Kurator Mario Scarabis installiert in der Ausstellung den Nachdruck „Gleiches Teilen“ aus Münchs Störteb
Kurator Mario Scarabis installiert in der Ausstellung den Nachdruck „Gleiches Teilen“ aus Münchs Störtebeker-Grafikmappe. Ralph Sommer
Mit der Federzeichnung „Der Knüppel“ thematisiert Armin Münch die Hinrichtung von Klaus Störtebeker
Mit der Federzeichnung „Der Knüppel“ thematisiert Armin Münch die Hinrichtung von Klaus Störtebeker auf dem Hamburger Grasbrook. Der Legende zufolge soll der enthauptete Pirat noch an mehreren seiner Vitalienbrüder vorbeigelaufen sein, ehe ihm jemand einen Knüppel zwischen die Beine gehalten hat. Schönebeck Carsten
Gezeigt wird auch ein Nachdruck der Federzeichnung „Vor der Königin“ aus der Störtebeker-Mappe von Armin
Gezeigt wird auch ein Nachdruck der Federzeichnung „Vor der Königin“ aus der Störtebeker-Mappe von Armin Münch. Schönebeck Carsten
Landesmuseum

Die Störtebeker-Legende und ein wertvolles Geschenk

Auf Rügens Freilichtbühne haben endlich wieder Proben für ein neues Piratenabenteuer begonnen. Auch das Pommersche Landesmuseum widmet sich in diesem Jahr der Störtebeker-Legende.
Greifswald

Im Foyer des Pommerschen Landesmuseums in Greifswald wird seit Donnerstag in einer kleinen Kabinettausstellung an den 2013 verstorbenen Zeichner, Illustrator und früheren Greifswalder Universitätsprofessor Armin Münch erinnert. Präsentiert werden 21 Federzeichnungen, die der damals 83-Jährige noch vor seinem Tod dem Museum überließ.

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Seefahrer-Legenden und ein Urlaub auf Rügen

Dabei handelt es sich um ein Mappenwerk, das der Künstler als Auftragswerk anlässlich der damaligen Rügenfestspiele mit der dramatischen Ballade „Klaus Störtebeker“ von Kurt Barthel (KuBa) geschaffen hatte. Münch hatte sich schon als junger Mann nach der Lektüre von Willi Bredels 1950 erschienenem Roman „Die Vitalienbrüder“ für die Seefahrer-Legende interessiert. Nach einem Urlaub auf Rügen, bei dem er sich von Einheimischen die vermeintlichen Schlupfwinkel der Piraten zeigen ließ, hatte er damit begonnen, in zahlreichen Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitten das Leben von Klaus Störtebeker darzustellen.

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Freundschaft und Frösi

Münch war befreundet mit dem langjährigen Rostocker Theaterintendanten Hanns Anselm Perten, der 1959 die Rügenfestspiele mit der ersten Störtebeker-Freilichtaufführung geleitet hatte. Schon in dieser Zeit hatte er sich mit Störtebeker-Porträts sowie mit Zeichnungen von den Festspielen beschäftigt. Als im Jahr 1980 die Wiederaufführung der KuBa-Interpretation vorbereitet wurde, beauftragte ihn der Rat des Bezirkes Rostock mit der Erstellung mehrerer Tuschzeichnungen.

Gezeigt würden nun im Pommerschen Landesmuseum nicht nur alle 21 großformatigen Arbeiten der Schenkung, sagt Kurator Mario Scarabis. „Wir haben auch frühere Zeichnungen des ehemaligen Nationalpreisträgers in die Ausstellung aufgenommen. Zusätzlich präsentieren wir eine Vielzahl historischer Störtebeker-Veröffentlichungen, darunter mehrere Erstveröffentlichungen von Büchern und Comics, etwa aus der DDR-Kinderzeitschrift Frösi.

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Kunstprojekte über Krieger und Kernenergie

Münch sei ein sehr vielseitiger Künstler gewesen, sagt Scarabis, der den Hochschulprofessor noch kurz vor dessen Tod in Rostock besucht hatte. Neben der Störtebeker-Thematik habe sich Münch künstlerisch auch mit der Moby-Dick-Legende von Herman Melville und mit dem Leben des Freikorpsoffiziers Ferdinand von Schill, der 1809 in Stralsund im Kampf gegen französische Truppen fiel, beschäftigt. Auch dem Napoleon-Bezwinger Gebhard Leberecht von Blücher galt sein Interesse.

Bekannt wurde der Buchillustrator auch mit seinen Bilder-Zyklen aus den ostdeutschen Werften und mit seinem Grafik-Katalog zur friedlichen Nutzung der Kernenergie im Kernkraftwerk Lubmin, die er nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1986 kritisch hinterfragte.

Die Foyerausstellung über einen der bedeutendsten zeitgenössischen Zeichner Mecklenburg-Vorpommerns kann ab sofort zum Eintrittpreis von 2,50 Euro bis Ende Juli im Pommerschen Landesmuseum besichtigt werden.

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