Natur in Vorpommern

Welche Adler es jetzt in den Süden treibt

Schon zu DDR-Zeiten erkannten Umweltschützer, dass die intensive Landwirtschaft zu Lebensraumzerstörungen für viele Tierarten führt. So auch für Adler.
Der Mäusebussard ist der mit Abstand häufigste Greifvogel im Kreis und brütet mit weit über 500 Paaren.
Der Mäusebussard ist der mit Abstand häufigste Greifvogel im Kreis und brütet mit weit über 500 Paaren. Norbert Warmbier
Auf der Speisekarte des Schreiadlers steht auch die Blindschleiche
Auf der Speisekarte des Schreiadlers steht auch die Blindschleiche Nobert Warmbier
Blüht die Königin der wilden Heide, die weiße Erika wie hier zwischen Torgelow und Krugsdorf, dann ziehen Schr
Blüht die Königin der wilden Heide, die weiße Erika wie hier zwischen Torgelow und Krugsdorf, dann ziehen Schrei- und Fischadler in den Süden. Norbert Warmbier
Der Rotmilan ist der am leichtesten zu bestimmende Greifvogel zischen Peenemünde und Penkun.
Der Rotmilan ist der am leichtesten zu bestimmende Greifvogel zischen Peenemünde und Penkun. Norbert Warmbier
Auch Rehkitze gehören zum Nahrungsspektrum von Schrei- und Seeadlern, aber nur wenn sie ausgemäht wurden.
Auch Rehkitze gehören zum Nahrungsspektrum von Schrei- und Seeadlern, aber nur wenn sie ausgemäht wurden. Norbert Warmbier
Vorpommern

Bereits in der DDR erkannten Umweltschützer den Artenschwund besonders in der Adlerwelt zwischen Greifswalder Boddenlandschaft, dem Peenetal und der Ueckermünder Heide, denn durch den massiven DDT-Einsatz in der Landwirtschaft vergifteten sich die Greife und selbst der Nachwuchs blieb aus. Aber auch die Wälder wurden aus der Luft gegen Nachtfalterfraß gespritzt.  Die intensive Land- und Forstwirtschaft führte zu Lebensraumzerstörungen. Aus Laub- und Mischwaldbeständen wurden durch Nadelbäume reine Wirtschaftswälder, letztendlich naturfeindliche Bretterplantagen. Viele Feuchtwiesen wurden kultiviert oder in Acker umgewandelt.

Nach der Wende entstanden verschiedene Projekte

1956 gründete sich unter der Obhut erfahrener Wildtierschützer in der DDR der Arbeitskreis „Zum Schutz der vom Aussterben bedrohten Tiere“. Für die Adler traten Horstschutzzonen in Kraft. In der 100 Meter-Zone dürfen keine Veränderungen der Bestockung durchgeführt werden. Nach der Wende entstand dann die Projektgruppe „Adlerschutz“, die dann 2008 in „Großvogelschutz“ umbenannt wurde. Diese Arbeitsgruppe wird durch das Lung (Landesamt für Umwelt Naturschutz und Geologie) Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Güstrow koordiniert. Dieses leitet ein Netz von 65 ehrenamtlichen Horstbetreuern.

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Ist der Seeadler durch Presse und Fernsehen heute in den Mittelpunkt des Artenschutzes gerückt, so hat den Schreiadler kaum ein Waldspaziergänger in freier Wildbahn beobachtet, denn dies ist meist nur versierten Ornithologen möglich. Recht ähnlich sehen der Schwarzmilan und der dunkelbraune Mäusebussard aus. Wichtig ist es beim gewissenhaften Studium der Fachliteratur, sich zu merken, dass der Schreiadler ein ausgesprochener Zugvogel ist. Seine Reise vom Randow-Bruch, dem Peenetal und den Wäldern von Karlsburg bis Jarmen in den warmen Süden tritt der Pommernadler, wie Aquila pommarina wissenschaftlich genannt wird, meist im September an. In der Regel ist dann unsere Region von Oktober bis Anfang April Schreiadler frei.

Pommernadler ist der kleinste Adler Deutschlands

Der Pommernadler ist von den vier in Deutschland brütenden Adlerarten mit 1,1 Kilogramm bis 2,2 Kilogramm Gewicht und 66 Zentimetern Größe der kleinste Adler Deutschlands. Im Gegensatz zum recht häufigen Mäusebussard mit nur 1,30 Metern Flügelspannweite wirkt der Schreiadler mit seinen bretterartigen bis zu 1,65 Meter klaffenden Schwingen doch wie ein echter Adler. Im April kann man in den Schreiadlerrevieren wieder ein lautstarkes Naturspektakel meist über einsamen Laub- und Mischwäldern beobachten. Während der Balzzeit kreist das Brutpaar in luftiger Höhe und dann wird recht melodisch geschrien, was die Stimmbänder hergeben. Aus dem Spiralflug legt das Männchen plötzlich die Flügel an und geht in einen halsbrecherischen Girlandenflug mit Luftrollen über. Dann in voller Akrobatik werden die Schwingen geöffnet und im Bogen wird wieder aufgestiegen. Danach wird im Balzrausch die Flugshow mehrfach wiederholt.

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Der Horst befindet sich immer in der Krone hoher Bäume, so in Buchen, Eichen und Eschen. Meinen ersten Horst, den ich bei Anklam am Rande des Peenetals fand, war genau wie der zweite Fund am Rande der Ueckermünder Heide bei Leopoldshagen aber in einer Fichte. Das war vor 50 Jahren. Heute sind diese Brutstätten längst verwaist. Wahrscheinlich brüten in unserem Kreis Vorpommern-Greifswald kaum ein Dutzend Schreiadlerbrutpaare erfolgreich. In Deutschland sind es um die 85 Brutpaare, wobei die meisten in unserem Bundesland brüten. Zu den wichtigsten Überlebensstrategien der Schreiadler gehört der Geschwistermord. Noch vor 100 Jahren war diese Lebensart eine ausreichende Methode, die den einst erfolgreichen Aar heute in die Sackgasse führt. Doch es gibt menschliche Hilfe durch Schreiadlerexperten auch aus unserem Bundesland, die mit osteuropäischen Ornithologen eng zusammenarbeiten. Darüber wird im nächsten Teil berichtet.

 

Wer Gesänge und Geräusche von Vögeln und anderen Tieren aber auch dem wundervollen Klang der Umwelt lauschen und dabei beim Anblick Adlern Stress abbauen möchte, kann bei einer Naturwanderung richtig Kraft tanken. Anmeldungen sind möglich unter 0151 56074311.

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