Die Grippeschutzimpfung wird in diesem Winter wieder stärker ein Thema sein, auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald.
Die Grippeschutzimpfung wird in diesem Winter wieder stärker ein Thema sein, auch im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Jan Woitas
Das Interesse an Corona-Impfungen im Kreis Vorpommern-Greifswald ist überschaubar. Über den Landkreis wurden zuletzt
Das Interesse an Corona-Impfungen im Kreis Vorpommern-Greifswald ist überschaubar. Über den Landkreis wurden zuletzt rund 100 Dosen pro Woche verimpft. Stefan Sauer
Corona und Co.

Vorpommern plant gleich drei Impfkampagnen

Tausende Einheiten an Impfstoff hat der Kreis Vorpommern-Greifswald erhalten. Es geht längst nicht nur um Corona – aber mal wieder um Bürokratie im Gesundheitswesen.
Anklam

Mehrere tausend Impfungen will der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit eigenem Personal in den kommenden Wochen durchführen. Die Medikamente dafür stünden bereit, betont Landrat Michael Sack (CDU) im Pressegespräch. Doch die Akzeptanz der Corona-Impfungen scheint dabei die geringste Sorge für die Behörde. Man rechne in den kommenden Wochen zwar mit einer etwas höheren Nachfrage, aber das Schlangestehen an Impfzentren gehört wohl vorerst der Vergangenheit an.

Für neue Impfstoffe fehlten die Formblätter

Auch wenn der Landkreis inzwischen mehrere neue Impfstoffe anbietet. Seit dieser Woche auch den ersten echten Totimpftoff gegen das Corona-Virus, unter dem Namen Valneva, und verschiedene an Omikron-Varianten angepasste Vakzine von Biontech und Moderna.

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Die Impfstoffe standen zwar teilweise schon seit ein bis zwei Wochen in den Vorratsschränken. Aus formalen Gründen würden einige davon aber erst jetzt zum Einsatz kommen. Die Bürokratie... „Es fehlten die entsprechenden Formblätter für die Einwilligung der Patienten”, so Sack. Denn neue Impfstoffe würden auch neue Aufklärungsbögen nach sich ziehen und die hätten die zuständigen Landesbehörden eben erst jetzt zur Verfügung gestellt.

Grippe-Schutz deutlich komplizierter

Überhaupt stöhnt man in Sachen Impf-Kampagnen im Greifswalder Landratsamt über die Bürokratie. Denn in diesen Tagen starten auch die Grippe-Impfungen. Ähnlich wie bei Corona bietet die Kreisverwaltung hier ein „ergänzendes Angebot”, wie es heißt. Zusätzlich zur Möglichkeit, sich beim Hausarzt spritzen zu lassen.

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Doch bei der Grippeimpfung sind die Angebote komplizierter, weniger bürgernah als beim Schutz gegen das Coronavirus. Statt flexiblen Impfzentren, in die die Bürger auch ohne Termin kommen oder einen solchen per Online-Formular buchen können, läuft hier alles nach Verfahren der Vor-Corona-Zeit. Enge Zeitfenster, Impfungen ausschließlich mit Termin, Vereinbarungen nur per Telefon zu festen Bürozeiten. Ein besonderes Angebot für Berufstätige soll es sein, Termine auch an Dienstagen zwischen 15.30 Uhr und 17.15 Uhr vereinbaren zu können. „Vielleicht können wir das noch mal ausweiten”, sagt Sack und räumt ein, dass es anders natürlich besser wäre.

Formale Hürden bei den Impfungen

Ein gleichzeitiges Impfen gegen Corona und die Grippe sei zwar nicht möglich, aber natürlich wünsche er sich, so der Landrat, dass auch die Grippeimpfung unkomplizierter in Anspruch genommen werden könnte – eben auch über die Impfzentren. „Nur geht das leider nicht, weil...”, setzt der Landrat an und blickt kurz fragend zu einem Mitarbeiter.

Wieder sei es die Bürokratie. Ein Problem: Die Impfzentren gegen Corona würden vom Bund finanziert. Wegen der Abrechnung sei es eben nicht zulässig, dass der Landkreis die ohnehin vorhandene Infrastruktur für andere, eigene Angebote nutze.

Geschwächtes Immunsystem

Dennoch rechne man bei der Grippe mit höheren Zahlen an Impfwilligen in den kommenden Wochen. Der Landrat jedenfalls spricht hier einen deutlicheren Appell aus. „Die Grippesaison beginnt und nach zwei Jahren mit hohen öffentlichen Hygienemaßnahmen, wird das Immunsystem vieler Menschen möglicherweise etwas schwächer arbeiten”, sagt er. All jene, für die die Impfung empfohlen sei, also zum Beispiel Ältere, Schwangere oder chronisch Erkrankte, täten gut daran, den Schutz in Erwägung zu ziehen.

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Beim Kreis jedenfalls habe man für den Start der Kampagne deutlich mehr Impfstoff bestellt als in vergangenen Jahren. „Und wir können ja nach Bedarf nachordern. Die Impfstoffe sind gut verfügbar.”

Masern-Impfungen für Flüchtlinge

Und noch auf eine dritte Krankheit und den möglichen Schutz will die Kreisverwaltung in diesen Tagen hinweisen: Masern. Eine Impfung, für die es in Deutschland tatsächlich seit ein paar Jahren eine allgemeine Pflicht gibt. „Alle Kinder ab dem vollendeten Lebensjahr müssen beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten eine Masern-Impfung vorweisen”, betont man bei der Behörde.

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Das sei zwar nicht grundlegend neu und auch verbreitete Praxis, aber in den vergangenen Monaten seien viele ukrainische Flüchtlingskinder in die Region gekommen, die nun die örtlichen Bildungseinrichtungen besuchen. Gut möglich, dass Landrat Sack mit diesem Appell weniger die Familien als die Schulen, Kitas und Tageseltern im Blick hat. Denn auch die, betont er, könnten mit einem Bußgeld belegt werden, wenn sie Kinder trotz eines fehlenden Nachweises aufnähmen. Bis zu 2500 Euro pro Fall sehe das Gesetz als Strafe vor. Gebrauch habe man davon bislang aber nicht machen müssen. „Wir bekommen das immer anders geregelt”, so der Landrat.

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