Wenn eine als vermisst gemeldete Person in Gefahr ist, setzt die Polizei eine intensive Suche in Gang. Im vergangenen Jahr gab
Wenn eine als vermisst gemeldete Person in Gefahr ist, setzt die Polizei eine intensive Suche in Gang. Im vergangenen Jahr gab es 309 Fälle. Symbolfoto: Archiv/Sigrid Werner
Hunderte Menschen werden jedes Jahr in Vorpommern-Greifswald vermisst.
Hunderte Menschen werden jedes Jahr in Vorpommern-Greifswald vermisst. Jens Büttner
Vermisst

Manche Vorpommern sind schon seit mehr als 20 Jahren verschollen

Hunderte Personen werden jedes Jahr in Vorpommern-Greifswald vermisst. Die meisten tauchen wohlbehalten wieder auf. Einige bleiben für immer verschwunden.
Pasewalk

Demenz, Gewalt, Depressionen, Liebeskummer, Drogen, jugendlicher Übermut – die Gründe, aus denen Menschen verschwinden, sind vielschichtig. Hunderte werden jedes Jahr im Landkreis Vorpommern-Greifswald als vermisst gemeldet. Die meisten tauchen gesund und munter wieder auf – aber nicht alle.

Lesen Sie auch: Vermisstenfälle – wenn Menschen verschwinden

Intensive Suche nach 73-jährigem Pasewalker

In 309 Vermisstenfällen waren die Beamten im Jahr 2021 in Vorpommern im Einsatz. In acht Fällen sucht die Polizei weiterhin nach insgesamt 13 Personen. Es handelt sich um Flüchtlinge zwischen 16 und 17 Jahren, die derzeit nicht auffindbar sind. Sieben weitere Personen wurden tot gefunden.

Auch interessant: Diese ungelösten Kriminalfälle gibt es in Ost-MV

So lag im August bei Papendorf in der Nähe der Autobahn 20 ein Toter. Es handelte sich um einen 73-Jährigen aus Pasewalk, der zwei Monate zuvor als vermisst gemeldet und intensiv mit Hubschrauber und Hunden gesucht worden war. Hinweise auf Fremdverschulden gab es nicht.

Die meisten sind Dauerausreißer

„In den meisten Fällen werden Vermisste relativ zügig gefunden oder melden sich zurück“, sagte Andrej Krosse von der Polizeiinspektion Anklam. Etwa Dreiviertel aller Vermisstenfälle machen Dauerausreißer aus, also Kinder und Jugendliche, die von zu Hause oder aus Betreuungseinrichtungen weggelaufen sind. Daneben gibt es auch einige Personen, die immer mal wieder aus Kliniken oder Pflegeheimen kurzzeitig vermisst werden.

Frau im Wald entdeckt

„Sobald wir von einer vermissten Person erfahren, suchen zunächst die Polizeikräfte der örtlichen Dienststelle. Wenn es Sinn macht, werden Diensthundeführer mit einem Fährtenhund oder ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Sollte der Vermisste ein Mobiltelefon bei sich führen, wird eine Handyortung geprüft“, erklärt der Polizeisprecher. Darüber hinaus werden andere Dienststellen und Institutionen informiert, zum Beispiel die Bundespolizei, Verkehrsunternehmen, Fahrdienste, Krankenhäuser oder die Feuerwehren. Wenn nötig, werde Vorpommern-Greifswalds ehrenamtliche Rettungshundestaffel um Hilfe gebeten. Über die Medien werde die Bevölkerung sensibilisiert.

Zu den für die Polizei bewegendsten Fällen gehörte im vergangenen Jahr der einer 85-Jährigen aus einem Dorf bei Greifswald, die wochenlang intensiv gesucht wurde. Ein Jäger fand Ende August ihr Auto in einem Wald, die Polizei ganz in der Nähe ihre Leiche. Auch hier gab es keine Hinweise auf ein Verbrechen.

Als Langzeitvermissste registriert

Es gibt aber auch Menschen, die nie gefunden werden. 21 Personen sind bei der Polizei in Vorpommern-Greifswald als sogenannte Langzeitvermisste registriert. Einige von ihnen sind schon seit den 90er Jahren verschollen. „Diese Fälle werden durch die Kriminalbeamten immer wieder mal nach neuen Erkenntnissen geprüft. Aktive Suchen werden derzeit nicht durchgeführt“, sagt Andrej Krosse.

Eigene Entscheidung

Manche Menschen wollen gar nicht gefunden werden. „Solche Fälle gibt es hin und wieder. Es gibt Menschen, die sich wegen persönlicher Probleme, Streit mit anderen Personen oder aus sonstigen Gründen entscheiden, ihr gewohntes Umfeld zu verlassen. Das muss man akzeptieren.“ Weil diese Menschen bei der Polizei nicht als vermisst geführt werden, weiß niemand, wie viele es sind.

Eine 24-Stunden-Frist gibt es nicht

Die landläufige Meinung, ein Mensch, ausgenommen Kinder und Kranke, müsse 24 Stunden lang verschwunden sein, bevor die Polizei ihn sucht, ist nach Auskunft von Andrej Krosse falsch. „Personen gelten als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann, zum Beispiel als Opfer einer Straftat, bei einem Unglücksfall, bei Hilflosigkeit oder Selbsttötungsabsicht.“ Jeder Einzelfall werde genau geprüft. Minderjährige gelten in jedem Fall als vermisst, sobald sie weg sind. „Bei ihnen muss grundsätzlich eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden, solange Ermittlungen nichts anderes ergeben.“

Die Zahl der Vermisstenfälle war in den vergangenen Jahren in Vorpommern-Greifswald rückläufig. 490 Fälle waren es im Jahr 2018, in 412 Fällen wurde die Polizei im Jahr 2019 aktiv und 315 Personen wurden im Jahr 2020 als vermisst gemeldet.

zur Homepage