oder auch einige der häufigsten Alterskrankheiten, wie zum Beispiel Arteriosklerose oder Demenz, und wie man ihnen vorbeugt. Und er beleuchtet, welche Rolle die Hormone beim Älterwerden spielen. Wer nach der Lektüre voll motiviert in ein gesünderes Leben starten möchte, findet im zweiten Teil 60 Rezepte, die auf diesem Weg unterstützen können. Sie stammen von Rose Marie Donhauser, einer bekannten Food-Journalistin, die schon mehrere Kochbücher veröffentlicht hat. „Sie hat die Rezepte nach meinen Texten zusammengestellt und das hat sie wirklich toll gemacht“, ist Kessler sichtlich zufrieden und hat auch schon einige der Rezepte zusammen mit seiner Frau nachgekocht.

Es gibt bereits unzählige Bücher, die sich mit gesunder Ernährung auseinandersetzen. Warum sollte man seine Ausführungen dazu trotzdem lesen? „Aus zweierlei Gründen: Erstens ist es kein Schlankmacher-Buch. Es geht nicht um das Abnehmen, wie in vielen anderen Ernährungsbüchern, sondern um eine gesunde Lebensweise im Allgemeinen“, erklärt Kessler. „Und zweitens ist alles, was hier drin steht, wissenschaftlich fundiert und ich habe es so aufgeschrieben, dass es auch jeder versteht, ohne dafür extra Biochemie studieren zu müssen.“ Ergänzt werden die Beschreibungen der chemischen Vorgänge im Körper durch Anekdoten aus seinem Privatleben.

Zu viel an Zucker kann Depressionen erzeugen

Nun stehen die Weihnachtstage vor der Tür, die bei vielen mit ausgiebigem Schlemmen verbunden sein werden. Gibt es Tipps, wie man zumindest etwas gesünder genießen kann? „Man sollte ein Zuviel an Zucker vermeiden, muss aber nicht gänzlich darauf verzichten“, so Kessler. „Schokolade macht uns zum Beispiel glücklich, weil der Körper aus dem darin enthaltenen Tryptophan das sogenannte Glückshormon Serotonin erzeugt. Doch aufgepasst, denn zu viel Zucker macht nicht nur dick, sondern kann sogar Depressionen erzeugen.“ Zurückhaltend sollte man auch bei frittiertem Essen sein, denn dieses enthält die sehr ungesunden Transfette. Diese ungesättigten Fettsäuren können unter anderem den Gehalt des „bösen“ Cholesterins (LDL) erhöhen, was eine Gefäßverkalkung begünstigen kann. Doch auch hier gilt: Komplett muss nicht darauf verzichtet werden. „Dieser Tage dreimal Mutzen zu essen, schadet noch nicht, aber es sollte nicht zur Gewohnheit werden“, macht der Experte deutlich.

Christof Kessler & Rose Marie Donhauser:

Essen für ein langes Leben,

Südwest Verlag 2021, 160 Seiten.

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